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Medizin

Prostatakrebs: Screening senkt Sterberate in Langzeitstudie

Donnerstag, 7. August 2014

pa

Rotterdam – Ein regelmäßiges PSA-Screening ab dem 50. Lebensjahr hat in einer europäischen Studie langfristig die Zahl der Todesfälle am Prostatakrebs gesenkt. Die Effektivät nahm mit zunehmender Nachbeobachtungszeit zu. Eine Reduktion der Gesamtsterblichkeit war laut der Studie im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)60525-0) jedoch auch nach 13 Jahren nicht erkennbar.

Die European Randomised study of Screening for Prostate Cancer (ERSPC) hat seit 1993 insgesamt 162.388 Männer im Alter zwischen 50 und 74 Jahren aus acht europäischen Ländern (keine deutsche Beteiligung) auf ein regelmäßiges PSA-Scree­ning (zumeist alle vier Jahre) oder eine Kontrollgruppe randomisiert.

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Ab einem PSA-Wert von 3,0 ng/ml wurde eine Biopsie durchgeführt. Wie erwartet führte das Screening zu einem Anstieg der Diagnose (7.408 versus 6.107) und damit zu einer früheren Behandlung der Karzinome. Doch der Einfluss auf die Sterblichkeit war gering. Im Screening-Arm sind 427 Patienten am Prostatakarzinom gestorben, in der Kontroll­gruppe waren es 610 Teilnehmer.

Fritz Schröder von der Erasmus Universität in Rotterdam und Mitarbeiter errechnen eine Rate Ratio von 0,83 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,73-0,94), also einen Rückgang der prostatakrebsspezifischen Sterblichkeit um 17 Prozent. In der „Kernaltersgruppe“ der 55- bis 69-jährigen betrug die Rate Ratio 0,79 (0,69-0,91), was die Effektivität des Scree­nings auf 21 Prozent erhöht. Danach könnte etwa einem Fünftel der älteren Männer durch ein regelmäßiges Screening ein Tod am Prostatakarzinom erspart bleiben.

Der Effekt hat sich im Verlauf der Studie sogar noch verstärkt: In den ersten 9 Jahren ging die prostatakrebsspezifische Sterblichkeit um 15 Prozent zurück, nach 11 Jahren waren es 22 Prozent, nach 13 Jahren dann noch 21 Prozent. Auch die Zahl der Männer, die zum Screening eingeladen werden müssen, um einen Tod am Prostatakrebs zu verhindern, ist von 1.401 nach 9 Jahren auf 781 nach 13 Jahren gefallen. Das Verhältnis der Krebsdiagnosen zum Krebstod fiel von 48 zu 1 auf 27 zu 1.

Diese Vorteile fallen jedoch kaum ins Gewicht, da das Prostatakarzinom mit 427 von insgesamt 18.251 Todesfällen im Screeningarm (und 610 von 21.992 Todesfällen in der Kontrollgruppe) eine relativ seltene Todesursache war. Die meisten Teilnehmer starben aus anderen Gründen. Ein Einfluss auf die Gesamtsterblichkeit war auch nach 13 Jahren nicht erkennbar. Mit einer Rate Ratio von 1,0 (auch in der „Kernaltersgruppe“) war die Auswirkung des Screenings auf die Gesamtsterblichkeit gleich Null.

Vor diesem Hintergrund fällt ins Gewicht, dass die Behandlung, die sich aus der Diagnose ergibt, die Lebensqualität der Patienten deutlich beeinträchtigen kann. Die Operation kann zur Harninkontinenz und zur erektilen Dysfunktion führen. Nach einer Strahlentherapie droht als Spätfolge eine Kolitis.

Neben diesen Komplikationen gibt es beim Prostatakarzinom einen erheblichen Anteil von Überdiagnosen (von Tumoren, die niemals zum metastasierenden Krebs fort­schreiten). Schröder schätzt ihn auf etwa 40 Prozent. Schließlich zeigt die hohe Zahl von Prostatakrebstoten im Screening-Arm an, dass die PSA-Früherkennung beim Prostata­karzinom (anders als beispielsweise beim Mammakarzinom) den Krebstod oft nicht verhindern kann.

Schröder spricht sich aufgrund der Ergebnisse gegen ein allgemeines Screening aus. Es müssten dringend nicht-invasive Methoden gefunden werden, um eine Überdiagnose zu verhindern. Einen Ansatz sieht er in der multiparametrischen MRI-Technologie, mit der selektiv aggressive Tumore diagnostiziert werden könnten.

Die Editorialisten Ian Thompson von der Universität von Texas in San Antonio und Catherine Tangen vom Fred Hutchinson Cancer Research Center setzen dagegen auf einen Risiko-Rechner, der auf der Basis des Prostate Cancer Prevention Trial (dem amerikanischen Pendant zur ERSPC) eine Reihe von Patienteneigenschaften definiert hat, die das Risiko auf einen aggressiven Tumor beeinflussen. So könnte man einem 55-jährigen Mann mit einem PSA von 3,2 ng/ml von einer Biopsie abraten, wenn er weißer Hautfarbe sei, keine positive Familienanamnese habe und die digitale rektale Untersuchung unauffällig sei, schreiben die Editorialisten. © rme/aerzteblatt.de

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