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Medizin

Chikungunya: Impfstoff zeigt Wirkung in klinischer Studie

Freitag, 15. August 2014

Bethesda – Die Entwicklung eines Chikungunya-Impfstoffs durch das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases kommt offenbar gut voran. Die Vakzine erwies sich in einer ersten klinischen Studie im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)61185-5) als verträglich und erzielte auch ohne Adjuvans bei allen Probanden eine nachhaltige Antikörperreaktion. Wie es scheint, fehlt nur noch ein Investor, der die ökonomischen Risiken der weiteren klinischen Entwicklung nicht scheut.

Das früher seltene Chikungunya-Virus wird heute nicht nur durch die „tropische“ Gelb­fieber-Mücke (Aedes aegypti) übertragen. Als Vektor dient zunehmend die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), die auch in gemäßigten Klimazonen überlebt und ihr Verbreitungsgebiet ausgedehnt hat.

Das Chikungunya-Fieber tritt nicht mehr nur in Afrika und Südasien auf. Im letzten Jahr hat das Virus Lateinamerika erreicht und die US-Centers for Disease Control and Prevention meldeten kürzlich erste Erkrankungen aus Florida. Ein kleiner Ausbruch in Italien im Jahr 2007 hat auch die europäischen Behörden alarmiert. Die meisten Erkran­kungen verlaufen zwar milde und die Patienten erholen sich in der Regel bald vom Fieber und den Gelenkbeschwerden. Es sind jedoch schwere Verläufe mit Todesfolge möglich.

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Da es keine effektiven Virustatika gibt, käme der Impfstoff, der am US-Vaccine Research Center entwickelt wurde, gerade rechtzeitig. Es handelt sich um ein „virus-ähnliches Partikel“ (VLP), eine relativ neue Impfstoffvariante, die aus der Außenhülle des Chikungunya-Virus besteht, aber keine Gene enthält und damit nicht infektiös ist. Vor vier Jahren hatten die Forscher über erfolgreiche Tests an Makaken berichtet (Nature Medicine 2014; 16: 334–338). Jetzt liegen die Ergebnisse einer ersten klinischen Studie vor.

Am US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda erhielten 23 gesunde Probanden über 20 Wochen drei Injektionen des VLP in einer von drei Dosierungen (10, 20 oder 40 µg). Primärer Endpunkt war die Verträglichkeit. Bei vier Teilnehmern kam es zu einem leichten bis mäßigen Anstieg der Alanin-Aminotransferase und einer vorübergehenden Neutropenie, was nach Einschätzung des Teams um Julie Ledgerwood die Sicherheit der Vakzine jedoch nicht infrage stellt.

Bei allen Probanden kam es nach der zweiten Impfdosis zur Bildung von Antikörpern, deren Titer durch die dritte Impfdosis deutlich gesteigert werden konnte. Es sollen die gleichen Titer wie nach einer überstandenen Infektion mit dem Wildvirus erreicht worden sein. Ob die Probanden vor einer Infektion geschützt sind, wurde allerdings nicht unter­sucht. Die Titer waren jedoch auch sechs Monate nach der Impfung noch nicht abgefallen, so dass die Forscher auf eine langfristige Wirkung hoffen. Der Impfstoff hat dem Vernehmen nach Antikörper gegen mehrere Genotypen entwickelt, so dass möglicherweise eine Schutzwirkung gegen alle drei Stämme (West-Afrika; Ost- Zentral und Südafrika, und Südasien) erzielt wird.

Dies ist wichtig, da die weitere Entwicklung bis zur Marktreife etwa 200 Millionen US-Dollar kosten würde und vermutlich nicht ohne einen Partner aus der freien Wirtschaft möglich wäre. Die Ausbreitung in Richtung USA und Europa könnte hier die notwendigen wirtschaftlichen Anreize für einen Hersteller schaffen. © rme/aerzteblatt.de

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