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Medizin

Ebola: Blutserum von Überlebenden und Interferone als mögliche Therapie

Dienstag, 19. August 2014

Ebola-Virus /dpa

Genf – Nach den jüngsten Zahlen der Welt­gesund­heits­organi­sation sind bisher 2,240 Menschen in Westafrika Ebola erkrankt, insgesamt 1,229 sind gestorben. Die Über­lebenden könnten, so die Überlegungen von Experten, zu Fabrikanten für Arzneimittel gegen die tödliche Virusinfektion werden. Zu den aktuell diskutierten Optionen gehören eine passive Immuntherapie mit dem Serum der Überlebenden und eine Behandlung mit Interferonen.

Antikörper sind eine effektive Therapie gegen Virusinfektionen. Möglicherweise verdanken ihnen die beiden Amerikaner, die sich derzeit in einer Isolationsstation in Atlanta von ihrer Ebolaerkrankung erholen, das Leben. Beide, der Arzt Kent Brantly und die Missionarin Nancy Writebol, waren bekanntlich mit dem experimentellen Präparat ZMapp behandelt worden, einer Mischung aus drei gentechnisch hergestellten monoklonalen Antikörpern. Da ZMapp in Tabakpflanzen hergestellt wird, stehen größere Mengen frühestens nach der nächsten Ernte zur Verfügung.

Die notwendigen Antikörper müssen jedoch nicht aufwändig gentechnisch produziert werden. Sie sind längst in Afrika vor Ort verfügbar, und zwar im Blut der Menschen, die die Infektion dank eines starken Immunsystems (oder weil sie Glück hatten) überlebt haben. Ihr Blut enthält größere Mengen der protektiven Antikörper und wie es heißt, hatte Brandly, bevor er mit ZMapp behandelt wurde, eine Bluttransfusion von einem 14-jährigen Rekonvaleszenten erhalten.

Er war damit nicht der erste Patient, bei dem diese passive Immunisierung versucht wurde. Im November 1976 hatte sich in einem Militärlabor bei Salisbury in England ein Laborarbeiter beim Umgang mit Ebolaviren durch eine Nadelstichverletzung infiziert. Als er eine Woche später Fieber entwickelte, wurde er zunächst mit Interferonen behandelt, wonach das Fieber zunächst nachließ.

Als es zu einem Rückfall kam, erhielt er am dritten Erkrankungstag 450 Milliliter eines Serums, das die Forscher bei einer früheren Ebola-Epidemie in Zaire von Überlebenden gewonnen hatten. Der Arbeiter erholte sich vorübergehend. Als die Symptome zurückkehrten, wurde er drei Tage später mit 330 ml eines Serums aus dem Sudan behandelt, das von einem anderen Rekonvaleszenten stammte. Vier Tage später hatte er sich, möglicherweise mit der Unterstützung der einsetzenden eigenen Antikörperproduktion von der Erkrankung erholt. Ein Bericht zur Behandlung wurde im Jahr darauf im Britischen Ärzteblatt (BMJ 1977; 2: 541-544) veröffentlicht.

Im Jahr 1995 wurden erneut Bluttransfusionen erfolgreich eingesetzt. Damals war es in Kikwit etwa 540 km südöstlich von Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo, zu einer Ebola-Epidemie mit 316 bestätigten Erkrankungen gekommen, von denen 249 starben. Zu den wenigen Überlebenden gehörten sieben von acht Patienten, die vor Ort Bluttrans­fusionen von fünf Spendern erhalten hatten, die die Erkrankung gerade überlebt hatten.

Bei den Spendern lag der Krankheitsbeginn 37 bis 65 Tage zurück. Die Empfänger erhielten an den Tagen 4 bis 15 ihrer Erkrankung zwischen 150 und 450 Milliliter Blut. Bis auf einen Patienten überlebten alle die schwere Ebola-Erkrankung, wie Robert Colebunders vom Tropeninstitut in Antwerpen später im Journal of Infectious Diseases (1999; 179 Suppl 1: S18–23) berichtete.

Die Fallberichte können die Wirksamkeit der passiven Immunisierung zwar nicht beweisen. Bei anderen tödlichen Viruserkrankungen, etwa der Tollwut, gilt die Therapie jedoch als effektiv (bei der Tollwut aber nur vor Ausbruch der Erkrankung). In China war die Serumtherapie auch bei SARS versucht worden. Für die Weltgesundheits­orga­nisation gehört die Behandlung mit dem Serum von Rekonvaleszenten deshalb zu den möglichen Optionen, die derzeit, wie Science erfahren hat, ganz oben auf der Liste möglicher Therapien steht.

Bereits Ende Juli war geplant worden, Blutspenden von Überlebenden in die USA zu transportieren, um dort an Hochsicherheitslabors Tierversuche durchzuführen. Dazu ist es aber offenbar nicht gekommen. Angesichts einer steigenden Zahl von Todesfällen raten die meisten Experten dazu, auf Tierexperimente zu verzichten. Ob es zu einem Einsatz kommt, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Auch Interferone sind als Option gegen Ebola in der Diskussion. In der Behandlung der Hepatitis C wurden sie lange Zeit mangels Alternative häufig eingesetzt. Ob sie bei Ebola wirken, ist nicht bekannt. Die Immunologin Eleanor Fish von der Universität von Toronto sprach sich letzte Woche Science gegenüber vehement für den Einsatz aus (und die Firma Pharmunion BSV aus der Ukraine soll angeboten haben, 60.000 Dosen kostenlos abzugeben). Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Publikation in Cell Host & Microbe (2014; 16: 187–200). Danach ist die hohe Pathogenität von Ebola auf die Fähigkeit des Virus zurückzuführen, die körpereigene Interferonproduktion zu stoppen. © rme/aerzteblatt.de

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