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Medizin

Alopecia areata: Zugelassenes Krebsmedikament lässt Haare sprießen

Montag, 18. August 2014

New York – US-Forscher haben die Pathogenese der Alopecia areata, einem vor allem bei Frauen auftretenden kreisrunden Haarausfall, aufgedeckt. Ihre Studienergebnisse in Nature Medicine (2014; doi: 10.1038/nm.3645) erklären auch die gute Wirkung der JAK1/2-Inhibitoren Ruxolitinib und Tofacitinib.

Erst kürzlich hatten Dermatologen der Yale Universität im Journal of Investigative Dermatology (2014; doi: 10.1038/jid.2014.260) berichtet, wie sie einem 25-jährigen Patienten mit Alopecia universalis durch die Behandlung mit Tofacitinib zu einem neuen Haarkleid verholfen hatten. Die Dermatologen waren zufällig auf die Wirkung gestoßen, als sie die Psoriasis des Patienten mit dem JAK1/2-Inhibitor Tofacitinib behandelt hatten. Das Mittel, das in Europa nicht zugelassen ist, wird von amerikanischen Hautärzten bei der Psoriasis off-label eingesetzt. Es ist vermutlich wirksam, weil die Psoriasis zu den Autoimmunerkrankungen zählt.

Eine ähnliche Pathogenese wird seit längerem auch bei der Alopecia areata vermutet. In den Haarfollikeln der Patienten finden sich massenhaft CD8-Zellen. Die Transfusion dieser Zellen kann im Tierversuch bei gesunden Tieren ein Alopecia provozieren. Die Pathologen Angela Christiano und Raphael Clynes von der Columbia University of New York sind jetzt in einer Reihe von tierexperimentellen Studien der Pathogenese der Alopecia areata auf den Grund gegangen.

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Nach ihren Forschungsergebnissen ist eine Gruppe von CD8-T-Zellen für den Angriff auf die Haarwurzeln verantwortlich. Die Immunzellen bedienen sich dabei der Zytokine Interferon-gamma und Interleukin 2, und auch der Interleukin-15-Rezeptor b ist an der Pathogenese beteiligt. Die Blockade der Zytokine oder des Rezeptors verhinderte bei den Tieren, dass es zum Haarausfall kam. Eine ähnliche Wirkung hatte der JAK1/2-Inhibitor Tofacitinib, den das Team eingesetzt hatte, da die Januskinasen (Jak) unterhalb der Interferonrezeptoren Teil der Signalkette des Autoimmunangriffs sind.

Nachdem Tofacitinib bei den Tieren eine Alopecia areata verhindert hatte und die topische Behandlung zu einem Haarwachstum an den kahlen Stellen führte, sahen Christiano und Clynes den Zeitpunkt für den Beginn einer klinischen Studie gekommen. Insgesamt 12 Patienten nehmen derzeit im Rahmen einer Pilotstudie über 12 bis 24 Wochen zweimal täglich 20mg Ruxolitinib ein. Bei den ersten drei Patienten hat der aktuellen Publikation zufolge der Haarwuchs die vormals kahlen Stellen bereits mit einem dichten Haarwuchs überdeckt.

Tofacitinib ist in Deutschland seit September 2012 auf dem Markt. Der Wirkstoff ist zur Behandlung der Myelofibrose zugelassen. Die klinischen Studien (COMFORT 1 und 2) haben gezeigt, dass der Wirkstoff nicht gerade frei von Nebenwirkungen ist. Am häufigsten kommt es laut der Fachinformation zur Thrombozytopenie und zur Anämie. Daneben sind aufgrund eines Abbaus durch die Enzyme CYP3A4 und CYP2C9 in der Leber eine Reihe von Wechselwirkungen durch CYP2C9- und CYP3A4-Inhibitoren zu beachten. Ob sich Tofacitinib deshalb zur Behandlung einer Dermatose eignet, bleibt abzuwarten.

Das gleiche gilt für den in Deutschland derzeit noch nicht zugelassenen Jak1/2-Inhibitor Tofacitinib, zu dem die Dermatologen der Yale Universität ebenfalls eine Pilotstudie bei der Alopecia areata begonnen haben. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #66044
finthen123
am Dienstag, 19. August 2014, 10:38

Falsche Bezeichnung

Im vorletzten Abschnitt wurden die Stoffbezeichnungen vertauscht:

Tofacitinib ist in Deutschland seit September 2012 auf dem Markt. Der Wirkstoff ist zur Behandlung der Myelofibrose zugelassen.

Es muss heißen: Ruxolitinib, nicht Tofacitinib!!!!

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