NewsMedizinEbola: FDA erlaubt Verwendung von weiterem experimentellen Wirkstoff
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Ebola: FDA erlaubt Verwendung von weiterem experimentellen Wirkstoff

Freitag, 8. August 2014

Ebola-Virus dpa

Vancouver – Nach der – allerdings weiterhin unbestätigten – erfolgreichen Anwendung des Antikörperpräparates ZMAb bei zwei mit Ebola infizierten US-Amerikanern, hat eine weitere Firma eine, wie es heißt mündliche Zusage der Arzneibehörde FDA erhalten, ihren experimentellen Wirkstoff zur Behandlung von Ebola-Patienten zur Verfügung zu stellen.

Der Wirkstoff TKM-Ebola der kanadischen Firma Tekmira Pharmaceuticals aus Vancouver hemmt mittels RNA-Interferenz die Aktivierung der RNA-Polymerase und stoppt dadurch die Virusreplikation. Nach erfolgreichen Tierversuchen hatte die Firma kürzlich eine Phase 1-Studie begonnen – die die FDA zwischenzeitlich aus Sicherheitsgründen gestoppt hat.

Anzeige

Die Idee, mittels RNA-Interferenz Viren zu stoppen, wurde der Natur abgeschaut. Die meisten eukaryoten Zellen (Pflanzen, Pilze und Tiere) sind in der Lage kurze RNA-Mole­küle zu bilden, um sich gezielt gegen Virus-Infektionen zu wehren. Für die Entdeckung des Mechanismus haben die beiden US-Wissenschaftler Andrew Fire und Craig Mello 2006 den Medizin-Nobelpreis erhalten.

Die Synthese von RNA-Molekülen ist für die Arzneimittelforschung kein Problem. Die Hürde bestand jedoch darin, die Moleküle über den Blutweg unbeschadet zu den Zielzellen zu transportieren. Die Firma Tekmira hat hierfür eine Lipid Nanoparticle-Technologie entwickelt, die die Wirkstoffe in kleine Nanopartikel verpackt. Eines der ersten Projekte, die Tekmira zusammen mit der US-Armee vorangetrieben hat, war ein RNA-Interferenz-Medikament gegen Ebola.

Erste tierexperimentelle Studien verliefen vielversprechend. Im Mai 2010 berichtete ein Team um Thomas Geisbert vom National Emerging Infectious Diseases Laboratories Institute an der Universität Boston im Lancet (2010; 375: 1896-1905), dass TKM-Ebola nicht-menschliche Primaten nach einer Inokulation mit den Viren zuverlässig vor dem Ausbruch eines hämorrhagischen Fiebers geschützt hat. Im Januar 2014 hat die Firma in San Antonio, Texas, begonnen, das Mittel in einer Phase 1-Studie an gesunden Probanden zu testen. Anfangs gab es keine Probleme. Bereits im März 2014 hat die FDA in einer sogenannten „Fast Track designation“ eine beschleunigte Zulassung in Aussicht gestellt. Doch dann hat es offenbar Probleme gegeben. Die FDA stoppte die Studie vorläufig.

In Anbetracht der Ebola-Epidemie hat die FDA diese Haltung wieder revidiert. Der Hersteller teilte mit, der Stopp der Studie sei „teilweise“ aufgehoben worden, um mögliche an Ebola-Patienten erkrankte Patienten mit dem Wirkstoff zu versorgen. Unklar ist, für wie viele Patienten der vorhandene Wirkstoff ausreichen würde.

Die Produktion von RNA-Interferenz ist nicht so langwierig wie beim Antikörperpräparates ZMAb, das in genmodifizierten Tabakpflanzen produziert wird, und erst nach der „Ernte“ zur Verfügung steht. Die Phase 1-Studie von TKM-Ebola war für 28 Patienten geplant, es dürften deshalb begrenzte Reserven zur Verfügung stehen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

19. Oktober 2020
Peking – Während die meisten Hersteller in westlichen Ländern bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen SARS-CoV-2 auf moderne Proteinvakzinen oder auf rekombinante Viren beziehungsweise
SARS-CoV-2: Impfstoff aus inaktivierten Viren in Phase-1-Studie auch bei älteren Menschen immunogen
16. Oktober 2020
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen Antikörpercocktail der Firma Regeneron zur Behandlung von Ebola-Erkrankungen zugelassen. Der Hersteller hofft auf eine Signalwirkung
Signalwirkung für SARS-CoV-2? FDA lässt Antikörpercocktail für Ebola zu
9. Oktober 2020
Boston und Toronto – Die Befürchtung, dass die Immunität nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 nur von kurzer Dauer ist, scheint sich nicht zu bestätigen. In 2 Studien aus Kanada und den USA in Science
COVID-19: Protektive Antikörper auch nach Monaten noch in Blut und Speichel nachweisbar
9. Oktober 2020
Berkeley/Kalifornien – US-Forscher haben einen Schnelltest zum Nachweis von SARS-CoV-2 entwickelt, der auf der Genschere CRISPR beruht. Das handliche Gerät lieferte mit Unterstützung eines Smartphones
Genschere CRISPR erkennt SARS-CoV-2 in 5 Minuten
8. Oktober 2020
Boston – Eine frühere Infektion mit harmlosen Coronaviren, die in der Regel nur eine „Erkältung“ verursachen, hat in einer Studie im Journal of Clinical Investigation (2020; DOI: 10.1172/JCI143380)
COVID-19: Frühere Infektionen mit anderen Coronaviren könnten vor schweren Verläufen schützen
6. Oktober 2020
Frankfurt am Main – Das Aufstellen von 4 kommerziell erhältlichen Luftreinigern hat in einer experimentellen Studie die Konzentration von Aerosolen in einem Klassenraum innerhalb einer halben Stunde
SARS-CoV-2: Luftreiniger beseitigen 90 % der Aerosole in Schulklassen
6. Oktober 2020
Washington – Die US-Gesundheitsbehörde CDC stellt nun wieder offiziell fest, dass sich das Coronavirus SARS-CoV-2 auch über in der Luft schwebende kleine Partikel übertragen kann. Vor zwei Wochen
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER