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Robin Williams litt vermutlich an einer bipolaren Störung

Donnerstag, 14. August 2014

Berlin – Der weltberühmte US-amerikanische Schauspieler Robin Williams wurde am Montag leblos in seiner Wohnung im kalifornischen Tiburon aufgefunden. Die Polizei geht inzwischen von Suizid aus: Robin Williams hat sich erhängt. Der Schauspieler  („Der Club der toten Dichter“, „Good Will Hunting“, „Mrs. Doubtfire“) habe zuletzt unter schweren Depressionen gelitten, bestätigte seine Pressesprecherin Mara Buxbaum. Bekannt waren auch seine  Alkoholabhängigkeit und sein Kokainkonsum.

Zahlreiche Hinweise ließen die Vermutung zu, dass Robin Williams ­an einer bipolaren Störung litt, teilte die Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen (DGBS) am Mittwoch der Presse mit. Bipolare Störungen, auch als manisch-depressive Erkrankungen bekannt, gehören zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen und führen unbehandelt häufig zu Suizidversuchen und Suizid. In Deutschland sind nach Angaben der Fachgesellschaft schätzungsweise ein bis zwei Prozent der Bevölkerung davon betroffen.

5 Fragen an Martin Schäfer, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Suchtmedizin der Kliniken Essen-Mitte  und erster Vorsitzender der DGBS.

DÄ: Bekannt war, dass Robin Williams unter Depressionen litt, alkoholabhängig war und Drogen konsumierte. Wie kommen Sie darauf, dass er an einer bipolaren Störung erkrankt war?

Martin Schäfer: In den USA gibt es schon länger Aussagen darüber, dass Williams seit seinem 37. Lebens­jahr an einer bipolaren Störung litt. Die Vermu­tung, dass es sich bei ihm um eine bipolare Störung handelt wird auf verschiedensten Internetseiten erwähnt, darunter die Daily News, Psych central oder die International Bipolar Foundation. Robin Williams selbst betonte aber in Interviews, dass es bei ihm zumindest nie eine offizielle psychiatrische Diagnose gestellt wurde.

DÄ: Wie kann es sein, dass eine prominente Persönlichkeit wie Robin Williams, der sicherlich in ärztlicher Behandlung war, nicht richtig diagnostiziert wurde?
Martin Schäfer: Es ist nicht gesagt, dass er nicht korrekt diagnostiziert wurde. Es ist die Frage, wie weit er es zuließ und damit an die Öffentlichkeit gehen wollte. Bei der Schau­spielerin Catherine Zeta-Jones ist die bipolare Störung in der Öffentlichkeit klar diskutiert worden. Robin Willams selbst machte nur Andeutungen und  entschied somit, was über ihn die Öffentlichkeit gebracht werden sollte und was nicht. Über die Alkohol- und Kokainsucht, die eine extrem häufige Begleiterkrankung bei der bipolaren Störung ist, gab es dagegen sicher keine Zweifel.

DÄ: Gibt es einen Zusammenhang zwischen bipolaren Störungen und Künstlern?
Martin Schäfer: Ja. Die bipolare Störung kommt gehäuft bei Künstlern und Prominenten vor und gerade auch bei kreativen Menschen. Es gibt dazu verschiedene Thesen: Natürlich braucht man keine psychische Störung, um Künstler zu werden oder ein guter Musiker.

Aber möglicherweise gibt es sogar biologische Zusammenhänge in dem Sinne, dass man bestimmte Dinge intensiver wahrnimmt, dass das Filterorgan, der Thalamus, andere Eindrücke durchlässt und man daher besser für künstlerische Tätigkeiten geeignet ist. Und umgekehrt birgt das Leben eines Künstlers, die unregelmäßige und häufig extreme Lebensführung, auch die Gefahr, dass bei entsprechender Veranlagung sich psychische  Erkrankungen gehäuft klinisch manifestieren.

DÄ:  Werden bipolare Störungen generell bei uns hinreichend erkannt und die Betroffenen entsprechend versorgt?
Martin Schäfer: Es ist immer noch so, dass wir mit einer teilweise zehn-Jahres-Latenz rechnen, bis bipolare Störungen bei den Betroffenen, richtig diagnostiziert und behandelt werden. Häufig wird die Erkrankung auch nicht erkannt.

