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Ärzteschaft

„Rollende Arztpraxis“: Projekt in Niedersachsen läuft voraussichtlich aus

Mittwoch, 6. August 2014

Hannover – Die bundesweit erste „Rollende Arztpraxis“ wird voraussichtlich nur noch bis Ende des Jahres im niedersächsischen Landkreis Wolfenbüttel unterwegs sein. Damit läuft das Modellprojekt wie geplant aus. Es trage sich wirtschaftlich nicht, weil die Auslastung insgesamt noch zu gering sei, sagte Landrätin Christiana Steinbrügge (SPD).

Seit August des vergangenen Jahres fährt ein Arzt mit der in einem Wohnmobil einge­richteten Praxis regelmäßig Dörfer an. Das vom Land Niedersachsens geförderte Projekt zielt darauf ab, Lösungen für den Ärztemangel auf dem Land zu finden.

Insgesamt ziehen die Initiatoren eine positive Bilanz: Besonders ältere und wenig mobile Menschen nehmen die Leistungen des rollenden Arztes in Anspruch. Nach Angaben des Landkreises liegt ihr Durchschnittsalter bei 77 Jahren. Oftmals leiden sie an chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinsuffizienz oder Diabetes. Allerdings haben sich wenige Krankenassen das Projekt unterstützt.

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„Die Inanspruchnahme seitens der Patienten war nicht schlecht, aber auch nicht überproportional gut“, sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Nieder­sachsen (KVN). Pro Sprechstunde haben sich im Schnitt zwischen fünf und sieben Patienten behandeln lassen.

Eine Versorgungslücke werde nicht entstehen, wenn die „Rollende Arztpraxis“ ihren Dienst aufgibt, betonte Stefan Hofmann, Geschäftsführer der Braunschweiger Bezirks­stelle KVN. In der Region herrsche noch keine Unterversorgung. Allerdings werden nach KVN-Berechnungen landesweit bis zum Jahr 2020 ein Drittel aller niedergelassenen Ärzte ausscheiden. Schon jetzt liegt ihr Durchschnittsalter bei 54,7 Jahren.

Offiziell ist das Aus der „Rollenden Arztpraxis“ in Niedersachsen noch nicht beschlossen, eine Entscheidung soll in den kommenden Wochen fallen. Für die Landesregierung sei es wichtig gewesen, Lösungsmodelle für den drohenden Medizinermangel zu entwickeln. „Vielleicht sind wir zukünftig gezwungen, auch solche Instrumente als Baustein unserer ländlichen Versorgungsstruktur einzusetzen“, sagte der Staatssekretär im Gesundheits­ministerium, Jörg Röhmann.

Der Landeschef des Ärzteverbands Hartmannbund, Bernd Lücke, hält es dagegen für unsinnig, Mediziner ans Steuer von rollenden Arztpraxen zu setzen und damit ihre Ressourcen als Fahrtzeit zu verschwenden.

„Sinnvoller wäre es, die Patienten zum Beispiel mittels Fahrdienst zum Arzt zu bringen“, sagte er. Dann müssten aber die Krankenkassen bereit sein, diese Fahrten zu bezahlen. „Das bezweifele ich“, sagte Lücke. © Ol/dpa/aerzteblatt.de

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