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Hebamme verabreichte auch in Bad Soden falsches Medikament

Dienstag, 29. Juli 2014

Bad Soden – Die wegen versuchten Mordes an vier werdenden Müttern in München festgenommene Hebamme hat auch in einem hessischen Krankenhaus in Bad Soden einer Frau ein falsches Medikament verabreicht. Dabei habe es sich um ein wehenförderndes Präparat in einer hohen Dosierung gehandelt, sagte Geschäftsführer Tobias Kaltenbach am Dienstag. Die Schwangere und ihr Kind hätten keinen Schaden erlitten, das Baby kam per Kaiserschnitt zur Welt. „Es ist der einzige Fall, für den wir einen Beweis haben”, betonte Kaltenbach.

„Dieses Medikament hat bei einer schwangeren Patientin nichts zu suchen. Ein Versehen schließe ich da aus”, erklärte der Chefarzt der gynäkologischen Klinik, Dietrich Mosch. Den Angaben zufolge handelte es sich um Misoprostol-Tabletten, die vaginal verabreicht werden. Ein Arzt habe einen Rest der sechseckigen Tablette bei der Geburt am 6. April 2012 entdeckt und den Vorfall gemeldet.

Schnell kristallisierte sich heraus, dass die heute 33-Jährige zu diesem Zeitpunkt Dienst hatte. Die Klinikleitung suspendierte die Hebamme und ließ die Vorgänge prüfen. Bei einem Gespräch bestritt sie laut Geschäftsführer Kaltenbach, das Medikament verabreicht zu haben. Ein Rechtsstreit endete schließlich mit einem Vergleich. Das Gericht habe die Beweislage als zu dünn angesehen, sagte Kaltenbach.

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Die Klinik musste der Hebamme eine Abfindung zahlen, die Vorwürfe fallen lassen und ein wohlwollendes Zeugnis mit der Note „Gut” ausstellen. Mosch informierte daraufhin die Hebammenaufsicht über den Vorfall in Bad Soden. Als er erfuhr, dass die Frau am Münchner Universitätsklinikum Großhadern eine neue Stelle gefunden hatte, habe er an seinen Chefarztkollegen geschrieben: „Ich habe die Befürchtung, dass sich Frau K. wieder in unerlaubter und gefährlicher Weise in die geburtshilfliche Betreuung ihrer Patientinnen involviert.” Eine Strafanzeige erstattete die Klinik nicht.

Insgesamt habe die Hebamme in Bad Soden zwischen September 2007 und der Suspendierung 670 Geburten betreut. „Sie genoss einen Ruf als exakt arbeitende und kompetente Mitarbeiterin”, sagte Kaltenbach. Allerdings sei aufgefallen, dass sie häufig bei Fällen mit Komplikationen anwesend war.

Die Hebamme soll am Münchner Universitätsklinikum Großhadern vier Frauen bei Kaiserschnitt-Geburten das blutverdünnende Mittel Heparin in die Infusion gemischt haben. Sie konnten nur mit notfallmedizinischen Maßnahmen gerettet werden. Am 18. Juli wurde die Hebamme festgenommen. Sie wies die Vorwürfe zurück und machte dann keine Aussage mehr. Die kinderlose Frau war auch am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel tätig. © dpa/aerzteblatt.de

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