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Ausland

Schweiz: Fälle von assistiertem Suizid haben sich in drei Jahren verdoppelt

Donnerstag, 21. August 2014

Zürich – Die Zahl der Menschen, die in die Schweiz reisen, um dort einen sogenannten assistierten Suizid in Anspruch zu nehmen, hat sich innerhalb von drei Jahren ver­doppelt. Das berichten Autoren um Saskia Gauthier vom Institut für Rechtsmedizin in Zürich. Ihre Untersuchung ist im Journal of Medical Ethics erschienen (doi:10.1136/medethics-2014-102091). Deutsche und Engländer sind laut der Erhebung die beiden größten Gruppen unter den ausländischen „Selbstmordtouristen“, wie die Autoren sie bezeichnen. Rund die Hälfte von ihnen litt unter neurologischen Erkran­kungen wie Parkinson und multipler Sklerose.

Die Forscher diskutieren, ob das Phänomen des „Selbstmord-Tourismus“ in Deutsch­land, Großbritannien und anderen Ländern eine Diskussion über Sterbehilfe angeregt hat. Diese Diskussion könnte gegebenenfalls zu einem Umdenken und zu Gesetzes­änderungen im  Umgang mit der Sterbehilfe in diesen Ländern führen, erwägen die Autoren.

In Deutschland wird seit längerem über eine gesetzliche Neuregelung der Sterbehilfe diskutiert. Aktive Sterbehilfe, die sogenannte Tötung auf Verlangen, ist in der Bundes­republik verboten. Beihilfe zur Selbsttötung ist dagegen straffrei. Nach der Sommerpause will der Bundestag über ein Verbot der gewerbsmäßigen Sterbehilfe debattieren. Für Aufregung sorgte Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) Mitte August mit einem liberalen Vorschlag: „Ich meine, dass der ärztlich assistierte Suizid am Lebensende zweifelsfrei ohne Strafe möglich sein muss“, sagte Hintze dem Magazin Der Spiegel.

Die Ärzteschaft dagegen lehnt jede Form von Sterbehilfe ab. Zuletzt hatte sich der Deutsche Ärztetag erneut für ein Verbot der organisierten, geschäfts- und gewerbsmäßigen Sterbehilfe ausgesprochen. „Wer Ärzte an 'qualitätsgesicherten, klinisch sauberen' Suiziden beteiligen will, verwischt die Grenzen zur Tötung auf Verlangen und zur Euthanasie“, sagte der Präsident der Bundes­ärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery jetzt gegenüber dem Focus.

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betonte der BÄK-Präsident, die moderne Pallia­tiv­medizin und Hospize böten auch Schwerkranken viele Möglichkeiten, ihr Leben schmerz­los und würdevoll zu Ende zu leben. „Am Ende gäbe es noch eine Abrechnungs­ziffer für Beihilfe zum Selbstmord. Nein, das ist Tötung auf Verlangen, und die ist falsch, sie verstößt gegen ärztliche Ethik“, stellte der BÄK-Präsident klar.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies daraufhin, dass laut der Schweizer Studie viele Menschen den Suizid wählten, die noch Jahre Lebenszeit vor sich hätten. Die Studie mache deutlich, dass der Suizid-Sog offenbar ganz andere Ursachen habe, als die Befürworter der organisierten Suizidbeihilfe mit drastischen Krankheitsbildern glau­ben machen wollten, sagte der Vorstand der Stiftung, Eugen Brysch der Neuen Osna­brücker Zeitung. „Es sind vielmehr die Ängste vor Fremdbestimmung, Abhängigkeit und Pflegebedürftigkeit, die die Menschen in den Suizid treiben“, betonte er.

Die Schweizer Forscher um Gauthier hatten für ihre Studie die Datenbank des Instituts für Rechtsmedizin in Zürich ausgewertet. Danach sind zwischen 2008 und 2012 611 Menschen in die Schweiz gereist um dort einen assistierten Suizid in Anspruch zu nehmen. Sie waren zwischen 23 und 97 Jahre alt, das Durchschnittsalter lag bei 69 Jahren. 58,5 Prozent von ihnen waren Frauen. 268 der 611 erfassten „Selbstmord­touristen“ waren Deutsche, 126 waren Engländer. Danach folgen Franzosen (66 Personen) und Italiener (44 Personen). © hil/aerzteblatt.de

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