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Medizin

Mammakarzinom: Nächtliches Licht könnte Tamoxifenwirkung schwächen

Freitag, 25. Juli 2014

dpa

New Orleans – Die Wirksamkeit der Hormontherapie mit Tamoxifen könnte nachlassen, wenn die Brustkrebspatientinnen nachts in einem hellen Zimmer schlafen oder aus anderem Anlass die Nächte zum Tag machen. Darauf deuten tierexperimentelle Studien in Cancer Research (2014; doi: 10.1158/0008-5472.CAN-13-3156) hin. Eine mögliche Erklärung ist die Blockade der nächtlichen Melatoninproduktion, zu der es bereits bei Dämmerlicht kommen soll.

Die Biologen Steven Hill und David Blask von der Tulane University in New Orleans führten ihre Experimente an Ratten durch, denen sie menschliche Mammakarzinome transplantiert hatten. Die Tumore waren östrogenrezeptor-positiv und vergrößerten sich unter dem Einfluss der von den Ratten produzierten Östrogene.

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Die Behandlung mit Tamoxifen, das die Östrogenrezeptoren besetzt, verhinderte das Wachstum der Tumore. Diese auch von der Hormontherapie des Mammakarzinoms beim Menschen her bekannte Wirkung blieb aus, wenn die Tiere in einem Käfig schliefen, der nachts schwach beleuchtet war. Hill und Blask sprechen von einer kompletten Tamoxifen­resistenz, die überwunden wurde, wenn die Tiere abends mit Melatonin behandelt wurden. Die Biologen vermuten deshalb, dass ein Melatonin-Mangel, ausgelöst durch die Dauerbeleuchtung des Käfigs, für die Tamoxifenresistenz verantwortlich ist.

Die Leuchtstärke hat Hill und Blask zufolge einem leichten Dämmerlicht entsprochen, wie es beispielsweise durch einen Türspalt aus einem hellen Nachbarzimmer erzeugt werde. Auch beim Menschen kann die Melatoninproduktion in der Epiphyse durch schwaches Licht gehemmt werden.

Melatonin ist seit längerem als Mittel zur Krebsprävention in der Diskussion. Die Evidenz ist jedoch schwach. Sie stützt sich überwiegend auf Laboruntersuchungen und epide­miologische Studien, in denen Schichtarbeit bei Frauen mit einem erhöhten Brustkrebs­risiko assoziiert war. Wirkungsbelege aus randomisierten Studien fehlen weitgehend.

Ob die Ergebnisse an Ratten auf den Menschen übertragbar sind, ist unklar. Klinische Studien zum Einsatz von Melatonin im Rahmen der Hormontherapie wären sicherlich sinnvoll. Da Tamoxifen als Generikum und Melatonin als Nahrungsergänzungsmittel im Handel sind, gibt es für die Hersteller keinen finanziellen Anreiz für die Durchführung teurer Studien. Die öffentliche klinische Forschung hat sich bisher nicht für die „wundersamen“ Wirkungen von Melatonin erwärmen können. © rme/aerzteblatt.de

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