NewsÄrzteschaftHonorarver­handlungen: KBV kritisiert Kassen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Honorarver­handlungen: KBV kritisiert Kassen

Mittwoch, 20. August 2014

dpa

Berlin – Der GKV-Spitzenverband hat zum heutigen Auftakt der Honorarverhandlungen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) die Höhe der bisher erhobenen Forderung kritisiert. „Die Ärztevertreter fordern über 15 Prozent mehr Honorar für 2015. Das entspricht im Durchschnitt einem Honorarplus von 38.000 Euro für jeden Vertrags­arzt und jeden Vertragspsychotherapeuten pro Jahr“, heißt es in einer Presseerklärung der Krankenkassen. „Bei diesen horrenden Forderungen kann man nur ungläubig den Kopf schütteln.“

Die KBV sprach von irreführenden Informationen. „Wir sehen einen Nachholbedarf bei zwei Komponenten“, erläuterte Pressesprecher Roland Stahl. Für die Anpassung des kalkulatorischen Arztlohns fordert die KBV rund drei Milliarden Euro, für die Honorierung bislang nicht vergüteter Leistungen etwa zwei Milliarden Euro. „Jede zehnte Leistung erbringen die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten unentgeltlich. Diese gehen also quasi aufs Haus“, erinnerte Stahl.

Anzeige

KBV-Vorstand Andreas Gassen hatte am Montag darauf hingewiesen, dass der Wert der gesamten ambulant durchgeführten Behandlungen im Jahr 2013 bei 24,8 Milliarden Euro lag, das Budget jedoch lediglich 22,5 Milliarden Euro vorgesehen habe.

Auch die Behauptung, man verlange für „Ärzte in Teilzeit“ sehr viel mehr Geld als bisher, wies die KBV zurück. Ein niedergelassener Arzt, der im Durchschnitt 51 Stunden in der Woche gesetzlich krankenversicherte Patienten behandle, müsse ein mit einem Ober­arzt­gehalt vergleichbares Einkommen erzielen können, hieß es. Dies setzt die KBV mittlerweile bei 133.000 Euro an. Basis der Honorarkalkulation ist aber immer noch ein kalkulatorischer Arztlohn von 105.000 Euro.

Der GKV-Spitzenverband hatte erklärt, die niedergelassenen Ärzte arbeiteten im Schnitt 45 Wochenstunden und verwendeten zudem nur einen Teil ihrer Arbeitszeit dafür, gesetzlich Krankenversicherte zu behandeln: „Einen anderen Teil nutzen sie für die Behandlung von Privatversicherten, um Individuelle Gesundheitsleistungen zu erbringen, um für die Unfallversicherung zu arbeiten.“

Die KBV konterte, dass allein mit den Einnahmen durch die Behandlung von gesetzlich Krankenversicherten allerdings auch keine Einkommen in der Höhe zu erzielen seien, wie der GKV-Spitzenverband es behaupte. Dieser nennt als durchschnittlichen Praxis­überschuss eine Summe von 166.000 Euro.

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) hatte kürzlich aber vorgerechnet, dass allein mit GKV-Honoraren kein Einkommen erreichbar sei, das dem von qualifizierten Ärzten im Krankenhaus entspreche. Nur zwei Drittel des Jahresüberschusses von Vertragsärzten stammten aus der Behandlung gesetzlich krankenversicherter Patienten. „Der vom GKV-Spitzenverband zitierte Reinertrag je Praxisinhaber resultiert zu einem erheblichen Teil aus Privateinnahmen. Er entspricht daher nicht dem, was die gesetzlichen Krankenkassen zahlen“, so das ZI. © Rie/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 21. August 2014, 17:47

"Quatsch mit Soße"?

