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Ebola-Isolierstation in Liberia angegriffen

Sonntag, 17. August 2014

Der Slum West-Point in Monrovia /dpa

Monrovia/Abuja – In einem Slum in Liberia hat eine aufgebrachte Menge ein Kranken­haus gestürmt und mindestens 17 Ebola-Patienten zur Flucht verholfen. Die Patienten lagen auf der Quarantänestation einer Klinik in der Hauptstadt Monrovia, wie die Zeitung Front Page Africa am Sonntag berichtete. Unter den Geflohenen waren bestätigte und Verdachtsfälle. Es wird befürchtet, dass sie weitere Menschen mit dem Virus anstecken. Auch in anderen Ländern Afrikas spitzte sich die Lage dramatisch zu. In Nigeria verlassen Berichten zufolge immer mehr Ärzte und Pfleger aus Angst vor der Krankheit die Krankenhäuser. Kenia verhängte einen Einreisestopp für Menschen aus den von Ebola betroffenen Staaten.

Der Chef des liberianischen Krankenpflegerverbands, George Williams, bestätigte den Vorfall. Demnach wurden zudem drei Infizierte von ihren Familien aus der Isolierstation verschleppt. Einer Augenzeugin,  Rebecca Wesseh, zufolge kamen die mit Knüppeln bewaffneten vornehmlich jungen Angreifer in der Nacht zum Sonntag und stürmten eine Isolierstation. Sie riefen „Es gibt kein Ebola“ in Liberia und warfen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf vor, mit Berichten über Ebola lediglich internationale Gelder beschaffen zu wollen.

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Der dicht besiedelte Slum West Point in Monrovia, wo sich der Vorfall am Samstag ereignete, liegt in der Nähe des Stadtzentrums. In dem Viertel leben rund 75.000 Menschen. Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium hatte angekündigt, den ganzen Slum unter Quarantäne zu stellen. Das solle verhindern, dass Einwohner in andere Gebiete kommen. „Wir werden Lebensmittel und andere Güter nach West Point bringen, bevor die Maßnahme in Kraft tritt“, hieß es. Viele Bürger hätten darauf wütend reagiert, schrieb die Zeitung.

Ursprünglich waren 29 Patienten auf der Quarantänestation in Monrovia. In den vergangenen Tagen seien aber zehn von ihnen gestorben und zwei weitere geflohen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen Pfleger.

Nigeria: Immer mehr Ärzte haben Angst
In Nigeria legen Berichten zufolge immer mehr Mediziner in Krankenhäusern ihre Arbeit nieder. Betroffen sei vor allem das Yaba Mainland Hospital in Lagos, wo mehrere Infizierte auf Isolierstationen lägen, schrieb die Zeitung Punch am Samstag. Viele Mediziner hätten die Klinik auf Druck ihrer Familien verlassen. Das wenige verbliebene Personal arbeite rund um die Uhr, hieß es. „Jeder scheint große Angst vor Ebola zu haben, und niemand will helfen, was eine große Herausforderung ist“, sagte der örtliche Gesundheitskommissar Jide Idris.

Infizierte Ärztin wieder gesund
Eine vor mehreren Wochen an Ebola erkrankte Ärztin sei wieder gesund, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­ter Onyebuchi Chukwu am Samstag. Die Frau sei aus dem Krankenhaus in Lagos entlassen worden. Auch fünf weitere der insgesamt zwölf in dem westafrikanischen Land bestätigten Infizierten seien „fast geheilt“.

Alle Fälle in Nigeria gehen auf einen Mann aus Liberia zurück, der Ende Juli auf dem Flughafen von Lagos zusammengebrochen und wenig später in Quarantäne gestorben war. Drei Menschen, die sich bei ihm angesteckt hatten, sind tot. 189 Personen werden überwacht, jedoch habe keiner bisher Anzeichen der Erkrankung gezeigt, so Chukwu.

Kenia verhängt Einreisestopp
Derweil verhängte Kenia einen Einreisestopp für Menschen aus den von Ebola betroffenen Ländern. Die Regelung soll ab Dienstag gelten, teilte das Gesundheits­ministerium mit. Dabei geht es vor allem um Fluggäste aus Sierra Leone, Liberia und Guinea. Die Fluglinie Kenya Airways kündigte an, Flüge nach Liberia und Sierra Leone ebenfalls ab Dienstag auszusetzen. Vor wenigen Tagen hatte die WHO erklärt, in Kenia bestehe ein erhöhtes Risiko für das Übergreifen der Epidemie aus Westafrika. Der Flughafen der Hauptstadt Nairobi gilt als wichtiges Drehkreuz im afrikanischen Luftverkehr.

Erste Ebola-Fälle waren im März in Guinea bestätigt worden, obwohl vermutlich schon seit Dezember Menschen an dem Virus erkrankt waren. Die Epidemie hatte sich schnell nach Liberia und Sierra Leone ausgebreitet. Seit einigen Wochen ist auch Nigeria betroffen. Bis vergangenen Mittwoch wurden nach WHO-An­gaben mehr als 1.100 Ebola-Tote registriert, es gab mehr als 2.100 bestätigte und Verdachtsfälle.

Verdachtsfall in Spanien
Im spanischen Alicante wurde ein Nigerianer mit Verdacht auf eine Ebola-Infektion in die Quarantäne-Station eines Krankenhauses gebracht. Wie die Gesundheitsbehörden mitteilten, hatte der Afrikaner wegen Fiebers eine Klinik in der Hafenstadt aufgesucht. Die Ärzte überwiesen den Mann, der kürzlich in sein Heimatland gereist war, in eine Spezialklinik. Labortests sollen zeigen, ob er wirklich an der Krankheit leidet. Frühe Ebola-Symptome wie etwa Fieber oder Durchfall können auch von vielen anderen Erkrankungen wie etwa Malaria herrühren. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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