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Politik

Ein Pro und Contra zu Pflegenoten

Montag, 28. Juli 2014

Berlin – Auf Grundlage der Pflegetransparenz-Vereinbarungen prüft der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) seit fünf Jahren Pflegeeinrichtungen und vergibt Noten. Fast ebenso lange ist diese Bewertung in der Kritik, da sie nicht die tatsächliche Pflegequalität abbilde. Die Krankenkassen hingegen halten sie für ein unverzichtbares Mittel externer Qualitätssicherung. Ein Pro und Contra zu Pflegenoten.

Pro – Peter Pick: Politik sollte Pflegenoten stärken

Die Einführung der Pflege-Transparenz war und bleibt ein richtiger Weg. Seit es die Pflegenoten gibt, haben sich die Portale der Pflegekassen zu einer wichtigen und unverzichtbaren Informationsquelle für Pflegebedürftige und deren Angehörigen entwickelt. Die Darstellung der Pflegequalität anhand der MDK-Prüfergebnisse ist ein wesentliches Element dieser Pflegetransparenz.

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Leider ist die Aussagekraft der Pflegenoten eingeschränkt. Das derzeit gültige Noten­system führt dazu, dass die Heime im Bundesdurchschnitt eine Note von 1,2 erhalten, was nicht mit der Versorgungswirklichkeit übereinstimmt, auf die der MDK bei seinen Prüfungen trifft. GKV-Spitzenverband und MDS fordern, sogenannte Kernkriterien stärker zu gewichten, die für die pflegerische Versorgung besonders relevant sind. Hierzu zählen die Vermeidung von Druckgeschwüren oder Stürzen, die Wundversorgung, eine angemessene Ernährung oder der Umgang mit Menschen mit Demenz. Dies wurde jedoch durch die Ablehnungsfront der Leistungserbringer verhindert.

Peter Pick Geschäftsführer des Medizi­ni­schen Dienstes des Spitzen­ver­bandes Bund der Krankenkassen

Die Pflegeanbieter wollen die Pflegenoten durch Ergebnisindikatoren ersetzen, die von den Pflegeheimen selbst erhoben werden. Ein solches internes Qualitätsmanagement ist zwar wichtig, doch kann es externe Prüfungen durch den MDK und die Veröffentlichung der Ergebnisse nicht ersetzen. Die Verbraucher sollten auch in Zukunft erfahren, wie externe Prüfinstitutionen die Qualität bewerten.

Statt leichtfertig der Abschaffung der Pflegenoten das Wort zu reden, ist die Politik gefordert, den Rahmen für aussagefähige Pflegenoten zu schaffen. Hierzu gilt es, den Einfluss der Pflegeanbieter auf die Pflegenoten zurückzudrängen.

Contra – Elisabeth Scharfenberg: Pflegenoten abschaffen – Qualität neu definieren

Die Pflegenoten messen nicht die Qualität der Pflege, sondern die Qualität der Dokumentation. Es kommt vor allem darauf an, eine Einrichtung gut aussehen zu lassen. Das kostet die Pflegekräfte wertvolle Zeit, die sie sinnvoller in gute Pflege investieren könnten.

Da die Einrichtungen schnell lernen, wie sie – unabhängig von der Qualität in der Pflege – gute Noten erreichen können, haben die Pflegenoten keinerlei Informationsgehalt. Es gibt flächendeckend gute Noten, entsprechend ist deren Ruf: Pflegebedürftige und ihre Angehörigen messen den Pflegenoten bei der Entscheidung für eine Einrichtung kaum Bedeutung zu. Die Pflegenoten sind eine Fehlkonstruktion, bei der auch keine Korrektur mehr hilft.

Darum fordere ich, die Pflegenoten mit sofortiger Wirkung auszu­setzen. Da sie nichts aussagen, werden sie auch niemandem fehlen. Für die Zukunft brauchen wir Kriterien, die die Qualität in der Pflege abbilden. Die Anforderungen an diese Qualitätskriterien sollten von einem unabhängigen und multidisziplinär besetzten Institut für Qualität in der Pflege erarbeitet werden.

Dieses Institut muss deshalb multidisziplinär ausgerichtet sein, da für die Qualität in der Pflege soziale und teilhabeorientierte Fragen eine ebenso große Rolle spielen wie pflegefachliche Aspekte. Gute Pflege orientiert sich an der Förderung eines selbst­bestimmten Lebens und an den Bedürfnissen der Menschen, die Unterstützung und Hilfe erhalten. © fos/aerzteblatt.de

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