NewsMedizinKopf-Hals-Tumore: Gene können Prognose deutlich verschlechtern
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Kopf-Hals-Tumore: Gene können Prognose deutlich verschlechtern

Montag, 4. August 2014

San Diego – Die Kombination aus zwei häufigen genetischen Veränderungen führt bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren zu einer deutlichen Verschlechterung der Prognose. Dies geht aus einer Studie in Nature Genetics (2014; doi: 10.1038/ng.3051) hervor, die die Klassifizierung der Malignome beeinflussten könnte.

Weltweit erkranken jährlich etwa eine Million Menschen an Tumoren der Schleimhäute von Mund, Rachen, Kehlkopf oder Trachea. Die Risikofaktoren dieser Kopf-Hals-Tumore sind Alkohol, Rauchen und zunehmend auch eine Infektion mit humanen Papillomaviren (HPV). In den letzten Jahren wurde deutlich, dass die durch HPV induzierten Tumore häufig eine bessere Prognose haben, während die Überlebenszeiten bei Kopf-Hals-Tumoren, die durch Alkohol und Rauchen ausgelöst werden, kürzer sind.

Eine US-Studie zeigt jetzt, dass auch der Nachweis bestimmter Genveränderungen die Prognose beeinflusst. Dazu gehören Mutationen im p53-Gen, das im intakten Zustand für die DNA-Reparatur zuständig ist und defekte Zellen zur Selbstvernichtung (Apoptose) antreibt.

Anzeige

Der Ausfall dieses Selbstschutzmechanismus ist bei Kopf-Hals-Tumoren häufig. In der US-Kohorte wurde bei 202 von 250 Patienten eine Mutation im p53-Gen nachgewiesen. Bei 179 Patienten fehlte gleichzeitig ein kurzer Arm des Chromosoms 3, wie das Team um Trey Ideker von der Universität von Kalifornien in San Diego berichtet.

Für die Patienten hat dieser doppelte Genschaden ruinöse Konsequenzen. Sie leben trotz Therapie im Durchschnitt nur 1,9 Jahre gegenüber Überlebenszeiten von 5 Jahren oder länger bei den anderen Patienten, die diese Mutationen nicht aufweisen. Ein Einfluss auf die Prognose war auch bei jenen Patienten nachweisbar, deren Tumor nicht durch HPV ausgelöst wurde.

Die Überlebenszeiten verkürzten sich weiter, wenn die Tumore das Gen mir-548k exprimierten oder wenn das Gen MUC5B mutiert war. Im letzten Fall überlebte kein Patient die Diagnose um zwei Jahre. Die neuen Erkenntnisse könnten, wenn sie durch andere Arbeitsgruppen bestätigt werden, eine Neuklassifizierung von Kopf-Hals-Tumoren nahelegen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. September 2019
Berlin – Bei einem Teil der Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren entwickelt sich zusätzlich ein Lungentumor. Ob es sich dabei um eine Metastase oder einen zweiten Tumor handelt, können Pathologen mittels
Maschinelles Lernen verbessert die Diagnose von Kopf-Hals-Tumor-Metastasen
7. August 2019
Hamburg – Forscher am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) wollen schonendere Therapien für Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren entwickeln, die durch eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV)
Hamburger Wissenschaftler forschen an schonenderen Therapien für Kopf-Hals-Tumore
19. März 2019
Bonn – Im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie ist eine interdisziplinäre S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge beim Kehlkopfkrebs erschienen. Die Deutsche Gesellschaft für
Neue interdisziplinäre S3-Leitlinie zu Kehlkopfkrebs erschienen
29. Januar 2019
San Francisco – Patienten mit einer Mutation in einem bei Kopf-Hals-Tumoren häufigen Krebsgen hatten laut einer Studie im Journal of Experimental Medicine (2019; doi: 10.1084/jem.20181936) eine
Kopf-Hals-Tumore: NSAID könnten Überlebenszeiten bei jedem dritten Patienten deutlich verlängern
10. Oktober 2018
Taichung City/Taiwan – Auf der Suche nach den Ursachen für die Zunahme von Mundhöhlenkarzinomen bei Männern sind Epidemiologen aus Taiwan auf einen bisher unbekannten Risikofaktor gestoßen. Laut den
Feinstaub fördert Entwicklung von Mundhöhlenkarzinomen bei Männern in Taiwan
28. August 2018
Vandoeuvre Lès Nancy/Lausanne – Bei fortgeschrittenen Plattenepitheltumoren konnte eine Studie keinen Zusatznutzen einer zusätzlichen Chemotherapie vor der Standard-Strahlentherapie bewirken. Das
Neoadjuvante Chemotherapie ohne Vorteil bei Kopf-Hals-Tumoren
27. Dezember 2017
New Orleans – Eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD), die über eine Barrettläsion ein Adenokarzinom im unteren Ösophagus verursachen kann, war in einer Analyse des US-Krebsregisters SEER in
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER