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Medizin

Wirkstoff stoppt Krebs-Gen MYC

Dienstag, 12. August 2014

La Jolla – Forscher aus den USA und Österreich haben einen lang gesuchten Wirkstoff gegen einen der wichtigsten Faktoren bei der Entstehung von Tumoren im Menschen gefunden: Der Transkriptionsfaktor MYC, der 15 Prozent aller menschlichen Gene kontrollieren soll und in vielen Krebszellen vermehrt aktiv ist, kann laut einer Studie in Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2014; doi: 10.1073/pnas.1319488111) auf indirektem Wege ausgeschaltet werden.

MYC ist ein Proto-Onkogen. Das bedeutet, dass es auch in gesunden Zellen aktiv ist. Erst durch die vermehrte Expression wird es zu einem Antreiber des Krebswachstums. Dies wurde zuerst beim Burkitt-Lymphom entdeckt, wo eine Translokation des Gens die vermehrte Aktivität erklärt. Krebsforscher sind sich jedoch sicher, dass MYC auch bei anderen Krebsarten eine Rolle spielt. James Watson, einer der beiden Entdecker der DNA, hat ihn kürzlich als eines der wichtigsten Angriffsziele für die Krebstherapie bezeichnet. Doch alle Versuche, MYC durch einen Wirkstoff zu neutralisieren, waren bisher fehlgeschlagen.

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Auch das Team um Kim Janda vom Scripps Research Institute in La Jolla in Kalifornien hat genau genommen keinen Wirkstoff gegen MYC gefunden. Das durch systematisches Screening entdeckte Molekül KJ-Pyr-9 kann aber das Partnerprotein MAX ausschalten. Mit ihm muss MYC zunächst einen Komplex bilden, bevor es als Transkriptionsfaktor andere Gene anschalten kann. Ohne MAX ist MYC neutralisiert.

Der neue Wirkstoff wurde bisher nur an Zelllinien und an Mäusen untersucht, denen menschliche Tumorzellen transplantiert wurden. Hier war KJ-Pyr-9 bereits in geringer Konzentration wirksam, wie Prof. Klaus Bister von der Universität Innsbruck berichtet, wo ein Teil der Experimente durchgeführt wurden.

Bevor die ersten klinischen Tests durchgeführt werden, sind weitere tierexperimentelle Tests notwendig. Dort muss sich zeigen, dass KJ-Pyr-9 in therapeutischen Dosierungen verträglich ist. Da das Gen auch in gesunden Zellen eine enorm wichtige Rolle spielt, sind Zweifel berechtigt. Die präklinische Prüfung dürfte deshalb besonders sorgfältig ausfallen. Sollte sich KJ-Pyr-9 hier als sicher erweisen, dürfte die anschließende klinische Prüfung noch einmal mehrere Jahre dauern. © rme/aerzteblatt.de

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