Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Kardiologen kritisieren Krankenhaus Report der Barmer GEK

Montag, 4. August 2014

dpa

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) hat die Ansicht der Barmer GEK kritisiert, dass die Fünf-Jahres-Sterblichkeit nach Eingriffen mit beschichteten Stents niedriger sei als nach Eingriffen mit unbeschichteten Stents, Ballondilatationen und Bypass-Operationen. Das ist eines der Ergebnisse des Krankenhaus Reports 2014, den die Barmer GEK in der vorvergangenen Woche veröffentlich hatte. „Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen“, sagte der Präsident der DGK, Christian Hamm, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Denn „man kann keine Sterblichkeitszahlen heranziehen, ohne das Risiko zu berück­sichtigen“. Patienten, die einen Stent bekommen, seien in der Mehrzahl nicht so krank wie Patienten, die eine Bypass-Operation erhielten. Und deshalb komme der Report zu der absurden Schlussfolgerung, dass Patienten mit einem beschichteten Stent im Fünf-Jahresverlauf die geringste Sterblichkeit hätten.

Problematisch an diesen Zahlen sei dabei, dass sie die Bevölkerung irritieren könnten. „Denn Patienten könnten in der Folge die Eingriffe verlangen, die angeblich die niedrigste Mortalitätsrate haben, ohne jedoch die Hintergründe zu verstehen“, sagte Hamm. „Weiter sei die Anzahl der Re-Interventionen bei Eingriffen mit Stents der Barmer GEK zufolge hoch. In dem Report fallen aber unter die Re-Interventionen auch geplante sequenzielle Eingriffe, bei denen zuerst ein Gefäß behandelt wird und einen Monat später das nächste. Das ist aber keine Re-Intervention, sondern ein geplanter Eingriff.“ Die tatsächliche Re-Interventionsrate sei wahrscheinlich nur halb so hoch.

Dazu komme, dass für diesen Report nur die Patienten der Barmer GEK untersucht worden seien. Sinnvoller sei es, die viel genaueren Zahlen des Deutschen Herzberichtes heranzuziehen.  „Demnach ist die Zahl der Bypass-Operationen zwischen 2011 und 2012 konstant geblieben, und die Zahl der perkutanen Interventionen hat leicht zugenommen, ist aber über die Jahre relativ stabil“, betonte Hamm.

„Und die Ursache für diesen Anstieg ist in erster Linie, dass die Bevölkerung älter wird und dadurch auch kränker, und viel mehr akute Koronarsyndrome zur Behandlung kommen.“ Der wirtschaftliche Druck auf die Krankenhäuser sei groß. „Ich will deshalb nicht ausschließen, dass der Preis einer Leistung auch deren Menge beeinflusst“, sagte Hamm. „Doch die Daten der Barmer GEK geben diese Schlussfolgerung nicht her.“

Herzchirurgen: Datenlage zur Beurteilung von Stent-Implantation ist mangelhaft
Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) sieht im Krankenhaus Report der Barmer GEK „einen guten Beitrag mit wichtigen Informationen zur invasiven Behandlung der rund 350.000 Patienten in Deutschland, bei denen pro Jahr eine medikamentös nicht zu behandelnde Verengung von Herzkranzgefäßen festgestellt wird“. So teile die DGTHG die Einschätzung, dass es derzeit eine mangel­hafte Datenlage zur Beurteilung der Wirksamkeit von Stent-Implantationen gebe.

„Diverse wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Bypass-Operation am Herzen insbesondere für Patienten, bei denen alle drei Herzkranzgefäße oder der Hauptstamm des linken Herzkranzgefäßes verengt sind, die Therapie der ersten Wahl und damit die bestgeeignete Behandlungsoption ist“, erklärte der Präsident der DGTHG, Jochen Cremer.

Inwieweit die Zahl von rund 300.000 Stent-Implantationen in Deutschland pro Jahr wirklich die beste Therapie im Sinne des langfristigen Patientenwohls darstelle, ließe sich derzeit hingegen nicht sagen, da es für Deutschland keine differenzierten Erhebungen gebe, in welchem Umfang Patienten mit Mehrgefäßerkrankungen mit Stent-Implanta­tionen behandelt würden. „Denn auch bei der verpflichtenden externen Qualitäts­sicherung wird leider derzeit nicht erfasst, bei welcher Ausprägung und Form der koronaren Herzerkrankung die Stent-Implantationen durchgeführt werden“, so Cremer.

Dabei habe 2012 die weltweit größte vergleichende Studie zwischen den beiden Behandlungsmöglichkeiten („Syntax - Synergy between PCI with taxus and Cardiac Surgery“) ergeben, dass das Fünf-Jahres-Überleben bei Patienten mit mehreren verengten Herzkranzgefäßen, die eine Bypass-Operation erhalten hatten, mit 89 Prozent höher lag als bei Patienten, denen ein Stent implantiert worden war (81 Prozent).

Diese Erkenntnisse hätten unter anderem dazu geführt, dass in der medizinischen Leitlinie zur Behandlung von Verengungen der Herzkranzgefäße, die derzeit aktualisiert werde, auch künftig die Empfehlung enthalten sein werde, bei Mehrgefäßerkrankungen der Bypass-Operation den Vorzug gegenüber der Implantation von Stents zu geben. © fos/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

29.09.17
Herz-Kreislauf-Erkran­kungen verursachen die höchsten Ausgaben
Berlin – Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen unter den verschiedenen Krankheiten die höchsten Ausgaben. Die dadurch entstandenen Krankheitskosten lagen 2015 in Deutschland bei 46,4 Milliarden......
26.09.17
Rehaeffekte bei Herzerkrankung verwischen oft nach rund einem Jahr
Berlin – Auf die Bedeutung einer langfristigen Begleitung von Menschen mit Herzerkrankungen haben Deutsche Herzstiftung und Deutsche Stiftung für Herzforschung hingewiesen. Rund 75.000 Menschen......
11.09.17
Chronikerprogramm zur koronaren Herzerkrankung kann erweitert werden
Köln – Das Disease-Management-Programm (DMP) zur koronaren Herzerkrankung (KHK) deckt die wichtigen Versorgungsaspekte weitgehend ab, könnte aber verbessert werden. Zu diesem Ergebnis kommt das......
06.09.17
Studie sieht genetische Verbindungen zwischen Typ-2-Diabetes und koronarer Herzkrankheit
Philadelphia – Die meisten Varianten im Erbgut, die das Risiko auf einen Typ-2-Diabetes erhöhen, waren in einer neuen genomweiten Assoziationsstudie auch mit einem erhöhten Risiko auf eine koronare......
05.09.17
Krankenhäuser behandeln jährlich 1,67 Millionen Herzpatienten
Berlin – Jährlich werden in Deutschland rund 1,67 Millionen Menschen wegen einer Herzkrankheit in eine Klinik eingeliefert, davon allein fast 220.000 wegen eines Herzinfarkts. Das geht aus dem neuen......
24.08.17
Rheumatische Herzkrankheit: Drei Viertel aller Todesfälle in nur fünf Ländern
Seattle – Bakteriell ausgelöste rheumatische Herzkrankheiten nehmen in den letzten 25 Jahren weltweit immer weiter ab. Jedoch profitieren nicht alle Länder gleichermaßen vom medizinischen Fortschritt.......
18.08.17
Koronare Bypasschirurgie: „Off-Pump“ mit schlechteren Langzeitergebnissen
Northport/New Jersey – Das technisch und organisatorisch anspruchsvolle „Off-Pump“-Verfahren der koronaren Bypass-Operation, das durch den Verzicht auf eine Herz-Lungen-Maschine schonender für den......
VG Wort

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige