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Medizin

PALB2: Brustkrebsgen mit hohen Lebenszeitrisiko

Freitag, 8. August 2014

Cambridge – Jede dritte Frau mit einer Mutation im PALB2-Gen, die zum Funktions­verlust des kodierten Proteins führt, erkrankt im Verlauf ihres Lebens an einem Mammakarzinom. Dies berichtet ein internationales Forscherteam im New England Journal of Medicine (2014; 371: 497-506).

Das PALB2-Gen wurde bereits 2007 entdeckt. Sind beide Allele auf den Chromosomen betroffen, kommt es zur Fanconi-Anämie. Mit Brustkrebserkrankungen wurde PALB2 ebenfalls in Verbindung gebracht, doch das Ausmaß des Risikos wurde offenbar unterschätzt.

Ein Team um Marc Tischkowitz von der Universität Cambridge in England hat jetzt 362 Mitglieder aus 154 Familien untersucht, bei denen eine PALB2-Mutation gefunden wurde. Darunter waren 311 Frauen, von denen 229 an Brustkrebs erkrankt waren, sowie 51 Männer, von denen 7 erkrankt waren.

Die Frauen hatten im Alter von unter 40 Jahren ein acht- bis neunfach erhöhtes Brustkrebsrisiko, im Alter von 40 bis 60 Jahren war es sechs- bis achtfach erhöht, und im Alter über 60 Jahre erkrankten die Frauen noch fünfmal häufiger als Frauen ohne PALB2-Mutation. Der Grund für den relativen Rückgang des Risikos im Alter ist unklar.

Tischkowitz ermittelt ein kumulatives Risiko von 14 Prozent bis zum 50. Lebensjahr und von 35 Prozent bis zum 70. Lebensjahr. Die Bedeutung für die betroffenen Frauen ist damit fast so hoch wie bei BRCA1 beziehungsweise BRCA2, deren Trägerinnen zu 50 Prozent beziehungsweise zu 55 bis 60 Prozent im Verlauf ihres Lebens an Brustkrebs erkranken.

Das hohe Lebenszeitrisiko bei einem Ausfall von PALB2 ist nicht ganz überraschend. PALB2 steht für „Partner and localizer of BRCA2“ und gehört wie BRCA1 und BRCA2 zu einer Gruppe von Proteinen, die an der Reparatur von DNA-Doppelstrangbrüchen beteiligt sind. Doppelstrangbrüche gehören zu den schwersten Schädigungen der DNA, weil es zu einem Auseinanderfallen der Chromosomen kommen kann.

Über die Häufigkeit von PALB2 in der Bevölkerung ist wenig bekannt. Es dürfte allerdings klar sein, dass sie wesentlich seltener sind als BRCA1 und BRCA2, die jeweils ein Drittel aller erblichen Brustkrebsfälle erklären. Der Anteil von PALB2 dürfte nach einer Angabe in der Studie bei 0,6 bis 3,9 Prozent liegen.

© rme/aerzteblatt.de

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