NewsMedizinClostridium difficile mit spezialisierten Viren bekämpfen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Clostridium difficile mit spezialisierten Viren bekämpfen

Dienstag, 29. Juli 2014

Hamburg – Bakterien durch einen Virus beseitigen: Diese Behandlung könnte eine Option in der Therapie von Infektionen mit Clostridium difficile und vielen anderen bakteriellen Erkrankungen werden. Forscher des European Molecular Biology Labora­tory Hamburg haben dafür einen Mechanismus zur Zerstörung der Bakterienwände durch Bakteriophagen aufgedeckt. Die Arbeitsgruppe um Rob Meijers berichtet ihre Ergebnisse in PLOS Pathogens (http://dx.plos.org/10.1371/journal.ppat.1004228).

Clostridium difficile ist ein Bakterium, das in der normalen Darmflora vorkommt. Im Rahmen einer Antibiotikatherapie kann jedoch ein Großteil der restlichen Darmflora zugrunde gehen und eine pathologische Besiedlung des Darms mit Clostridium difficile ist möglich.

Bakteriophagen, Viren die ausschließlich Bakterien infizieren, könnten eine gezielte Therapieoption sein, um die Infektion einzudämmen, meinen die Wissenschaftler. Für das Design solcher spezialisierten Bakteriophagen sind jedoch Kenntnisse der Mecha­nismen notwendig, die zu der Zerstörung des Bakteriums führen, nachdem sich das Virus in ihnen vermehrt hat.

Anzeige

Die Wissenschaftler des European Molecular Biology Laboratory untersuchten im Rahmen ihrer Arbeit den Aktivierungsmechanismus sogenannter Endolysine. Endolysine sind spezialisierte Proteine, die von den Viren produziert werden. Die Proteine stanzen Löcher in die Zellwände gram-positiver Bakterien und bewirken ein Aufplatzen der Zelle.

Die Forscher deckten die Struktur des Endolysins CD27L auf und stellten fest, dass die Aktivierung über eine Konformationsänderung des inaktiven Proteins funktioniert. Die inaktive Form zeigte sich als gespanntes und gestrecktes Protein, das durch Zusammen­klappen in einer aktiven und strukturell entspannten Form vorliegt. In dieser Form konnte das Protein die Zellwände der Bakterien auflösen.

Die Arbeitsgruppe verglich den Aktivierungsmechanismus von Endolysinen, die in Bakterio­phagen vorkommen, welche infektiös für zwei verschiedene Clostridienstämme sind. Der Aktivierungsmechanismus war in beiden Fällen identisch, obwohl die Proteine sich in ihrer sonstigen Struktur sehr unterschieden. Die Forscher gehen daher davon aus, einen Schlüsselmechanismus in der Endolysinaktivierung entdeckt zu haben.

Durch die Entschlüsselung dieses Mechanismus sind die Wissenschaftler ein Schritt näher an der Möglichkeit, rekombinante Viren zu designen, die im Kampf gegen Clostridium difficile und andere Bakterieninfektionen einsetzbar sind. Ein besonderer Vorteil der Endolysine sei zudem, dass Resistenzbildungen nicht bekannt seien. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. August 2019
Hinxton/Großbritannien – Das Bakterium Clostridium difficile, der häufigste Erreger einer Antibiotika-assoziierten Diarrhö, hat sich genetisch auf das Überleben in Krankenhäusern spezialisiert. Dort
Wie sich Clostridium difficile auf Krankenhäuser spezialisiert hat
16. Mai 2019
Aarhus/Berlin – Die Therapie der rekurrenten Clostridioides-difficle-Infektion (CDI) erfolgt in der Regel mit Antibiotika. Dabei könnte ein fäkaler Mikrobiota-Transfers (FMT) bei dieser Darm­er­krank­ung
Fäkaler Mikrobiota-Transfer wirkt bei rekurrenter Infektion mit Clostridioides difficle besser als Antibiotika
21. Februar 2018
Atlanta – Zwei US-Fachgesellschaften empfehlen zur Behandlung einer Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD) erstmals auch die fäkale Mikrobiota-Transplantation, also die Übertragung von
US-Leitlinie empfiehlt Stuhltransplantation bei Clostridium difficile
4. Januar 2018
Houston/Texas – Die vermehrte Verwendung des Pilzzuckers Trehalose zum Süßen von Nahrungsmitteln könnte die Ausbreitung der virulenten Clostridium-difficile-Stämme RT027 und RT078 gefördert haben, die
Trehalose: Wie ein Lebensmittelzusatz Clostridium-difficile-Infektionen fördern könnte
29. November 2017
Edmonton – Die fäkale Mikrobiota-Transplantation, die durch die Übertragung der Darmbakterien gesunder Menschen eine C. difficile-Infektion kurieren kann, lässt sich als orale Therapie mit Kapseln
C. difficile: Fäkale Mikrobiota-Transplantation auch in Kapselform wirksam
28. März 2017
Rochester – Bei Patienten, die eine Darminfektion mit Clostridium difficile erleiden, sollte die Notwendigkeit einer Behandlung mit Magensäureblockern überdacht werden. Die Weiterführung der Therapie
Clostridium-difficile Infektionen: Magensäureblocker erhöhen Rezidivrisiko
7. Februar 2017
Salt Lake City – Am häufigsten infizieren sich Menschen in den USA im Krankenhaus mit dem grampositiven Stäbchenbakterium Clostridium difficile (CDI). Gegen den Erreger von Durchfallerkrankungen
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER