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Ausland

Ebola-Ausbruch in Deutschland äußerst unwahrscheinlich

Montag, 11. August 2014

Berlin/Hamburg – Auch mit den weiter steigenden Ebola-Zahlen besteht in Deutschland kein Grund zur Sorge. Dass eine infizierte Person einreise, sei zwar möglich, aber extrem ununwahrscheinlich, sagte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) am Montag in Hamburg. Andere lebensbedrohliche Krankheiten wie Malaria seien deutlich häufiger. 

Erster Ebola-Verdacht in Deutschland
Den ersten deutschen Ebola-Verdacht hatte es am Wochenende in Hamburg gegeben: Ein 28-Jähriger war mit Symptomen wie Fieber und Erbrechen eingeliefert worden. Er hatte sich zuvor in Sierra Leone aufgehalten. Ein Test in der Nacht auf Sonntag führte schließlich zur Entwarnung.

Selbst bei einem bestätigten Fall sehen Experten keinen Grund zu Panik: Zu einer Ausbreitung vergleichbar der in Westafrika könne es in Europa kaum kommen, betonte Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik des BNI in Hamburg. Das Netz medizi­nischer Einrichtungen sei viel engmaschiger und eine Diagnose innerhalb weniger Stunden möglich. 

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Per Telefonkonferenz wollten die Experten die Frage aus ethischer und medizinischer Sicht beleuchten und eine gemeinsame Position formulieren. Dabei gehe es vor allem um eine Frage, sagte die stellvertretende Generaldirektorin der Weltgesundheits­organisation (WHO), Marie-Paule Kieny: „Ist es ethisch gerechtfertigt, noch nicht zugelassene Medikamente einzusetzen, und wenn ja, unter welchen Bedingungen sollen sie verabreicht werden und an wen?“ Die Ethiker müssten einschätzen, was für Ärzte in dieser Situation verantwortbar sei.

Brisante ethische Fragen
„Das sind brisante ethische Fragen“, sagte der Medizin-Ethiker Jochen Taupitz von der Universität Mannheim. „Es geht um die Zuteilung knapper Ressourcen.“ Sollte die WHO sich zum Einsatz experimenteller Wirkstoffe durchringen, erwartet er, dass diese vorwie­gend dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben. „Es ist eine Risikoabwägung“, erklärte Hans-Dieter Klenk von der Universität Marburg. „Auf der einen Seite steht eine Erkrankung, an der 60 bis 70 Prozent der Patienten sterben; auf der anderen Seite haben wir Medikamente und Impfstoffe, die vermutlich sehr wirksam sind, aber von denen wir nicht wissen, ob und welche Nebenwirkungen sie haben.“

Für Hoffnung sorgt etwa das Mittel „ZMapp”, mit dem zwei US-Helfer und Spanier behandelt wurden, die sich in Liberia infiziert hatten. Weil der Wirkstoff nicht an Menschen getestet sei, könne man Risiken zwar nicht ausschließen, sagt der Immunologe Thomas Geisbert von der University of Texas in Galveston, einer der führenden Ebola-Forscher. Aber: „Die Daten für ZMapp in nichtmenschlichen Primaten sind phänomenal, daher halte ich es für eine sehr gute Behandlungsoption.”

Die Konferenz wurde in großer Eile einberufen, Ergebnisse werden voraussichtlich erst am Dienstag veröffentlicht. Bei einem weiteren, umfassenderen Treffen sollen laut Kieny die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten bewertet und nach Wegen gesucht werden, die Entwicklung der verschiedenen Therapien zu beschleunigen.

Auch der kulturelle Hintergrund in Europa stehe einer Ausbreitung des Virus im Wege: „Der Kranke würde sofort ins Krankenhaus gebracht und nicht zu Hause gepflegt. Kontakte würden alle ausfindig gemacht.“ Schon Mitarbeiter an Flughäfen würden nun gezielt auf Reisende mit entsprechenden Symptomen achten. „Die Ausbreitung lässt sich mit relativ einfachen Mitteln verhindern“, sagte Schmidt-Chanasit.

Tests auf Infektionskrankheiten nicht vernachlässigen
Ärzte in Europa wie in Afrika dürften trotz der aktuellen Ebola-Gefahr Tests auf Malaria und andere Infektionskrankheiten nicht vernachlässigen, betonte der Mediziner. Im Verdachtsfall müsse zudem geprüft werden, ob ein Patient tatsächlich mit Erkrankten Kontakt hatte oder nur aus einem betroffenen Land eingereist sei.

Für den weiteren Verlauf der Epidemie in Westafrika hält Schmidt-Chanasit es für entscheidend, dass das Virus nicht auf angrenzende Länder oder nach Asien überspringt.

Unterdessen wurde im ostafrikanischen Ruanda ein erster Verdachtsfall gemeldet. Nach Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums liegt ein deutscher Medizinstudent seit Sonntag auf der Intensivstation eines Krankenhauses der Hauptstadt Kigali, der sich einige Tage in Liberia aufgehalten hatte und nach seiner Rückkehr unter Fieber litt. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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