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Ausland

WHO stuft Ebola als globalen Notfall ein

Freitag, 8. August 2014

Margaret Chan /dpa

Genf –  Rund 1000 gemeldete Todesfälle in Westafrika lassen die WHO zu ihrem stärksten Instrument greifen: Um die bislang schwerste bekannte Ebola-Epidemie einzudämmen, hat die UN-Organisation den Internationalen Gesundheitsnotfall ausgerufen. Damit kann die Organisation nun völkerrechtlich verbindliche Vorschriften zur Bekämpfung der Epidemie erlassen. Alle Staaten seien verpflichtet und dringend aufgerufen, an der Eindämmung der Seuche in Westafrika mitzuwirken, erklärte die Generaldirektorin der Welt­gesund­heits­organi­sation, Margaret Chan, am Freitag in Genf. 

Die WHO hat bislang erst dreimal einen Internationalen Gesundheitsnotfall erklärt: wegen der Schweinegrippe, Polio – und nun Ebola. Sie kann nun zentral verbindliche Vorschriften erlassen. Alle Kraft wird für den Kampf gegen die Epidemie in Westafrika gebündelt.

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Eine Ausbreitung auf andere Teile der Welt müsse unbedingt verhindert werden. Die betroffenen Westafrikaner müssten umfangreiche Hilfe bekommen. „Sie haben einfach nicht die Kapazitäten, mit einem Ausbruch von dieser Größe und Komplexität fertig zu werden“, sagte Chan bei einer internationalen Pressekonferenz.

„Ebola zum Internationalen Gesundheitsnotfall zu erklären, zeigt, wie ernst die WHO den Ausbruch nimmt; aber Statements retten keine Leben”, erklärte Bart Janssens, Einsatz­leiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, in einer Reaktion. Seine Orga­nisation wiederhole seit Wochen immer aufs neue, wie „händeringend nötig” eine massive Reaktion dafür sei, Leben zu retten und die Epidemie abflauen zu lassen. „Es hat Leben gekostet, dass zu langsam gehandelt wurde.” Ärzte ohne Grenzen sei mit mehr als 670 Helfern im Einsatz. „Alle unsere Ebola-Experten sind mobilisiert, wir können schlichtweg nicht mehr tun.”

Die WHO-Chefin folgte mit der Entscheidung einer Empfehlung des WHO-Notfallkomi­tees. Die Viren- und Seuchen-Experten aus mehreren Ländern waren nach zweitägigen Beratungen am Donnerstagabend einstimmig zu dem Schluss gekommen, dass die Ausrufung des Notstands unumgänglich ist. Der Ebola-Ausbruch in Westafrika sei „ein außerordentliches Ereignis“, das auch die Gesundheit der Menschen in anderen Staaten bedrohe.

Quarantäne-Maßnahmen wie Grenzschließungen sind möglich
Möglich wären laut den 1969 von den WHO-Mitgliedstaaten vereinbarten Internationalen Gesundheitsvorschriften unter anderem Quarantäne-Maßnahmen, darunter die Schließung von Grenzen sowie Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr. So weit wollen die Notfall-Experten aber zunächst noch nicht gehen. Bislang seien keine generellen Verbote im Reiseverkehr oder im internationalen Handel erforderlich, heißt es in ihrem Empfehlungskatalog.

Reisende müssten aber obligatorisch über die Ebola-Lage sowie Schutzmaßnahmen informiert werden. Alle Staaten sollten zudem vorbeugende Maßnahmen treffen, um Ebola-Fälle rasch erkennen und Infizierte isolieren und behandeln zu können. Dazu gehöre an Flughäfen und internationalen Bahnhöfen sowie Grenzübergängen die Untersuchung von Reisenden aus Regionen, die von Ebola betroffen sind.

Die Öffentlichkeit müsse ständig über die Entwicklung der Epidemie und geeignete Maßnahmen für den Selbstschutz informiert werden.

Regierungen müssen vorbereitet sein
„Regierungen sollten auch auf die Rückführung von Bürgern vorbereitet sein, die möglicherweise Ebola ausgesetzt waren, darunter zum Beispiel medizinisches Personal“, heißt es weiter. Alle Staaten sind verpflichtet, jedweden Erkrankungsfall, bei dem auch nur ein Anfangsverdacht auf Ebola besteht, der WHO zu melden und umgehend ent­sprechende Tests durchzuführen.    

