NewsMedizinAnästhesie: Hirnregion steuert Erwachen aus der Narkose
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Anästhesie: Hirnregion steuert Erwachen aus der Narkose

Dienstag, 29. Juli 2014

dpa

Boston – Die Area tegmentalis ventralis, eine unscheinbare Kernregion an der Spitze des Hirnstamms und als Teil des Belohnungssystems gut mit höheren Regionen des Gehirns vernetzt, könnte der Ort sein, der das Erwachen nach einer Narkose einleitet. Dies schließen US-Forscher in Anesthesiology (2014; 121:311-9) aus tierexperimentellen Daten.

In einer früheren Studie hatte die Arbeitsgruppe um Ken Solt vom Massachusetts General Hospital in Boston herausgefunden, dass Ratten schneller aus einer Vollnarkose erwachsen, wenn ihnen intravenös Methylphenidat verabreicht wurde. Da Methylphenidat, besser bekannt unter dem Präparatename Ritalin, im Gehirn die Wirkung von Dopamin verstärkt, vermuteten die Forscher den Schlüssel zum Erwachen aus der Narkose im Bereich des Belohnungssystems, in dem Dopamin der zentrale Neurotransmitter ist.

Anzeige

Um diese Hypothese zu prüfen, wurden ausgewachsenen Ratten in einem stereo­taktischen Eingriff Elektroden ins ventrale Tegmentum oder in die Substantia nigra vorgeschoben, den beiden wichtigsten Kernregionen des Mittelhirns, in denen Dopamin produziert wird.

Danach wurden die Tiere mit Isofluran, einem seit Jahrzehnten verwendeten volatilen Anästhetikum, in Vollnarkose versetzt. Nach der elektrischen Stimulation der Substantia nigra schliefen die Tiere weiter. Als die Elektrode in der Area tegmentalis ventralis aktiviert wurde, erwachten alle fünf Tiere aus der Narkose. Die Tiere bewegten sich, hoben den Kopf und standen auf, obwohl ihr Käfig weiter mit Isofluran geflutet wurde.

Einige Tage später wiederholten die Forscher den Versuch während einer Narkose mit Propofol, einem intravenösen Anästhetikum. Erneut kam es nach der Stimulation der Area tegmentalis ventralis zum Erwachen der Tiere. Bei einigen Tieren war es den Forschern nicht gelungen, die Elektrode genau zu platzieren. Von diesen Tieren konnte nur eines durch elektrische Stimulierung geweckt werden. Die Untersuchung des Gehirns zeigte später, dass bei diesem Tier die Elektrode in der Nähe des Ziels platziert worden war.

Zusammen mit den Methylphenidat-Experimenten bestätigen die Versuche die Hypothese, dass die Freisetzung von Dopamin in der Area tegmentalis ventralis das Erwachsen nach einer Vollnarkose steuert. Welche der zahlreichen Verbindungen zum Cortex, Thalamus und anderen Zentren das Erwachsen im Einzelnen steuert, ist unbekannt. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. Juli 2019
Philadelphia – Musik kann eine Alternative zu Medikamenten sein, die Ärzte routinemäßig zur Beruhigung der Patienten vor einer Regionalanästhesie einsetzen. Das berichten Wissenschaftler um Veena
Musiktherapie bewährt sich zur präoperativen Beruhigung von Patienten
9. Mai 2019
Leipzig – Vor allem Schmerzpatienten im Alter von 50 bis 59 Jahren erhalten seit Inkrafttreten des Gesetzes zur „Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ im Jahr 2017
Erste Zwischenauswertung zu medizinischem Cannabis vorgestellt
16. April 2019
Grand Junction/Colorado – Seit die Cannabisdroge im US-Staat Colorado legal ist, fällt es Gastroenterologen häufig schwerer, ihre Patienten vor einer Endoskopie ausreichend zu sedieren. Laut einer
Cannabiskonsumenten benötigen bei Endoskopien höhere Dosis von Sedativa
28. März 2019
Bonn – Forscher der Universitätsklinik Bonn arbeiten an einem Indikator, um Patienten, die nach einer Operation das postoperative Delir (POD) entwickeln, frühzeitig zu identifizieren. Mehr als die
Bonner Forscher suchen Risikoscore für postoperatives Delir
20. Februar 2019
Boston – Die intravenöse Gabe von Paracetamol hat in einer randomisierten Pilotstudie den Anteil der Patienten, die nach einer Bypassoperation ein Delir entwickelten, um mehr als die Hälfte gesenkt,
Herzchirurgie: Paracetamol vermeidet postoperatives Delir in Pilotstudie
20. Februar 2019
Nashville/Tennessee – Die neuromuskuläre Blockade, die vor einer Intubation erforderlich ist, führt zu einer kurzen Unterbrechung der Atmung. Eine randomisierte klinische Studie im New England
Intensivmedizin: Maskenbeatmung vor der Intubation führt zu besserer Sauerstoffversorgung
15. Februar 2019
Melbourne – Säuglinge, die in den ersten Wochen nach der Geburt eine einstündige Vollnarkose erhalten, erzielen im Alter von 5 Jahren in einem Intelligenztest gleich gute Ergebnisse wie Kinder, bei
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER