NewsÄrzteschaftNeurowissen­schaftlerin: Psychisch Kranke nicht stigmatisieren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Neurowissen­schaftlerin: Psychisch Kranke nicht stigmatisieren

Sonntag, 10. August 2014

München – Die Neurowissenschaftlerin Elisabeth Binder hat beklagt, dass psychiatrische Leiden noch immer nicht als normale Erkrankungen angesehen werden. „Wir müssen endlich wegkommen von dieser Stigmatisierung der psychisch Kranken“, sagte die geschäftsführende Direktorin des Max-Planck-Instituts (MPI) für Psychiatrie in München der Süddeutschen Zeitung vom Samstag. Die Gesellschaft habe zu akzeptieren, dass psychiatrische Erkrankungen zu den häufigsten Leiden zählten. Sie wirkten sich besonders ungünstig auf die Lebensqualität aus und hätten noch dazu einen starken negativen Einfluss auf die gesamte Gesundheit der Patienten.

Mittlerweile gehe die Wissenschaft davon aus, dass Gene und Umwelt jeweils zur Hälfte das Seelenheil beeinflussten, erklärte Binder. Umweltfaktoren, die frühe Kindheit etwa, seien ganz wichtig. In den Anfängen der Genetik hätten manche noch geglaubt, gegen den Einfluss der Gene komme nichts an. Mittlerweile aber werde immer klarer, wie stark der gegenseitige Einfluss sei. Natürlich sei die Umwelt wichtig. „Aber wir gehen wegen unserer Gene mit unserer Umwelt unterschiedlich um. Und die Umwelt kann sogar unsere Gene verändern.“

Anzeige

Die dreifache Mutter hält auch die Trauma-Prävention für eine gesellschaftliche Aufgabe. Schließlich sei ein Trauma in der Kindheit ein wesentlicher Risikofaktor für die psychische Gesundheit. Das gleiche gelte für eine Schwangerschaft, in der die Mutter gestresst sei.

Weiter plädierte Binder dafür, dass das Kind in seinen ersten Lebensjahren zu seiner Mutter oder einer anderen Person eine enge Bindung aufbauen könne. Das gebe dem Kind Schutz. „Wir alle sollten dafür sorgen, dass diese Phase für die Kinder positiv ist, ruhig auch in einer Kinderkrippe“, so Binder. Langfristig könnten so viele negative Konsequenzen für die Gesundheit vermieden werden.

Die aus Wien stammende Binder studierte Medizin und Neurowissenschaften. Seit August 2013 ist die 42-Jährige Direktorin des MPI. © kna/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. August 2019
Koblenz – Psychische Störungen sind immer häufiger der Hauptgrund für eine Berufsunfähigkeit. Das geht aus einer aktuellen Analyse der Debeka hervor, die die Daten von etwa 522.000 Versicherten
Mehr Menschen müssen Beruf wegen psychischer Störungen aufgeben
20. August 2019
Stockholm – Entzündliche Darm­er­krank­ungen belasten die Psyche. Nachdem frühere Untersuchungen bereits auf ein erhöhtes Risiko von psychiatrischen Erkrankungen bei Erwachsenen hingewiesen hatten, zeigt
Entzündliche Darm­er­krank­ungen erhöhen psychiatrische Morbidität von Kindern
12. August 2019
Berlin – Im Umgang mit psychisch erkrankten Flüchtlingen haben Ärzte und Psychotherapeuten scharfe Kritik am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) und den Ausländerbehörden geübt. „Wir
Kritik an Behörden für Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen
5. August 2019
Lüdenscheid – Ein neues Nachsorgekonzept für Patienten mit psychischen Erkrankungen hat die Deutsche Rentenversicherung Westfalen mit den Märkischen Kliniken eingerichtet. Es beruht auf einem
Neues Nachsorgekonzept bei psychischen Erkrankungen in Westfalen
1. August 2019
Wollongong/Mannheim/Philadelphia – Parks und Wälder in der Nähe der Wohnung wirken sich positiv auf die psychische Konstitution der Bevölkerung in den Städten aus. Dies kam in einer Kohortenstudie aus
Grünflächen in Städten fördern psychisches Wohlbefinden
25. Juli 2019
Berlin – Die Zahl der Krankheitstage aufgrund psychischer Probleme hat nach Einschätzung der DAK-Gesundheit stark zugenommen. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Fehltage von
Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen zu
24. Juli 2019
Leipzig – DDR-Flüchtlinge können Anspruch auf besondere Hilfen und Entschädigung haben, wenn die Flucht zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führte. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig sprach
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER