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Medizin

Frühgeburt: Antenatale Steroide weltweit selten eingesetzt

Mittwoch, 13. August 2014

Genf – Obwohl eine Behandlung der Schwangeren mit Dexamethason oder Beta­methason bei einer drohenden Frühgeburt ein Atemnotsyndrom des Neugeborenen häufig verhindern kann, hat sich die antenatale Steroidinjektion in vielen ärmeren Ländern nicht durchsetzen können. Auch Tokolytika werden einer Studie der Weltgesundheitsorganisation im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)60580-8) zufolge zu selten eingesetzt.

Weltweit werden jedes Jahr 15 Millionen Kinder zu früh geboren und eine Geburt vor der 35. Gestationswoche ist heute die häufigste Todesursache im ersten Lebensmonat. Früh­geburten lassen sich nicht verhindern. Durch die Gabe von Tokolytika kann die Geburt jedoch häufig um wertvolle Zeit hinausgezögert werden. Die Injektion von Steroiden kann dann die Lungenreifung des Feten fördern und so seine Überlebens­chancen steigern.

Obwohl mit Dexamethason und Betamethason kostengünstige Medikamente zur Verfügung stehen – die Kosten pro Injektion liegen bei unter einem US-Dollar – und Steroide nicht gekühlt gelagert werden müssen, hat sich die Therapie nicht in allen Ländern durchgesetzt, wie ein Team um Marleen Temmerman von der WHO in Genf jetzt in einer Analyse der WHOMCS-Studie (WHO Multicountry Survey on Maternal and Newborn Health) herausgefunden hat.

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Die Forscher konnten die Daten zu mehr als 300.000 Geburten in 29 Ländern – darunter reiche wie Japan und arme wie Afghanistan – auswerten. In vielen Ländern gehörten die Steroid-Injektionen nicht zur Routine. Die Bandbreite reichte von 16 Prozent aller Schwan­geren mit drohender Frühgeburt in Afghanistan bis zu 91 Prozent in Jordanien. Der Durchschnitt lag bei 54 Prozent (und das reiche Japan lag mit 58 Prozent nur knapp darüber). Deutschland nahm nicht an der Studie teil.

Nimmt man die Gabe von Tokolytika hinzu, dann erhielten gerade einmal 18 Prozent aller Frauen die empfohlenen Mittel, die nach Auskunft von Temmerman zwei Drittel aller Todesfälle bei Frühgeborenen verhindern könnte. Viele Ärzte bevorzugen bei den Tokolytika Beta-Blocker, obwohl der Kalziumantagonist Nifedipin laut Temmerman kostengünstiger ist und sicherer in der Anwendung.

Insgesamt 42 Prozent aller Schwangeren mit drohender Frühgeburt erhielten weder antenatale Steroide noch Tokolytika. Selbst diese Zahlen sind vermutlich noch zu optimistisch. Die Frühgeburtenrate lag in der WHOMCS-Studie nur bei 6 Prozent. Die meisten Experten gehen davon aus, dass sie in Wirklichkeit fast doppelt so hoch ist.

Der Verzicht auf die beiden Therapien könnte nach Ansicht des Editorialisten Stuart Dalziel vom Starship Children’s Hospital in Auckland ein Grund sein, warum die Vereinten Nationen das Millennium-Entwicklungsziel 4 verfehlen werden, das eine Senkung der Kindersterblichkeit bis 2015 um zwei Drittel fordert. © rme/aerzteblatt.de

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