NewsMedizinEine dem Genotyp angepasste Therapie verbessert das Überleben bei metastasierten Adenokarzinomen der Lunge
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Eine dem Genotyp angepasste Therapie verbessert das Überleben bei metastasierten Adenokarzinomen der Lunge

Dienstag, 19. August 2014

Köln. In der Diagnostik und Therapie des Lungenkarzinoms vollzieht sich ein Paradig­menwechsel. Meist ausgehend von größeren Krebszentren und vernetzten wissen­schaftlichen Institutionen wird nach molekularen Veränderungen gesucht, die Angriffs­punkte für zielgerichtete Medikamente sein können, auch wenn die Substanzen teilweise noch in früher klinischer Prüfung sind oder bei anderen Tumorentitäten getestet werden.

Das US-amerikanische Lung Cancer Mutation Consortium hat an 14 onkologischen Schwerpunkt- und Exzellenzzentren mit Hilfe von Multiplex-Tests bioptisches Material auf zehn für das Tumorwachstum maßgebliche „Treibergene“ untersucht. Die Frage war, wie häufig mindestens eine dieser onkogenen „Treiber“ vorkommt und ob sich das Über­leben durch eine dem Genotyp angepasste Therapie verbessern lässt (JAMA 2014; 311 (19):1998-2006.doi:10.1001/jama.2014.3741).

Zwischen 2009 und 2012 wurden Gewebeproben von 1.007 Patienten mit metastasiertem Adenokarzinom der Lunge auf mindestens eine der 10 „Treibergene“ analysiert und Tumoren von 733 Patienten auf alle zehn Gene. Bei 64 Prozent von ihnen identifizierten die Forscher mindestens ein „Treibergen“: am häufigsten spezifische Änderungen in den Genen KRAS (25 Prozent), EGFR (17 Prozent) und so genannte ALK-Genrearrangements (8 Prozent). Zwei und mehr onkogene „Treiberalterationen“ fanden sich bei drei Prozent der Tumoren.

Anzeige

Bei den 260 Patienten, bei denen eine den -„Treiberalterationen“ entsprechende Thera­pie erfolgt war, betrug das mediane Überleben 3,5 Jahre im Vergleich zu median 2,4 Jahren bei Patienten mit „Treibermuationen“ im Tumor aber ohne eine dem Genotyp angepasste Therapie (n = 318). Der Unterschied war statistisch signifikant (p= 0,006).

Eine auf Multiplex-Tests basierende Genotypisierung von Lungenkarzinomen ist in der Praxis umsetzbar und finanzierbar, so das Fazit der Autoren. Die Methode sei praktika­bel, um Patienten für die zielgerichtete Therapie zu stratifizieren. Die Daten zum Überleben müssten durch randomisierte, prospektive Studien überprüft werden.

Von der Forschung zum Patienten

Wie gelangen Personalisierte Krebstherapien in die Regelversorgung?

Termin: 21. August 2014

Uhrzeit: 17:00 Uhr

Ort:  Uniklinik Köln, Hörsaal 1, Kerpener Str. 62,

50937 Köln, Gebäude 13 / Hörsaal 1

(Zugang über Haupteingang)

Eintritt: frei und offen für alle

Auch in Deutschland gibt es ein Projekt mit Modellcharakter: Das Netzwerk Genomische Medizin, das gemeinsam mit gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rungen neue zielgerichtete Therapien in die Regelversorgung bringen möchte. Durch die Allianz einer Kranken­kasse (AOK Rheinland/Hamburg) mit dem Netzwerk Genomische Medizin der Universität Köln wird es möglich, dass alle bei dieser Krankenkasse versicherten Patienten mit Bronchialkarzinom Zugang zu neuen zielgerichteten Substanzen bekommen.

Das gilt auch für Substanzen, die noch nicht zugelassen, sondern in klinischer Prüfung sind. Voraussetzung ist, dass die behandelnden Ärzte Biopsien vom Tumor an das Netzwerk Genomische Medizin Lungenkarzinom (NGML) am Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) in Köln senden.

Dort wird die Probe am Institut für Pathologie molekularpathologisch untersucht. Danach geben die Ärzte des CIO eine Empfehlung ab, ob und wenn ja mit welchen zielgerichteten Substanzen eine Therapie sinnvoll wäre. Betreut werden die Patienten wohnortnah von niedergelassenen Onkologen oder im Krankenhaus. Das Grundprinzip ist also „zentral testen und dezentral therapieren“. © nsi/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2019
Manchester –Menschen mit einer Psoriasis haben ein leicht erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken und an Krebs zu sterben. Dies kam in einer Meta-Analyse in JAMA Dermatology (2019; doi:
Psoriasis erhöht Krebsrisiko in Meta-Analyse
17. Oktober 2019
Heidelberg – Krebspatienten können vor, während und nach einer onkologischen Behandlung von einer gezielten Bewegungstherapie profitieren. Ein internationales Konsortium unter Beteiligung des
Neue Empfehlungen zur Bewegungstherapie bei Krebserkrankungen
15. Oktober 2019
München – Checkpoint-Inhibitoren wirken sehr gut, aber nur bei etwa einem Drittel der Tumorentitäten. Dafür verantwortlich könnte ein inaktiver Rezeptor in den Tumorzellen sein, der verhindert, dass
Grund für schlechtes Anschlagen von Checkpoint-Inhibitoren gefunden
15. Oktober 2019
Marburg – Der Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg intensiviert seine Partnerschaft mit der Kilimandscharo-Region in Tansania. Dazu beteiligt sich die Hochschule an der Initiative
Neue Klinikpartnerschaft zwischen Uni Marburg und Tansania
8. Oktober 2019
Bremen – Scharfe Kritik an einer Empfehlung im British Medical Journal (BMJ) zum Darmkrebsscreening hat das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) geübt. In dem Beitrag
Präventionsforscher betonen Bedeutung des Darmkrebsscreenings
2. Oktober 2019
Stuttgart – Bis zu drei Prozent der Menschen erkranken im Lauf ihres Lebens an einer Epilepsie. Für bestimmte Formen sind heute ursächliche Genmutationen bekannt. Diese Mutationen führen zur
Personalisierte Therapie bietet neue Ansätze für Epilepsiepatienten
2. Oktober 2019
Berlin – Als hohe Priorität für die nächste Europäische Kommission hat die designierte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides den Kampf gegen Krebs bezeichnet. „Es gibt kaum Familien in Europa,
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER