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Medizin

Studie: Bluttest könnte Suizidrisiko anzeigen

Mittwoch, 30. Juli 2014

dpa

Baltimore – Die verminderte Aktivität eines Gens, das im präfrontalen Cortex negative Gedanken kontrolliert und impulsives Verhalten unterdrückt, könnte ein wichtiger Auslöser für Suizide sein. US-Forscher schlagen im American Journal of Psychiatry (2014; doi: 10.1176/appi.ajp.2014.14010008) einen Bluttest vor, mit dem sie Selbstmordgefährdete frühzeitig erkennen wollen.

Das Team um Zachary Kaminsky von Johns Hopkins Medicine in Baltimore ist auf das Gen SKA 2 gestoßen, als sie die Gehirne von Menschen untersuchten, die sich das Leben genommen hatten. Sie entdeckten, dass das SKA 2-Gen im präfrontalen Cortex vermindert abgelesen wurde. Kaminsky führt dies auf eine DNA-Methylierung zurück. Es handelt sich um eine sogenannte epigenetische Veränderung, bei der durch Umwelt­einflüsse einzelne Gene auf Dauer ausgeschaltet werden.

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SKA 2 kodiert ein Protein, das den Stresshormonrezeptor in den Zellkern transportiert. Die DNA-Methylierung verhindert dies, und eine Folge scheint eine vermehrte Frei­setzung des Stresshormons Cortisol zu sein, die in früheren Untersuchungen bei Menschen mit einem erhöhten Suizidrisiko gefunden wurde. Im präfrontalen Cortex selbst soll SKA 2 an der Inhibition negativer Gedanken und an der Kontrolle von Impulshand­lungen beteiligt sein, was die pathogenetische Rolle einer verminderten SKA 2-Aktivierung plausibel erklären könnte.

Da dieselbe DNA-Methylierung nicht nur in den Hirnzellen, sondern in allen Zellen des Körpers nachweisbar ist, haben die Forscher Blutproben von Menschen untersucht, die einen Suizidversuch unternommen haben. Sie führten die Tests gleich in drei unter­schied­lichen Kohorten durch: In allen war die DNA-Methylierung, sprich die verminderte Expression von SKA 2, mit einem erhöhten Suizidrisiko assoziiert.

Die Forscher haben daraufhin einen Bluttest entworfen. Personen mit suizidalen Gedanken oder einem versuchten Suizid konnten zu 80 Prozent erkannt werden, behauptet Kaminsky. Bei Patienten mit dem höchsten Suizidrisiko steige die Genauigkeit des Tests auf 90 Prozent, und bei jüngeren Probanden wollen die Forscher die Suizidalität sogar zu 96 Prozent vorhersagen können.

Eine Bestätigung durch andere Forschergruppen steht noch aus. Falls sich die Ergebnisse aber reproduzieren lassen sollten, könnte dies zur Entwicklung eines Bluttests auf Suizidalität führen, der auf breites Interesse stoßen dürfte. Die Anwendungsgebiete reichen von der Diagnostik auf psychiatrischen Notfallaufnahmen bis zur Auswahl von Bewerbern für Berufe, in denen es stressbedingt zu einem erhöhten Suizidrisiko kommt. Ein Beispiel wären Soldaten, die in Krisengebieten eingesetzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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