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Medizin

Europa: Krebs überflügelt Herz-Kreislauf-Erkran­kungen als Todesursache

Mittwoch, 20. August 2014

dpa

Oxford – Die Zahl der kardiovaskulären Todesfälle ist in vielen Ländern Europas gesun­ken. In zehn Ländern sterben heute mehr Männer an Krebs als an Schlaganfällen, Herzinfarkten oder anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in einem Land wurde dieser Punkt auch bei Frauen erreicht. Alle Länder befinden sich in Westeuropa. In Osteuropa ist die Situation laut einer Studie im European Heart Journal (2014; doi: 10.1093/eurheartj/ehu299) weitaus ungünstiger.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen lassen sich leichter vermeiden als Krebs. Die meisten Risikofaktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel oder Adipositas sind vermeidbar, andere wie hoher Blutdruck und hohe Cholesterinwerte können gut behandelt werden. Offenbar gelingt dies den Menschen in Westeuropa weitaus besser als in Osteuropa. Anders sind die nach wie vor großen West-Ost-Unterschiede nicht zu verstehen, die Melanie Nichols vom Centre on Population Approaches for Non-Communicable Disease Prevention an der Universität Oxford ermittelt hat.

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So ist die alters-bereinigte kardiovaskuläre Sterblichkeit in Russland sechsmal höher als im Westen. Dort ist das Risiko eines 55- bis 60-Jährigen Menschen am Herzinfarkt zu sterben höher als für einen 20 Jahre älteren Menschen in Frankreich. Frankreich gehört mit Belgien, Dänemark, Israel, Luxemburg, den Niederlanden, Portugal, Slovenien, Spanien und San Marino zu den zehn Ländern, in denen mehr Männer an Krebs als an Herzkreislauferkrankungen sterben. In einem Land, Dänemark, wurde der Wendepunkt auch bei den Frauen erreicht.

Anders als weithin empfunden, sterben Frauen häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Männer. Der Anteil an allen Todesfällen liegt bei ihnen bei 51 Prozent, während es bei Männern nur 42 Prozent sind. Der Unterschied ist laut Nichols vor allem auf Schlagan­fälle zurückzuführen. Der Anteil der tödlichen Herzinfarkte ist mit 20 Prozent bei Männern und 21 Prozent bei Frauen in etwa gleich.

Insgesamt sterben in Europa pro Jahr vier Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Erkran­kungen (1,9 Millionen Männer und 2,2 Millionen Frauen). Darunter waren 1,8 Millionen Todesfälle durch koronare Herzkrankheiten (zumeist Herzinfarkt), eine Million durch zerebrovaskuläre Erkrankungen (Schlaganfall) und 1,2 Millionen durch andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

© rme/aerzteblatt.de

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