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Medizin

Nierentrans­plantation: Alemtuzumab verbessert Immunsuppression

Montag, 28. Juli 2014

dpa

Oxford – Der monoklonale Antikörper Alemtuzumab kann die Induktion einer Immun­suppression verbessern. In einer Vergleichsstudie wurde die Zahl der Abstoßungs­reaktionen in den ersten sechs Monaten halbiert. Die Ergebnisse wurden jetzt auf dem World Transplant Congress in San Francisco vorgestellt und im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)61095-3) publiziert.

Alemtuzumab wurde bereits 2001 zur Behandlung der chronisch lymphathischen Leu­kämie eingeführt. Doch der Antikörper, der CD52-Rezeptor von Lymphozyten bindet, was zum Absterben der Zellen führt, kann offenbar mehr. Das Mittel kann Schübe bei der multiplen Sklerose verhindern – was den Hersteller zu einer in der Öffentlichkeit sehr umstrittenen Marktrücknahme und zur Neueinführung unter anderem Namen veran­lasste.

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Darüber hinaus kann Alemtuzumab offenbar den Einstieg in die Immunsuppression nach Nierentransplantationen verbessern. Diese Induktion wird derzeit an vielen Zentren mit dem Antikörper Basiliximab begonnen, der den Interleukin-2-Rezeptor (CD25) auf der Oberfläche aktivierter T-Lymphozyten blockiert und dadurch einen Angriff auf das neue Organ verhindert. Später wird die Immunsuppression mit Tacrolimus, Mycophenolat und Prednisolon fortgeführt. Der prinzipielle Unterschied zwischen beiden Medikamenten besteht darin, dass Alemtuzumab die angreifenden T-Zellen beseitigt, während Basiliximab nur einen Angriff verhindert.

Die Wirkung von Alemtuzumab ist insgesamt stärker, weshalb die Tacrolimusdosis gesenkt werden und auf Steroide zugunsten von Mycophenolat, einem weiteren Immunsuppressivum, verzichtet werden kann – was die Effektivität nicht verminderte. Wie das Team um Richard Haynes von der Universität Oxford berichtet, kam es unter der Alemtuzumab-basierten Induktion nur bei 31 von 426 Patienten (7,3 Prozent) in den ersten sechs Monaten zu einer Abstoßungsreaktion.

In der Vergleichsgruppe, bei der die Induktion mit einem Basiliximab-basierten Schema begonnen wurde, mussten 68 von 426 Patienten (16,0 Prozent) wegen einer Abtoßungsreaktion behandelt werden. Die Studie widerlegt gleichzeitig die wichtigsten Bedenken gegen Alemtuzumab: Die Induktion erhöhte keinesfalls, wie befürchtet, die Rate von schweren Infektionen die bei 135 Patienten (32 Prozent) gegenüber 136 Patienten in der Vergleichsgruppe (32 Prozent) auftraten.

Diese Zahlen allein beweisen allerdings nicht die Überlegenheit von Alemtuzumab. Der wichtigste Endpunkt in Studien zur Immunsuppression ist das Transplantatüberleben. In den ersten sechs Monaten gingen nach der Alemtuzumab-basierten Induktion 16 Organe (4 Prozent) verloren gegenüber 13 Organen (3 Prozent) unter der konventionellen Induktionstherapie. Auch die Zahl der Todesfälle war mit elf (3 Prozent) gegenüber sechs (1 Prozent) in der Vergleichsgruppe höher. In beiden Fällen waren die Unterschiede zwar nicht signifikant, es bleibt aber dennoch abzuwarten, ob der effektivere Beginn der Immunsuppression langfristig für die Patienten und ihre neuen Organe der bessere Weg sein werden. © rme/aerzteblatt.de

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