Neben den bereits beschriebenen fehlenden "Rechenkünsten des GKV-Spitzenverbandes" im Bereich der Grund-Rechenarten hier eine wesentliche Ergänzung.
Denn der Gipfel ist eine von den Kassen beauftragte und mit GKV-Beitragsgeldern bezahlte Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass die Vertrags-Ärztinnen und -Ärzte s e l b s t es sind, die 2 Milliarden Euro einsparen könnten. Wenn, ja wenn sie nur effizienter arbeiten würden?
Dabei könnten viel eher Millionen Euro mit diesem überflüssigen PROGNOS-Gutachten eingespart werden! Aber niemand fragt den GKV-Spitzenverband Bund (SpiBu) der GKV-Kassen, wie viele Millionen Euro er mit völlig überflüssigen oder grob irreführenden PROGNOS-Gutachten bisher schon zum Fenster hinaus geworfen hat? Das SpiBu Spitzengespann Frau Dr. Doris Pfeiffer und Herr Magnus von Stackelberg bzw. die Pressesprecherin Ann Marini würden spitzbübisch darauf hinweisen, dass dies wegen der Klimaanlagen bedingt fest verschlossenen Bürofenster gar nicht möglich sei.
PROGNOS, der Schweizer Wirtschafts- und Beratungsinstitution mit globalem Kompetenz- und Logistik-Anspruch, mangelt es e n t s c h e i d e n d an medizinischem Grundlagenwissen, Basis-Erkenntnissen medizinischer Versorgungsforschung und grundlegenden Kenntnissen von medizinischer Soziologie, Sozialmedizin und medizinischer Psychologie.
Vergleichbar mit der Autoindustrie wird an Stück- und Fallzahlen, dem operativen Geschäft und der Gesamtbilanz gefeilt, um mit PARETO-Prinzipien (mit 50 Prozent Aufwand 80 Prozent der Anforderungen erfüllen, die restlichen 20 Prozent einfach weglassen) die Kosten zu verschlanken ("lean management").
Warum ich mir da so sicher bin? 2012 wedelte Freiherr Johann-Magnus von Stackelberg als stellvertretender SpiBu-Vorstand mit einem untauglichen PROGNOS-Gutachten, um K ü r z u n g e n des bundesweiten Orientierung-Punktwertes um M i n u s 7 Prozent bei allen Vertragsärzten und -Psychotherapeuten durchzusetzen. Dagegen stand eine betriebswirtschaftlich begründete Forderung von Plus 11 Prozent seitens der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Vgl. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51267 und
http://www.springermedizin.de/prognos-gutachten-seltsame-zahlen-tollkuehne-ableitungen/3187080.html
mit dem Titel: "Prognos-Gutachten: Seltsame Zahlen, tollkühne Ableitungen" ... "Das vom GKV-Spitzenverband der Krankenkassen in Auftrag gegebene Prognos-Gutachten, das eine Punktwert a b s e n k u n g bei den gegenwärtigen EBM-Honorarverhandlungen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) einläuten soll, ist in seinen Grundannahmen tendenziös bis manipulativ. Das Prognos-Gutachten von Dr. Ronny Wölbing und Mitarbeitern widerspricht in seinem Tenor dem sozialgesetzlichen Auftrag des GKV-Spitzenverbands"...
Der Gesamtbereich der Medizin bleibt ausgeklammert. Die spezifisch ärztliche Beratung, Untersuchung, Differenzialdiagnostik und konservative bzw. interventionelle Therapie bleiben außen vor. Denn unsere Profession lässt sich nicht allein in Prozess-, Ablauf- und Ergebnisqualität optimieren, rationieren und technisieren.
Die Tätigkeit des Arztes ist a priori unwirtschaftlich, weil sie mit überwiegend unbeeinflussbaren Stellgrößen operieren muss. Gesundheitsschädigendes u n d krankheitsförderndes Patientenverhalten bleibt unreflektiert und durch ordnungspolitische Einfluss- oder Stellgrößen unerreichbar. Hinzu kommen Ängste, Verdrängung, Vermeidungs- und Übersprungs-Handlungen bei Patienten u n d Ärzten bzw. Redundanzen und Reibungsverluste.
Ganz praktisch: Vor 3 Tagen kommt an meinem ersten Arbeitstag nach 3-wöchigem Abenteuer- und Wanderurlaub in Island und Alaska ein langjähriger Patient mit eingestelltem Hypertonus, Schlaf-Apnoe und Adipositas zu mir und berichtet, vor 3 Wochen zu Hause(!) über einen Wäschekorb gestürzt zu sein. Erstversorgung orthopädisch mit Rö-Schädel. Diagnose V. a. Commotio cerebri. Seitdem Leistungsknick, schlurfender Gang re-betont, diskrete Koordinationsstörungen, Zittrigkeit re. Meine Vertretungskollegen werten dies als Commotio-Folgen; von der Arbeit wird der Pat. Montagmittag zu mir geschickt. Eigentlich ungewöhnlicher, atypischer Sturz: Zu Hause fällt man nicht einfache so über einen Wäschekorb (auch wenn ein "Promi" schon mal in eine Wäschekammer mit bekannten Spätfolgen fiel). In der Regel fängt man sich zu Hause in gewohnter Umgebung dann auch ab. Als ich zusätzlich den schlurfenden Gang und den Tremor sah, veranlasste ich sofort ein Schädel-MRT am Folgetag.
Der Radiologe rief mich mit dem Befund eines 22-24 mm großen peritentoriellen Meningeoms und beginnenden Hirndruckzeichen an. Seit heute ist der Pat. stationär in der Neurochirurgie, Klinikzentrum Dortmund (KLIDO).
Das waren also ausführliche Anamnese/Fremdanamnese, neurologisch orientierte Untersuchung, Differenzialdiagnose, Beratung, radiologische Spezialuntersuchung, differenzialdiagnostisches Konsil, Erörterung und Prozeduren-Beratung gemeinsam mit der Ehefrau und die risikoadaptierte Zuführung zu einer adäquaten Therapie: Drainage sofort, klinische Stabilisierung, abwartendes offen lassen, ob OP- oder schnelle Elektronen-/Photonen-Therapie.
Was da abgelaufen ist, lässt sich in k e i n mir bekanntes BWL-Ablaufschema einquetschen. Ein Vorgehen nach dem PARETO-Prinzip hätte den sicheren Tod des Patienten, oder eine Behinderungsperspektive mit erheblicher Teilhabeeinschränkung bedeutet. Und meine Kolleginnen und Kollegen bzw. der Patient hatten ja auch zu 80 Prozent alles richtig gemacht.
Für diesen ganzen Riesen-Aufwand konnte ich im Übrigen bei dem chronisch kranken Patienten (Schlaf-Apnoe) die bisher noch nicht angefallenen HA-EBM-neu Ziffern 03220 und 03221 abrechnen (13,17 plus 4,05 Euro). Wäre das Ganze später im Quartal passiert, hätte ich wohl einfach nur "Pech gehabt".
Ich bitte um nicht nur gastroenterologisches Verständnis, dass ich k e i n Verständnis für das haben kann, was diese "Sessel-Pupser" von PROGNOS da im Auftrag des SpiBu für einen völlig abgedrehten, realitätsfremden "Quatsch mit Soße" verzapft haben.
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #111937
hilland
am Donnerstag, 21. August 2014, 15:05

Rechenkünste des GKV-Spitzenverbandes

Wenn Florian Lanz, Pressesprecher des GKV-Spitzenverbandes, verlautbart, die Honorarforderungen für das Jahr 2015 in Höhe von etwa fünf Milliarden Euro würden einem durchschnittlichen Honorarplus von 38.000 Euro für jeden Vertragsarzt und jeden Vertragspsychotherapeuten pro Jahr entsprechen, stellt sich die Frage, ob lediglich Rechenkünste versagt haben oder Stimmungsmache den Pressesprecher antreibt.

Laut Auszug aus dem Bundesarztregister nahmen zum 31.12.2013 in Deutschland (a) 162.651 Ärzte und psychologische Psychotherapeuten an der vertragsärztlichen Versorgung teil. Weitere (b) 9.752 Ärzte bzw. Psychotherapeuten waren zur Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung ermächtigt, d.h. nach meinen bescheiden Rechenkenntnissen sind:

(a) 162651 x 38.000 € = 6.180.738.000 €, (b) 9.752 x 38.000 € = 370.576.000 € in summa 6.551.314.000 €. Eine Differenz von 1,55 Milliarden Euro scheint zumindest für den Pressesprecher des GKV-Spitzenverbandes eher zu den Peanuts zu zählen.
Avatar #103205
Patroklos
am Donnerstag, 21. August 2014, 15:01

Neue Schlacht.

Es nervt!
Jedes Jahr werden neue Argumente für höhere Honorare aus der kreativen Kiste geholt. Diesmal sind es:
---Orientierung am Oberarztlohn
---Bezahlung fiktiver nicht finanzierter Arztleistungen
---Finanzierung von Geräten in einer Hausarztpraxis

Alles soll auf Kosten der GKV- Versicherten mit einem Zusatzbetrag von insgesamt 5Mrd. € finanziert werden. Das macht pro zahlendem Versicherten mehr als 100€ Mehrbeitrag pro Jahr!!!
Für jeden Niedergelassenen(Arzt und Psychotherapeuten) macht das einen durchschnittlichen Mehrumsatz von ca. 38000€ pro Jahr.

Man kann es auch Umverteilung von Unten nach Oben nennen. Hoffentlich werden nicht wieder Patienten als Fußtruppen benutzt, um die eigenen Ziele durchzusetzen.
Avatar #675503
Widerstand
am Donnerstag, 21. August 2014, 12:32

Geld, Geld, Geld...

Sage mir wieviel du zahlen willst und ich sage dir wie lange du noch zu leben hast.
LNS

Nachrichten zum Thema

23. August 2019
Berlin – Die diesjährige Verhandlungsrunde zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband über die Honorare der niedergelassenen Ärzte sowie Psychotherapeuten ist nach
Vertragsärzte und Kassen einigen sich auf Honorarsteigerung von etwa 565 Millionen Euro
15. August 2019
Berlin – Seit gestern verhandeln Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Krankenkassen wieder über die Honorare der Niedergelassenen für das kommende Jahr. Auf der Agenda des ersten Tages standen
Honorarverhandlungen kommen nur schwer in Gang
5. Juli 2019
Berlin – Die Beobachtung und Betreuung von Patienten mit multipler Sklerose bei der Gabe des Medikaments Fingolimod wird seit dem 1. Juli vergütet. Der Bewertungsausschuss hat dafür eine neue Leistung
Bewertungsausschuss regelt Vergütung für Behandlung mit Fingolimod
5. Juli 2019
Berlin – Bei der Plausibilitätsprüfung von Honorarabrechnungen werden für bestimmte psychotherapeutische Leistungen nun niedrigere Zeiten im Tagesprofil angesetzt. Wie die Kassenärztliche
Zeiten für Plausibilitätsprüfung bei Psychotherapeuten angepasst
4. Juli 2019
Luxemburg – Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat die deutsche Honorarordnung für Architekten und Ingenieure gekippt. Die entsprechende Regelung verstoße gegen EU-Recht, befanden die Luxemburger
Bundesärztekammer erwartet nach Urteil zur Honorarordnung für Architekten keine Auswirkungen auf GOÄ
4. Juli 2019
Berlin – Um die Verwendung von Strafzahlungen von Ärzten, die sich nicht fristgerecht haben an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) anschließen lassen, ist eine weitere Debatte zwischen Vertretern von
Debatte über Strafzahlungen wegen fehlenden Anschlusses an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur
28. Juni 2019
Berlin – In der vergangenen Woche hatten sich Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband auf Eckpunkte zur Umsetzung des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) verständigt.
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER