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Medizin

Schwangerschaft: Heparin bei Thrombophilie in Studie ohne Schutzwirkung

Freitag, 25. Juli 2014

dpa

Ottawa – Die prophylaktische Heparinisierung, zu der Frauen mit erhöhter Thrombose­neigung in der Schwangerschaft geraten wird, hat in einer randomisierten Studie im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)60793-5) das Komplikationsrisiko nicht senken können. Eine erhöhte Rate von kleineren Blutungen stellt die Empfehlung zusätzlich infrage.

Thrombose und Lungenembolie gehören in den Industrieländern zu den häufigsten Todesursachen in der Schwangerschaft. Die Inzidenz ist mit 1,2 bis 4,7 Todesfällen pro 100.000 Schwangerschaften zwar gering, kann bei einer „Thrombophilie“ aber deutlich ansteigen.

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Die „Thrombophilie“ umfasst eine Reihe von angeborenen Störungen der Blutgerinnung, die durch Labortests (Faktor V Leiden, Prothrombin, Protein S, Protein C, Antithrombin) diagnostiziert werden. Viele Gynäkologen raten aber auch Frauen mit Thrombosen in den Vorgeschichte und Komplikationen in früheren Schwangerschaften zu einer prophylak­tischen Heparinisierung, die in der Regel mit einem niedermolekularen Heparin erfolgt.

In der Thrombophilia in Pregnancy Prophylaxis Study (TIPPS) wurden an 36 Zentren in fünf Ländern 292 Frauen mit Thrombophilie oder positiver Anamnese offen (also ohne Placebogruppe) auf tägliche subkutane Injektionen mit Dalteparin oder auf eine Kontrollgruppe ohne Injektionen randomisiert. Primärer Endpunkt war eine schwere oder früh einsetzende Präeklampsie, die Geburt eines für das Gestationsalter zu kleinen Kindes, ein Schwangerschaftsverlust oder eine venöse Thromboembolie der Schwan­geren.

Wie das Team um Marc Rodger vom Ottawa Hospital berichtet, trat eines der Ereignisse bei 25 von 146 Schwangeren (17,1 Prozent) im Dalteparin-Arm auf, in der Kontrollgruppe wurde der Endpunkt bei 27 von 143 Schwangeren (18,9 Prozent) erreicht. Der Vorteil von 1,8 Prozentpunkten verfehlte klar das Signifikanzniveau und wäre bei einer Number Needed to Treat von 56 ohnehin nur von geringer klinischer Relevanz gewesen.

Auch in der „On-treatment“-Analyse, die nur Frauen bewertet, die die vorgesehene Behandlung auch durchgeführt haben, war der Unterschied von 2,6 Prozentpunkten nicht signifikant. Damit lässt sich aus dieser ersten größeren Studie keine Evidenz für die verbreitete prophylaktische Heparinisierung ableiten.

Rodger rät von einer generellen Empfehlung ab. Die Heparinisierung würde die Schwangeren nicht nur einer „Medizinalisierung“ aussetzen. Die Frauen könnten auch durch die bekannten Blutungsrisiken von Heparinen Schaden nehmen. Schwere Blutungen traten in der Studie zwar nicht häufiger auf als in der Kontrollgruppe. Die Rate von leichteren Blutungen war mit 19,6 Prozent versus 9,2 Prozent jedoch signifikant erhöht. Der Unterschied von 10,4 Prozentpunkten bedeutet, dass auf 9,6 behandelte Schwangere eine kommt, die durch die Behandlung einen Schaden erleidet.

Für Rodger ist jedoch klar, dass die Studie keine abschließende Bewertung erlaubt. Die Einschlusskriterien umfassten eine Mischung aus verschiedenen Störungen, die mit einem stark variierenden Risiko auf ein Thromboserisiko einhergehen. Besonders hoch ist es beim Antiphospholipid-Syndrom, bei dem auch Rodger eine Heparinisierung empfehlen würde. Bei anderen Indikationen könnte die Einnahme von ASS ausreichend effektiv und sicherer sein als eine Heparinisierung. © rme/aerzteblatt.de

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