NewsMedizinXenotransplantation: Schweineherzen überleben in Pavian
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Xenotransplantation: Schweineherzen überleben in Pavian

Mittwoch, 20. August 2014

Bethesda – Genetische Eingriffe in die Spender und eine veränderte Immunsuppression beim Empfänger haben die Überlebenszeiten von Schweineherzen in Pavianen auf mehr als ein Jahr verlängert. Die Studie im Journal of Thoracic and Cardiovascular Surgery (2014; 148: 1106-1114) ist ein wichtiger technischer Fortschritt auf dem Gebiet der Xenotransplantation.

Die Verwendung von Schweineherzen, die dem menschlichen Organ in Größe und Funktion sehr nahe kommen, könnte die Warteliste bei Herztransplantationen auf einen Schlag beseitigen. Doch die Xenotransplantation stößt nicht nur auf ethische Bedenken und Sicherheitsprobleme, sie ist derzeit medizinisch noch nicht möglich. Die biologischen Unterschiede des Menschen zu den infrage kommenden Spezies sind groß, und die Abstoßungsreaktionen fielen in den bisherigen Studien, die alle an Tieren durchgeführt wurden, so heftig aus, dass die Organe in der Regel nach kurzer Zeit verloren gingen.

Um die Kompatibilität zu verbessern, verfolgt die Gruppe um Muhammad Mohiuddin vom Cardiothoracic Surgery Research Program am US-National Heart, Lung and Blood Institute in Bethesda/Maryland zwei Strategien. Zum einen versucht sie, die Antigenität der Organe durch eine genetische Modifikation beim Spender zu vermindern.

Anzeige

So wurde beispielsweise das Gen für die Alpha 1,3-Galaktosidase-Transferase aus dem Genom der Schweine entfernt. Dieses Enzym ist ein wichtiges Angriffsziel für Abstoßungsreaktionen. Die Schweine wurden außerdem mit dem menschlichen Gen für Thrombomodulin ausgestattet. Dieses Protein wird auf der Membran von Endothelzellen gebildet, wo es die Blutgerinnung herabsetzt. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass sich in den Blutgefäßen der Spenderorgane Thromben bilden.

Auf der anderen Seite experimentieren die Forscher mit Anti-CD40-Antikörpern, die die Wirkung konventioneller Immunsuppressiva verstärken sollen. Das Team hat insgesamt vier unterschiedliche Kombinationen an Pavianen getestet, denen die Schweineherzen ins Abdomen transplantiert wurden. Die besten Ergebnisse wurden mit einem chimären Maus-Rhesusaffen-Antikörper erzielt. Die Herzen von Schweinen ohne Alpha 1,3-Galaktosidase-Transferase aber mit Thrombomodulin überlebten länger als 200 Tage. Drei der fünf Tiere hatten das Schweineherz auch ein Jahr nach der Transplantation noch nicht abgestoßen. Für Mohiuddin ist dies ein wichtiger Meilenstein, da die Organüberlebenszeiten in den anderen drei Gruppen nur zwischen 21 und 80 Tagen betrugen.

Die Tiere wurden nach der Transplantation engmaschig überwacht. Bislang gebe es keine Hinweise auf Infektionen oder andere Komplikationen, berichtet Mohiuddin. Der Forscher will im nächsten Schritt die Immunsuppression weiter modifizieren, um die Überlebenszeiten der Organe zu verlängern. Eine Xenotransplantation beim Menschen kommt derzeit auch in klinischen Studien nicht infrage. Vor dem Beginn dürfte es eine öffentliche ethische Debatte geben. Die Sicherheitsanforderungen sind hoch, da über die Organe Krankheitserreger von Schweinen auf den Menschen übergreifen könnten.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
VG Wort
NEWSLETTER