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Medizin

Leishmaniose: Überträger der Orientbeule in Hessen entdeckt

Montag, 4. August 2014

Frankfurt – Orientbeule und Kala-Azar, an denen in 98 Ländern 12 Millionen Menschen leiden, sind in Deutschland so gut wie unbekannt, weil es dem Überträger, einer Reihe von Sandmücken, nördlich der Alpen zu kalt ist. Dies könnte sich infolge des Klima­wandels ändern. Forscher haben jetzt eine Sandmücken-Art in Hessen entdeckt. Laut ihrem Bericht in Parasitology Research (2014; 113: 2295-2301) ist es der bisher nördlichste Fund weltweit.

Angesichts der weltweiten Reisen der deutschen Bevölkerung ist Tropenmedizinern die Leishmaniose, die als Orientbeule auf die Haut begrenzt ist, als Kala-Azar aber auch systemisch auftritt, natürlich ein Begriff. Laut dem Robert Koch-Institut werden regel­mäßig Erkrankungsfälle bei Reiserückkehrern aus verschiedenen Endemiegebieten beobachtet.

Hin- und wieder kommt es aber auch zu Erkrankungen bei Patienten, die keine Fern­reisen unternommen haben. Die Experten vermuten, dass im Südwesten Deutschlands die Protozoen durch einheimische Sandmücken übertragen werden. Als klimatische Bedingung gilt eine Jahresdurchschnittstemperatur von 10 Grad Celsius. Sie ist vor allem im Rheintal bis hoch nach Nordrhein-Westfalen, aber auch in Südbayern erfüllt. In diesen Regionen sind in den letzten Jahren immer wieder vereinzelte autochthone Erkran­kungen aufgetreten.

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Die erste Sandmücke wurde 1999 in Südwestdeutschland gefangen. Jetzt ist ein Exemplar von Phlebotomus mascittii Parasitologen nördlich von Gießen in die Falle geraten. Der Fang gelang im Rahmen eines bundesweiten Mückenmonitorings, berichtet Sven Klimpel vom Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) in Frankfurt am Main. Die Mücke wurde in etwa 500 Metern Entfernung zu bewohnten Häusern gefunden, und Menschen werden von den Weibchen gerne für eine Blutmahlzeit aufgesucht. Da die Phlebotominae die Haut ihrer Opfer aufritzen, um dann den „Pool“ aus Blut und Lymphe aufzusaugen, sind die Stiche unangenehm. Gefährlich werden sie nur, wenn sie Krankheitserreger übertragen.

Diese Möglichkeit ist nicht ganz ausgeschlossen, da die Parasiten in Deutschland durchaus verbreitet sind, wenn auch nicht beim Menschen, so doch bei Hunden, die neben dem Menschen ein Wirt für die Krankheitserreger sind. Laut Klimpel werden zunehmend Hunde aus dem Mittelmeergebiet importiert oder durch Urlauber eingeführt.

Wenn zuerst ein infizierter Hund und dann ein Mensch gestochen wird, kann es zu einer Übertragung kommen, auch wenn Deutschland (noch) nicht zu den Endemiegebieten der Leishmaniose gehört. Derzeit sind dies Einzelfälle, durch die Klimaerwärmung könnte die Zahl der autochthonen Erkrankungen in Deutschland jedoch steigen, glaubt Prof. Klimpel. Aufgrund der zunehmenden Ausbreitung der Sandmücken könnten dann auch nördliche Regionen des Landes betroffen sein. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #612077
EEBO
am Freitag, 8. August 2014, 20:23

Wie ein Filmtitel...

Eine kam durch?!
Avatar #591228
shah
am Donnerstag, 7. August 2014, 16:43

Sandfliege aus Hessen!

Heute in Darmstädter Echo berichtet.
Zitat: "Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft lud vom 8. bis 10. Juli 2013 zum Thema „Aktuelle Erkenntnisse aus der Veterinärparasitologie“. Torsten Naucke, Parasitologe und Sandmücken-Experte aus Niederkassel sagte auf ECHO-Nachfrage, sein Labor habe am 8. Juli 2013 etwa 1000 Sandmücken an einen der Aussteller geliefert, der die Insekten bestellt hatte. Aber nach der Tagung habe Naucke nur einen leeren Käfig zurückbekommen. Ohne die Mücken."

http://www.echo-online.de/region/rhein-main/Stammt-Giessener-Sandmuecke-aus-einem-Labor;art7943,5320484

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