NewsMedizinRauchen in der Schwangerschaft kann fetale DNA verändern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Rauchen in der Schwangerschaft kann fetale DNA verändern

Mittwoch, 30. Juli 2014

dpa

Research Triangle Park – Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen, fügen dem Kind nicht nur einen unmittelbaren Schaden durch toxische Inhaltsstoffe zu. Eine Studie in Environmental Health Perspectives (2014; doi: 10.1289/ehp.1307892) zeigt, dass es auch zu epigenetischen Veränderungen kommt, die für das Kind lebenslange Folgen haben könnten.

Die menschliche DNA ist teilweise mit Methylgruppen besetzt, die das Ablesen einzelner Gene unterbinden. Da die DNA-Methylierung sich bei der Zellteilung nicht verändert, können diese „epigenetischen“ Veränderungen ebenso dauerhaft sein wie Genmu­tationen.

Anzeige

Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Inhaltsstoffe des Tabakrauches bei Erwachsenen DNA-Methylierungsmuster verändern. Da viele Schadstoffe die Plazenta­schranke überwinden, kann es auch beim Feten zu epigenetischen Veränderungen kommen. Die Gruppe um Allen Wilcox vom National Institute of Environmental Health Sciences in Research Triangle Park im US-Staat North Carolina kann sie jetzt in Blutproben nachweisen, die im Rahmen einer größeren Studie zu Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten in Norwegen archiviert wurden.

Die 889 Teilnehmerinnen der Norway Facial Clefts Study waren auch nach ihren Rauchgewohnheiten befragt worden. Wilcox verglich die Methylierungsmuster der Neugeborenen von 287 Frauen, die im ersten Trimenon geraucht hatten, mit einer Vergleichsgruppe, deren Mütter nicht geraucht hatten.

Die epigenom-weite Assoziationsstudie (EWAS) spürte eine Reihe von DNA-Methy­lierungen auf, von denen fünf in Genen auftraten, die für die spätere Gesundheit der Feten von Bedeutung sein könnten. Die gefundenen epigenetischen Veränderungen könnten laut Wilcox die Entwicklung einer Nikotinabhängigkeit oder die Erfolgschancen eines Raucherstopps beeinflussen.

Auf diese Weise würde das Rauchen während der Schwangerschaft einer späteren Nikotinabhängigkeit ihrer Kinder Vorschub leisten. Es gibt tatsächlich epidemiologische Untersuchungen, die in diese Richtung weisen. Andere epigenetische Veränderungen deuten auf Störungen in der Entwicklung der Plazenta oder der Embryonen hin.

Dies könnte erklären, warum Kinder von Raucherinnen häufiger zu klein geboren werden und eine erhöhte Rate von Fehlbildungen aufweisen. Die derzeitigen Erkenntnisse sind nach Auskunft der Forscher jedoch noch sehr oberflächlich. Es ist bisher nicht möglich, Veränderungen in der DNA-Methylierung einzelnen Störungen in ähnlicher Weise zuzuschreiben, wie dies bei Genmutationen möglich ist. Für Frauen mit Kinderwunsch könnten die Ergebnisse eine weitere Motivation sein, das Rauchen möglichst schon vor der Schwangerschaft aufzugeben, da die ersten Wochen für die Entwicklung der Kinder die entscheidenden sind. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. Oktober 2020
San Francisco – Ein nicht-immunologischer Hydrops fetalis, der dank der Ultraschalldiagnostik häufiger gesehen wird, hat oft genetische Ursachen, die sich mit einer Exomanalyse erkennen lassen. In
Hydrops fetalis: Exomanalyse findet häufig genetische Ursachen
21. Oktober 2020
Melbourne – Grippeviren können – anders als etwa das Zikavirus – die Plazentaschranke nicht passieren. Dennoch kann eine Influenza in der Schwangerschaft den Feten schwer schädigen. Eine
„Vaskulärer Sturm“: Wie eine Grippe in der Schwangerschaft Gesundheit und Leben des Kindes gefährdet
21. Oktober 2020
Hannover – Der Missbrauch von Alkohol und Tabak steigt laut der KKH Kaufmännische Krankenkasse in Deutschland seit Jahren. Die Coronakrise hat diesen Anstieg gemäß einer aktuellen Umfrage im Auftrag
Coronapandemie verstärkt laut Umfrage Missbrauch von Alkohol und Tabak
20. Oktober 2020
Seattle – Das Smartphone kann Raucher bei der Entwöhnung unterstützen. In einer randomisierten Studie, die 2 Apps mit unterschiedlichen Ansätzen verglich, schafften es nach der Publikation in JAMA
Apps helfen beim Rauchstop
20. Oktober 2020
Indianapolis – Eine Vakuumtherapie, die die Wundheilung durch einen über eine Pumpe erzeugten Unterdruck fördern soll, hat in einer randomisierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, 2020; DOI:
Kaiserschnitt: Wundbehandlung mit Unterdruck schützt nicht vor Infektionen
16. Oktober 2020
Berlin − Nikotinhaltige E-Zigaretten könnten etwas mehr Menschen helfen, für mindestens ein halbes Jahr das Rauchen von Tabakzigaretten aufzugeben als andere Nikotinersatzprodukte oder
Cochranestudie: E-Zigaretten bei Entwöhnung erfolgreicher als anderer Nikotinersatz
12. Oktober 2020
San Francisco – Eine Infektion mit SARS-CoV-2 führt bei Schwangeren in der Regel nur zu einer milden Erkrankung, die jedoch länger dauern kann als bei anderen Menschen. Dies geht aus einer
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER