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Medizin

Untersuchungs­handschuhe könnten Infektionsrisiko von Frühgeborenen senken

Mittwoch, 13. August 2014

dpa

Charlottesville – Die Anweisung, bei allen direkten Kontakten mit extremen Frühge­burten, Untersuchungshandschuhe zu tragen, hat in einer randomisierten Studie in JAMA Pediatrics (2014; doi: 10.1001/jamapediatrics.2014.953) das Risiko von schweren Infektionen deutlich gesenkt. Aufgrund einer niedrigen Fallzahl waren die Unterschiede jedoch nicht signifikant.

Einfache hygienische Maßnahmen gelten als der Schlüssel zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen. Dies gilt auf neonatalen Intensivstationen insbesondere für die Betreuung von extremen Frühgeborenen, bei denen schwere Infektionen häufig auftreten und oft für den Tod verantwortlich sind. Eine Händedesinfektion ist hier vor jedem Kontakt mit den Patienten Pflicht.

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An der University of Virginia School of Medicine in Charlottesville wurde untersucht, ob die zusätzliche Verwendung von nicht-sterilen Handschuhen die Infektionsrate weiter senken kann. Das Team um David Kaufman randomisierte deshalb 120 Säuglinge mit einem Geburtsgewicht von unter 1.000 Gramm oder einem Gestationsalter von weniger als 29 Wochen auf zwei Gruppen. In der einen führte das Personal die übliche Hände­desinfektion durch, in der anderen zogen sie nach der Händedesinfektion Handschuhe an, bevor sie sich dem Kind näherten.

Primärer Endpunkt der Studie war eine Spätinfektion, definiert als Bakteriämie, Harn­wegs­infektion, Meningitis oder eine nekrotisierende Enterokolitis, die alle frühestens 72 Stunden nach der Geburt auftreten durften. Wie Kaufman berichtet, konnte die Infektionsrate von 45 auf 32 Prozent gesenkt werden. Der Unterschied von 13 Prozent­punkten, der einer Number Needed to Treat von 8 entspricht, würde eindeutig für die Verwendung von Untersuchungshandschuhen – zusätzlich und nicht anstelle der Händedesinfektion – sprechen, wenn denn die Ergebnisse signifikant wären.

Dieses Ziel wurde jedoch nicht erreicht. Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass das Ergebnis nur ein Zufallseffekt ist, auch wenn die Ergebnisse in den sekundären End­punkten die Schutzwirkung der Untersuchungshandschuhe bestätigen. Die Häufigkeit von gram-positiven Bakteriämien ging sogar signifikant von 32 auf 15 Prozent zurück, während eine Schutzwirkung – erwartungsgemäß – bei der nekrotisierenden Enterokolitis nicht vorhanden war.

Die Editorialistin Susan Coffin von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia spricht sich dafür aus, die Studie mit einer größeren Teilnehmerzahl und unter Beteiligung mehrerer Zentren zu wiederholen. Sie verweist auf einige Fallstricke in der Hygiene. So könnte das Tragen von Handschuhen das Personal – außerhalb der streng kontrollierten Bedingungen in einer klinischen Studie – dazu verleiten, es mit der Händehygiene nicht so Ernst zu nehmen, wodurch das Infektionsrisiko wieder steigen könnte.

© rme/aerzteblatt.de

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