NewsMedizinStudie: Harnsäure kann metabolisches Syndrom auslösen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Harnsäure kann metabolisches Syndrom auslösen

Dienstag, 12. August 2014

Messung des Blutzuckerspiegels /dpa

St Louis – Mäuse, die aufgrund eines Gendefekts keine Harnsäure über den Darm ausscheiden, entwickeln innerhalb kurzer Zeit ein metabolisches Syndrom. Eine Studie in Nature Communications (2014; doi: 10.1038/ncomms5642) legt die Vermutung nahe, dass eine Hyperurikämie, die nicht zuletzt infolge des hohen Fruktosekonsums häufiger beobachtet wird, ein Auslöser der häufigen Stoffwechselerkrankung sein kann.

Da Menschen (und anderen Hominiden) das Enzym Urikase fehlt, müssen sie Harnsäure über die Nieren oder den Darm ausscheiden. Harnsäure entsteht als Endprodukt des Nukleinsäureabbaus. Doch nicht nur der häufige Verzehr von purinhaltigen Nahrungs­mitteln steigert den Harnsäurespiegel. Auch Fruktose kann in der Leber die Bildung von Harnsäure steigern.

Anzeige

Da Fruktose die Glukose in vielen industriellen Nahrungsmitteln als Süßstoff verdrängt hat, ist die Harnsäurekonzentration im Blut in der Bevölkerung gestiegen. Seit einiger Zeit wird vermutet, dass Harnsäure nicht nur eine Gicht auslösen kann, sondern auch an der Pathogenese des metabolischen Syndroms beteiligt ist.

Viele Menschen mit dieser Stoffwechselkonstellation aus hohem Blutdruck, hohen Blutfetten, Insulinresistenz und einer viszeralen Adipositas haben auch erhöhte Harn­stoffwerte. Bislang wurde dies als Nebeneffekt eingestuft. Die Experimente, die Brian DeBosch von der Washington University School of Medicine in St. Louis zusammen mit Forschern des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke durchgeführt haben, deuten jedoch darauf hin, dass Harnsäure eine kausale Rolle bei der Entstehung des metabolischen Syndroms spielen könnte.

Das Team experimentiert mit Mäusen, denen das Gen SLC2A9 fehlt. Es kodiert ein Transportmolekül, über das im Darm Harnsäure ausgeschieden wird. Die Tiere entwickeln nicht nur eine Hyperurikämie. Bereits im Alter von sechs bis acht Wochen kommt es zu einer arteriellen Hypertonie, einer Dyslipidämie, einer Hyperinsulinämie und einer Adipositas. Die Tiere entwickelten in jungem Alter alle Kennzeichen eines metabolischen Syndroms, obwohl sie normal gefüttert wurden.

DeBosch behandelte die Tiere daraufhin mit Allopurinol, das den Abbau von Purinen zu Harnsäure durch die Hemmung des Enzyms Xanthinoxidase vermindert. Das Gichtme­dikament besserte Hypertonie und Hypercholesterinämie, nicht aber die anderen Kennzeichen des metabolischen Syndroms.

Effektiver könnten Medikamente sein, die die Ausscheidung von Harnsäure über den Darm steigern – oder aber eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten mit der Meidung von fruktosehaltigen Nahrungsmitteln. Einen Wirkstoff, der die Harnsäureausscheidung im Darm erhöht, gibt es noch nicht. Die Möglichkeiten, sich fruktosearm zu ernähren, werden durch die zunehmende Verbreitung von fruktosehaltigen Nahrungsmitteln immer weiter eingeschränkt.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2019
Charlottesville– Ein hybrides künstliches Pankreas, das die Dosis des Basalinsulins automatisch dem kontinuierlich bestimmten Blutzucker anpasst, hat in einer randomisierten Studie im New England
Künstliches Pankreas verbessert Blutzuckerkontrolle bei Diabetes Typ 1
18. Oktober 2019
Amsterdam – Schwere Hypoglykämien können künftig mit einem Nasenspray behandelt werden. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat heute eine
Nasenspray behandelt schwere Hypoglykämien injektionsfrei
17. Oktober 2019
Berlin – Psychische Störungen treten bei Menschen mit Diabetes häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Gleichzeitig stellten komorbide psychische Störungen eine Behandlungsbarriere dar,
Komorbide psychische Störungen bei Diabetikern häufig
17. Oktober 2019
Farmington – Eine intensive Blutdrucksenkung hat bei über 75-jährigen Hypertonikern mit Zerebralsklerose die Bildung weiterer Hyperintensitäten in der Magnetresonanztomografie (MRT) vermindert. Ein
Intensive Blutdruckkontrolle verhindert MRT-Läsionen im Gehirn
17. Oktober 2019
New York – Frauen, die ihr Kind längere Zeit stillen, erkranken im späteren Leben seltener an einem Typ-2-Diabetes oder an einer arteriellen Hypertonie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in
Lange Stillzeit schützt Frauen vor Diabetes und Hypertonie
16. Oktober 2019
Stuttgart – Der Ärzteverband Medi Baden-Württemberg und die DAK-Gesundheit haben einen neuen Facharztvertrag geschlossen, der die Versorgung von Diabetikern (Typ 1 und 2) verbessern soll. Ärzte können
Neuer Facharztvertrag zur Diabetesversorgung in Baden-Württemberg
16. Oktober 2019
Berlin – Für Eltern mit an Diabetes erkrankten Kindern gibt es nicht genug psychosoziale Hilfen. Darauf haben Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) im Vorfeld der morgigen Tagung
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER