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Medizin

Magenkrebs: Vagotomie und Botox könnten Tumorwachstum verlangsamen

Freitag, 22. August 2014

New York – Die Blockade des Nervus vagus könnte das Tumorwachstum bei Magenkrebs verlangsamen. Dies zeigen tierexperimentelle Studien in Science Translational Medicine (2014; 6: 250ra115), in denen die Chirurgen neben einer Vagotomie auch die Injektion von Botulinumtoxin zur Behandlung einsetzten.

Solide Tumoren enthalten nicht nur Blutgefäße, die die Krebszellen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. In vielen Tumoren finden sich auch Nervenfasern, die nach Ansicht von Timothy Wang von der Columbia University in New York ebenfalls eine unterstützende Rolle für das Krebswachstum haben. Um diese Hypothese zu prüfen, hat das Team, dem auch Mediziner der Technischen Universität München angehören, eine Reihe von Experimenten an Mäusen mit Magenkrebs durchgeführt.

Der Magen wird bekanntlich vom Nervus vagus innerviert. Der Neurotransmitter ist Acetylcholin, dessen Freisetzung Botulinumtoxin blockiert. Botox-Injektionen in die Magenwand haben deshalb die gleiche Wirkung wie eine Vagotomie.

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Beide Methoden haben in den drei unterschiedlichen Mäusemodellen die Inzidenz von Magenkrebs vermindert und das Wachstum der Tumore verlangsamt. Bei einer einsei­tigen Vagotomie trat die Wirkung laut Wang nur auf der behandelten Seite auf. In wei­teren Experimenten verstärkten die Vagotomie und die Injektion von Botulinumtoxin die Wirkung einer Chemotherapie. Die Injektion von Botox hat Wang zufolge die Überle­bensrate von Mäusen mit Magenkrebs unter einer Chemotherapie um bis zu 35 Prozent verbessert.

Eine ähnliche Wirkung wurde durch eine Blockade des muskarinischen Acetylcholin­rezeptors erzielt. Auch Mäuse, denen das Gen für den Rezeptor fehlte, waren vor Magenkrebs geschützt. Die Forscher konnten die Wirkung in In-vitro-Experimenten auf den Wnt-Signalweg zurückführen, der durch die Nervensignale des Nervus vagus stimuliert wurde.

Wang ist sicher, dass die Erkenntnisse klinisch relevant sind. Er verweist auf eine Gruppe von 37 Patienten, bei denen es nach einer Operation zu einem Rezidiv des Magenkrebs gekommen war. Von den 13 Patienten, bei denen während der Operation auch eine Vagotomie durchgeführt wurde, seien die Rezidive bis auf einen bei allen Patienten an Orten aufgetreten, die nicht vom Vagus getrennt waren. Bei den 24 Patienten ohne Vagotomie habe es eine solche regionale Verteilung der Rezidive nicht gegeben.

Die an der Studie beteiligten norwegischen Mediziner haben bereits die Konsequenzen aus der Studie gezogen. Am St. Olavs Hospital in Trondheim wurde eine offene Phase 2-Studie begonnen. Patienten mit nicht resezierbarem Magenkrebs erhalten über ein Gastroskop Botox-Injektionen in den Tumor und seine Umgebung. © rme/aerzteblatt.de

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