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Augenerkrankungen weiterhin oft unterschätzt

Montag, 28. Juli 2014

dpa

Berlin – Auf die volkswirtschaftlichen Belastungen von Augenerkrankungen hat die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) hingewiesen. Die Fachgesellschaft beziffert sie auf bis zu knapp zwölf Milliarden Euro im Jahr. „Die meisten Menschen verbinden den Begriff Volkskrankheit mit Bluthochdruck, Rückenschmerzen, Gelenk­verschleiß oder Diabetes, an Augenleiden denken die wenigsten“, sagte der Sprecher der DOG, Christian Ohrloff, aus Frankfurt am Main.

Dabei litten in Deutschland etwa 4,5 Millionen Menschen an einer altersbedingten Makuladegeneration und eine Million an einem Glaukom. Etwa 500.000 bis 600.000 Diabetiker zeigen laut der DOG eine diabetische Retinopathie. Der Austausch der Augenlinse beim Katarakt sei der häufigste chirurgische Eingriff überhaupt.

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Aljoscha Steffen Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik in München hat zusammen mit der Fachgesellschaft die entstehenden Kosten ermittelt: Die ent­sprechende Studie umfasst die direkten und die indirekten Kosten durch die häufigsten Augenkrankheiten. Die Kosten für die Behandlung des Grauen Stars betragen danach jährlich mehr als 600 Millionen Euro. Laut Neubauer sind sie fast ausschließlich auf ambulante oder stationäre Operationen zurückzuführen.

Bei der diabetischen Retinopathie und der altersbedingten Makuladegeneration schlügen dagegen Medikamente stärker zu Buche: Die Injektionsbehandlungen mit sogenannten Anti-VEGF-Wirkstoffen kosteten zwischen 3.000 und 13.000 Euro pro Patient und Jahr. Der Experte schätzt die Kosten für die altersbedingte Makula­degeneration auf weitere mindestens 600 Millionen Euro pro Jahr.

Vergleichbare Gesamtkosten ermittelt der Versorgungsforscher für das Glaukom. Auch hier sei ein Großteil der Kosten durch Medikamente bedingt. Insgesamt kommt die Studie auf eine Gesamtsumme von rund 2,6 Milliarden Euro an direkten Kosten.

Schwerer beziffern ließen sich die indirekten Kosten. Sie entstehen durch den Verlust an Produktivität, Krankschreibungen, Erwerbsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit. „Auch der Verlust an Lebenszeit und Lebensqualität zählt im Prinzip zu den indirekten Kosten“, erläutert Anselm Kampik, Generalsekretär der DOG aus München. Den Berechnungen liegen zwei US-Untersuchungen zugrunde. Eine beziffert das Verhältnis der direkten zu den indirekten Kosten auf drei zu eins.

Bezogen auf die errechneten 2,6 Milliarden Euro an direkten Kosten wären dies 870 Millionen durch indirekte Kosten. Der zweiten US-Studie zufolge beträgt der Anteil der direkten Kosten nur etwa 30 Prozent der Gesamtkosten. Nach diesem Modell kämen zu den direkten Kosten von 2,6 Milliarden Euro noch einmal 8,6 Milliarden an indirekten Kosten hinzu. Zu beiden Werten müssten noch die Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) addiert werden, die die Patienten direkt beim Arzt bezahlen, da die Leistungen nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Dies seien etwa 300 Millionen Euro im Jahr.

Gesamtwirtschaftlich würde dies Kosten von mindestens 3,77 und maximal 11,5 Milliarden Euro ergeben. Kampik nimmt an, dass der wirkliche Betrag zwischen diesen beiden Werten liegt. © hil/aerzteblatt.de

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