DÄ: Was kann man tun, um das zu verbessern?
Martin Schäfer: Die Kenntnisse über bipolare Störungen oder manisch-depressive Erkrankungen in der Bevölkerung müssten verbessert werden. Ein Weg kann dabei sein, anhand von solchen prominenten Fällen auf psychische Erkrankungen hinzuweisen. Außerdem gehören spezifische Kenntnisse über psychische Erkrankungen generell schon in das Medizinstudium, denn sie gehören zu den häufigsten Erkrankungen, die man heutzutage in einer Hausarztpraxis sieht. © pb/aerzteblatt.de

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Doro Maier
am Samstag, 16. August 2014, 11:38

Möglicherweise statt vermutlich

Mir wäre es lieber, Herr Schäfer würde in seiner Ferndiagnostik „möglicherweise“ eine bipolare Störung bei Herrn Williams annehmen (statt „vermutlich“). Denn es ist anzunehmen, dass er Herrn Williams niemals persönlich kennengelernt hat und seine Interpretation daher nur auf den Informationen beruht, die eben über die Medien verbreitet wurden.

Das was von der seelischen Verfassung von Herrn Williams bekannt wurde, lässt zahlreiche Interpretationen zu, u.a. auch die sogenannte „Borderline-Störung“ oder eine Dissoziative Störung (wobei mir persönlich in beiden Fällen das Wort „Störung“ nicht gefällt, da diese „Störungen“ häufig GESUNDE Reaktionen auf verSTÖRENDE Kindheitserfahrungen sind, was aber in den seltensten Fällen (an)erkannt wird). Wir wissen zu wenig biografische Daten von Herrn Williams, zumal negative Kindheitserfahrungen wie sexueller Missbrauch noch immer häufig verschwiegen werden. Aber Depressionen, Angstzustände, plötzliche Stimmungsschwankungen und gleichzeitig eine außergewöhnliche Lebens- und Menschenkenntnis (die sich ja in Williams schauspielerischem Talent zeigte), Suchterkrankung, Beziehungsprobleme (immerhin lebte Herr Williams in der dritten Ehe), u.m. sind in der Fachliteratur AUCH als Traumafolgen nach schwierigen Kindheitserfahrungen bekannt.

„Die Ursachen von Drogenabhängigkeit sind nach bisherigem Wissenstand multifaktoriell zu betrachten. Realtraumatisierungen in der Kindheit scheinen die Häufigkeit späterer Suchterkrankungen aber zu erhöhen. (…) Eine Vielzahl von Studien weist auf enge Korrelationen zwischen dem Vorhandensein einer Suchterkrankung und sonstigen psychiatrischen Erkrankungen (Essstörungen, Depression, Borderline-Störungen) und in der Kindheit stattgefundenem sexuellem Missbrauch hin (…). Nach bisherigen Erkenntnissen hat ein sexueller Missbrauch ein ca. vierfach erhöhtes Risiko für die spätere Entwicklung psychiatrischer Erkrankungen sowie ein ca. dreifach erhöhtes Risiko für Suchterkrankungen zur Folge“ (Dissertation Schnieders, M., 2005 http://edoc.ub.uni-muenchen.de/4020/1/Schnieders_Marion.pdf)

„Die meisten Menschen, die in der Kindheit missbraucht wurden, werden nie psychiatrisch auffällig. (…) doch viele, möglicherweise die meisten Menschen in der Psychiatrie wurden in der Kindheit missbraucht. Die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache. (…) Missbrauch in der Kindheit [ist] offensichtlich einer der Hauptfaktoren bei den Menschen, die als Erwachsene psychiatrische Behandlung in Anspruch nehmen müssen“ (Herman, J., „Die Narben der Gewalt“, Junfermann2003)

„Das Leben chronisch traumatisierter Patienten kann ein nie endender Kampf sein. (…) Selbst wenn sie ihr Leiden hinter einer Fassade der Normalität zu verbergen versuchen – was sehr häufig vorkommt – (…) (Van der Hart, O., et al. „Das verfolgte Selbst“, Junfermann 2008).
LNS

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