Zum dritten Mal hat die (WHO) einen Internationalen Gesundheitsnotfall ausgerufen. Ein Rückblick auf die beiden früheren Fälle:

Der SCHWEINEGRIPPE fielen in einer ersten Bilanz der WHO von 2009 bis 2010 mindestens 18.500 Menschen weltweit zum Opfer. Die endgültige Zahl aber lag offenbar viel höher. Ein internationales Forscherteam sprach im Sommer 2012 von mehr als 500 000 Todesfällen. Im April 2009 hatte das Notfall-Komitee der Genfer UN-Behörde weltweit Alarm gegeben, im August 2010 wurde die Pandemie für beendet erklärt. Das H1N1-Virus hatte sich zunächst vor allem in Mexiko und in den USA rasant ausgebreitet, bevor es zur globalen Bedrohung wurde. Die meisten Opfer gab es in Afrika und Südostasien.

Vor einer globalen Ausbreitung von POLIO warnte die WHO im Mai 2014. Mindestens zehn Staaten waren betroffen, darunter Pakistan, Afghanistan, Syrien und der Irak. Ohne Gegenmaßnahmen könnte die bis 2018 angestrebte Ausrottung der Poliomyelitis verfehlt werden, warnte die WHO.

Im Nahen Osten hatten die UN schon im April eine große Impfkampagne gestartet. Im Juni wurde das Virus erstmals seit Jahren auch in Brasilien wieder nachgewiesen. Die Zahl der Infektionen war zuvor seit Ende der 1980er Jahre rapide zurückgegangen - von geschätzt 350 000 bis auf 223 im Jahr 2012.

Die Regierungen der direkt betroffenen Länder wurden von der WHO aufgerufen, wo noch nicht geschehen umgehend den nationalen Notstand zu erklären. Alle Ressourcen seien vordringlich auf die Eindämmung der Epidemie zu richten. Die gesamte Bevöl­kerung müsse alarmiert und in den Kampf gegen den Ausbruch einbezogen werden. Zugleich wird die internationale Gemeinschaft aufgerufen, die betroffenen Staaten umfangreich zu unterstützen – mit Geld, Medikamenten, medizinischen Einrichtungen und Fachkräften.

Keine direkten Folgen für Deutschland
Für Deutschland hat die Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstands keine konkreten Auswirkungen. Eine Sprecherin des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums sagte am Freitag in Berlin: „Für Deutschland hat das keine direkten Folgen.“ Nicht betroffene Staaten wie Deutschland werden von der WHO lediglich allgemein aufgefordert, sich auf mögliche Ebolafälle vorzubereiten und entsprechende Strukturen vorzuhalten. Das sei in Deutschland ohnehin der Fall, sagte die Ministeriumssprecherin: „Wir sind aufgestellt."

Das Robert-Koch Institut (RKI) stuft das Ebola-Risiko für Europa zudem als gering ein. Der Präsident des Berliner Robert-Koch-Instituts, Reinhard Burger, sagte am Freitag im rbb-Inforadio, dass durch die zunehmende Zahl von Fällen in den westafrikanischen Ländern das Risiko zwar steige, etwa wenn ein Infizierter, der noch keine Symptome zeige, ein Flugzeug besteige. Dies sei aber wenig wahrscheinlich. Zudem wäre dies für die Gesundheitssysteme in Europa, „kein dramatisches Problem“. „Die Vorbereitungen für solche Ereignisse sind gut getroffen“, sagte Burger.

Von der Ebola-Epidemie sind derzeit Guinea, Liberia, Sierra Leone und Nigeria betroffen, den Notstand haben bisher nur Liberia und Sierra Leone ausgerufen. Es ist erst das dritte Mal, dass die WHO-Seuchenexperten für die Ausrufung eines Internationalen Gesundheitsnotfalls stimmten. Im Mai 2014 hatte die WHO wegen der Ausbreitung von Polio in Pakistan und Afghanistan zu dieser Maßnahme gegriffen, zuvor 2009 wegen der Ausweitung der Schweinegrippe. © dpa/kna/aerzteblatt.de

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