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Kassenärztliche Bundesvereinigung: Im ambulanten Bereich fehlen fünf Milliarden Euro

Donnerstag, 31. Juli 2014

dpa

Berlin – Eine Unterfinanzierung von rund fünf Milliarden Euro in der ambulanten Versor­gung hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) errechnet. „Das ist nicht die Forderung, mit der wir in die anstehenden Honorarverhandlungen für 2015 gehen“, sagte der KBV-Vorsitzende, Andreas Gassen, am Mittwochabend vor der Presse in Berlin. „Das ist eine Bestandsaufnahme.“ Das Grundproblem sei, dass die Kranken­kassen nur begrenzt Geld für die Gesundheit ihrer Versicherten zur Verfügung stellten.

Dem begrenzten Geld stehe aber ein unbegrenzter Leistungsanspruch der Versicherten gegenüber, ergänzte KBV-Honorardezernent Ulrich Casser. Die Folge: Die Vertragsärzte erhielten rund zehn Prozent ihrer Leistungen nicht vergütet. Das entspreche einem Wert von rund 2,3 Milliarden Euro.

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Außerdem habe der kalkulatorische Arztlohn, der sich am Gehalt eines Oberarztes im Krankenhaus orientiert und 2008 festgelegt wurde, mit der tatsächlichen Entwicklung der Tarifgehälter nicht Schritt gehalten. „Der Marburger Bund hat für die Krankenhausärzte deutliche Lohnsteigerungen herausgehandelt. Das wurde bei den Niedergelassenen nie angepasst“, erklärte der KBV-Vorsitzende Gassen. „Wenn man von den Ärzten mehr Leistungen und Engagement fordert, muss man den kalkulatorischen Arztlohn anpassen.“

KBV: Kalkulatorischer Arztlohn an aktuelle Tarifgehälter im Krankenhaus anpassen
Zurzeit verhandelt die KBV mit den Krankenkassen über die Honorare für 2015. Bis zum 31. August müssen Ergebnisse vorliegen. Dabei müssen sich beide Seiten über eine Anpassung des Orientierungswerts, die Preiskomponente, einigen. Dieser liegt zurzeit bei 10,13 Cent. Bei der Anpassung sollen Investitions- und Betriebskosten sowie Wirtschaft­lichkeitsreserven berücksichtigt werden. In diesem Rahmen will sich die KBV dafür einsetzen, dass der kalkulatorische Arztlohn von zurzeit 105.000 Euro an die aktuellen Tarifgehälter im Krankenhaus von 133.000 Euro angepasst wird.

Außerdem wird über die Weiterentwicklung des Budgets verhandelt. Einfließen soll hier die Veränderung der Krankheitslast der Versicherten, das heißt die Veränderung der Häufigkeit und Schwere der ambulant behandelten Erkrankungen. Die Morbiditätsrate sei jedoch nur eine Empfehlung, erklärte KBV-Honorardezernent Casser. Daran könnten sich die Kassenärztlichen Vereinigungen bei den Honorarverhandlungen in den Regionen orientieren.

Basisleistungen künftig zu festen Preisen ohne Mengenbegrenzung vergüten
Eine wesentliche Forderung der KBV in den Honorarverhandlungen für 2015 ist es, weitere Leistungen aus dem Budget herauszulösen. Sie will durchsetzen, dass soge­nannte Basisleistungen künftig zu festen Preisen ohne Mengenbegrenzung vergütet werden. Danach würde bei Patienten mit unspezifischer Erkrankung die Kurzanamnese mit symptombezogener Untersuchung im persönlichen Arzt-Patient-Kontakt künftig mit zehn Euro vergütet. 200 Millionen Euro müssten die Kassen dafür zusätzlich bereit stellen. Dasselbe würde auch für Untersuchungen gelten, bei denen Patienten eine Zweitmeinung einholen. Dafür müssten die Kassen zusätzlich 1,7 Milliarden Euro zuschießen.

Ein Ende des Budgets sowie feste und kostendeckende Preise für alle erbrachten Leis­tungen hatte die KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung bereits 2012 gefordert. Wie Casser jetzt erklärte, hat der Bewertungsausschuss zumindest damit begonnen, den Umfang des Budgets zu reduzieren. Zwischen 2009 und 2013 seien Leistungen im Wert von fast zehn Milliarden Euro aus der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung herausgelöst worden, darunter das ambulante Operieren, die Dialyse-Sachkosten und zuletzt die psychotherapeutischen Leistungen.

Auf der honorarpolitischen Agenda steht auch die Weiterentwicklung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM). Am 1. Januar 2015 sollen strukturelle Änderungen am Hausarzt-EBM wirksam werden. Hier sollen nach dem Willen der KBV insbesondere Zuschläge für die Vorhaltung bestimmter technischer Basisausstattung wie EKG-Geräte, Geräte zur Langzeit-Blutdruckmessung oder Ultraschall eingeführt werden. Gerätekosten sollen sich auch bei geringer Fallzahl amortisieren können. „Das ist ein wichtiger Punkt, den wir mit den Kassen verhandeln wollen. Das wird nicht einfach werden, aber Hono­rarpolitik ist auch Strukturpolitik“, sagte KBV-Vorstand Regina Feldmann mit Blick auf den drohenden Hausärztemangel.

Anschubfinanzierung für Delegation von Leistungen an quali­fizierte nicht-ärztliche Praxisassistentinnen
Außerdem sollen die Möglichkeiten für Hausärzte erweitert werden, Leistungen an quali­fizierte nicht-ärztliche Praxisassistentinnen zu delegierten. „Dazu brauchen wir eine Anschubfinanzierung für Praxen mit hohen Patientenzahlen auch in nicht unterver­sorgten Gebieten“, so Feldmann. Bei den Kinderärzten sollen unter anderem die bisherigen Leistungen der Sozialpädiatrie erweitert werden.

Strukturelle Anpassungen soll es auch im Facharzt-EBM geben. Dieser soll am 1. Januar 2016 wirksam werden. Ziel ist, die Pauschalierung zurückzuführen, damit der Behand­lungsaufwand und ärztliche Schwerpunkte besser abgebildet werden können.

© HK/aerzteblatt.de

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