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Weniger Antibiotika in der Tiermedizin eingesetzt

Freitag, 1. August 2014

Berlin – In der Tiermedizin sind im vergangenen Jahr weniger Antibiotika eingesetzt worden. Im Jahr 2013 sank die an Tierärzte abgegebene Menge dieser Arzneimittel um 167 Tonnen auf 1.452 Tonnen, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Freitag in Berlin mitteilte. Allerdings stieg die verwendete Menge von Antibiotika-Wirkstoffen, die für die Behandlung von Menschen als besonders wichtig eingestuft werden, auf geringerem Niveau leicht an.

In der Veterinärmedizin werden laut BVL vorwiegend ältere Wirkstoffe wie Penicilline mit einer Gesamtmenge von 473 Tonnen und Tetrazykline mit 454 Tonnen abgegeben. Nach wie vor selten werden beispielsweise Fluorchinolone eingesetzt, deren Verwendung in der Tiermedizin laut BVL wegen ihrer wichtigen Bedeutung für die Humanmedizin kritisch gesehen wird. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die abgegebene Menge dieses Wirkstoffs aber um drei Tonnen auf 13 Tonnen.

Antibiotikaresiste Baktrien gefährden immer mehr Behandlungserfolge beim Menschen
Das Bundesinstitut zeigte sich besorgt darüber, dass Behandlungserfolge in der Human- und auch der Tiermedizin zunehmend durch das Auftreten antibiotikaresistenter Bakterien gefährdet würden. Das BVL konnte keine Angaben dazu machen, in welchen Mengen die Antibiotika bei den verschiedenen Tierarten eingesetzt wurden. Der Grund dafür ist demnach, dass die Mehrzahl der Wirkstoffe für verschiedene Arten zugelassen ist.

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Die Grünen kritisierten den Anstieg bei den für die Humanmedizin besonders wichtigen Reserveantibiotika. „Gerade diese Medikamente müssten sparsam eingesetzt werden, um die Entwicklung resistenter Bakterien zu bremsen, gegen die es kaum noch Mittel gibt”, erklärte der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff. Der „oftmals wahllose und ungezielte Einsatz” dieser Mittel in der Massentierhaltung sei eine „Verantwortungslosigkeit sondergleichen”.

Ähnlich äußerte sich der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Reserveantibiotika würden beim Menschen vor allem dann benötigt, wenn herkömmliche Antibiotika nicht mehr wirkten, erklärte Agrar- und Tierschutzexpertin Reinhild Benning. Je mehr diese Wirkstoffe im Stall eingesetzt würden, desto eher entwickelten sich auch gegen die Reserveantibiotika Resistenzen und damit Gesundheitsgefahren für den Menschen.

Bauernverband: Genereller Verzicht von Antibiotika nicht möglich
Der Deutsche Bauernverband versicherte, die Landwirtschaft nehme die Problematik resistenter Keime in der Nutztierhaltung ernst und sei sich ihrer Verantwortung für die Gesundheit der Nutztiere und der Verbraucher sehr bewusst. Klar müsse aber auch sein, dass Tiere erkranken könnten und dann eine wirksame medikamentöse Behandlung benötigten. Deshalb sei ein genereller Verzicht auf Antibiotika in der Nutztierhaltung aus Gründen des Tierschutzes auch künftig nicht möglich. © dpa/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 1. August 2014, 20:32

Mit "Schwarzen Schafen" muss man immer rechnen!?

Auch der Deutsche Bauernverband, der die Problematik resistenter Keime in der Nutztierhaltung ernst nehmen wolle und sich seiner Verantwortung für die Gesundheit der Nutztiere und der Verbraucher sehr bewusst sei, müsste erst mal nachrechnen, wie unverhältnismäßig und extrem hoch der Antibiotika-Verbrauch in weiten Teilen der Landwirtschaft, insbesondere bei den "Schwarzen Schafen" immer noch ist.

Auch wenn im Jahr 2013 die an Tierärzte abgegebene Menge dieser Arzneimittel um 167 Tonnen auf 1.452 Tonnen abgesunken ist, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) am Freitag in Berlin mitteilte, nehmen sich dagegen die in der Humanmedizin verordneten Mengen immer noch wie "Peanuts" aus:

Unter der Annahme, dass maximal 10 Prozent der Gesamt-Bevölkerung von ca. 81 Millionen Einwohnern in Deutschland - und das sind immerhin 8,1 Millionen Patienten - im Jahr 2013 Antibiotika-behandlungspflichtig wurden, hätte j e d e r von ihnen 180 Gramm antibiotische Medikamente einnehmen müssen. Vom pharmazeutischen Gesamtgewicht wären das knapp zwei ganze Tafeln Schokolade à 100 Gramm sein müssen.

Das sollte wirklich zu Denken geben, da in mittleren Altersgruppen pro Lebensjahr deutlich weniger als 10 Prozent antibiotikapflichtig werden. Im höheren Lebensalter steigt der durchschnittliche humanmedizinische Antibiotikabedarf erst auf 10 Prozent an, aber diese Altersgruppe wäre im veterinärmedizinischen Bereich ja schon längst "geschlachtet" worden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (derzeit Whittier/Prinz-William-Sund, Alaska)
LNS

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