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Diabetologen fordern Verbot bestimmter Blutentnahmesysteme

Mittwoch, 13. August 2014

Berlin – Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat gefordert, bestimmte Blutentnahme­systeme in der Schwangerschaftsvorsorge zu verbieten. „Uns liegen Hinweise vor, dass einige Frauenärzte und Labormediziner immer noch Blutentnahmesysteme nutzen, die allein Natrium-Fluorid enthalten“, erklärte DDG-Präsident Erhard Siegel. Bei diesen Systemen bestehe die Gefahr, einen Schwangerschaftsdiabetes zu übersehen. Nur Blutentnahmeröhrchen, die neben Natrium-Fluorid auch Citrat enthalten, können der Fachgesellschaft zufolge zuverlässig über einen Schwangerschaftsdiabetes Auskunft geben.

Die DDG fordert deshalb von den Krankenkassen, bei Nutzung ungeeigneter Systeme die Kostenerstattung für das Screening zu stornieren. Hersteller sollten zudem die Produktion und den Vertrieb reiner Natrium-Fluorid-Blutentnahmesysteme unverzüglich einstellen.

Laut DDG schreibt die Mutterschaftsrichtlinie seit 2012 für werdende Mütter zwischen 24 und 28 Schwangerschaftswochen eine blutzuckergestützte Untersuchung auf Gestations­diabetes vor. Bei diesem Screening trinkt die Schwangere zunächst im nicht-nüchternen Zustand 200 Milliliter Wasser mit 50 Gramm Traubenzucker, bevor eine Stunde später der Blutzucker im Venenblut bestimmt wird.

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Werden die Blutproben zur Blutzuckerbestimmung an ein Labor geschickt, muss der Abbauprozess der Glukose – die Glykolyse – im Blutentnahmeröhrchen gestoppt werden, da sonst die Referenzwerte ihre Gültigkeit verlieren. „Dafür reicht aber der Glykolyse-Hemmer Natrium-Fluorid allein nicht aus, er stoppt den Abbau erst nach vier Stunden“, warnte Lutz Heinemann, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Diabetes und Technologie der DDG.

„Das kann die Ergebnisse verfälschen und birgt damit die Gefahr eines falsch-negativen Befundes – also das Risiko, einen Gestationsdiabetes zu übersehen.“ Eine zuverlässige Auskunft gäben derzeit nur Blutentnahmeröhrchen, die neben Natrium-Fluorid auch Citrat enthalten. „Diese Kombination bewirkt eine nahezu vollständige Glykolyse-Hemmung“, so Heinemann.

Da ein hoher Blutzucker in der Schwangerschaft Mutter und Kind schadet, warnt die DDG vor der Verwendung von Blutentnahmeröhrchen, die allein Natrium-Fluorid enthalten. „Nach unserer Auffassung ist dies grob fahrlässig“, verwies Helmut Klein­wechter, DDG-Mitglied und Autor der Leitlinie Gestationsdiabetes. Zwar lägen keine offiziellen Zahlen vor, wie häufig ungeeignete Systeme zum Einsatz kommen. „Es gibt aber Hinweise, wonach diese Systeme seit Einführung des Screenings weiterhin nahezu unverändert genutzt werden“, sagte er. © hil/aerzteblatt.de

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