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Politik

Vier neue Chronikerprogramme in Arbeit

Freitag, 22. August 2014

Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) wird für vier Krankheitsbilder prüfen, ob sie sich für die Entwicklung neuer strukturierter Behandlungsprogramme eignen. Dabei handelt es sich um rheumatoide Arthritis, chronische Herzinsuffizienz, Osteoporose und Rückenschmerz. Den Beschluss fasste der G-BA gestern in Berlin. Im Februar hatte er dazu aufgerufen, Vorschläge für weitere für Disease-Management-Programme (DMP) geeignete chronische Krankheiten einzureichen. 31 Vorschläge gingen ein.

„Wichtigstes Ziel der DMP ist die Verbesserung der medizinischen Versorgung von chronisch kranken Patientinnen und Patienten durch eine interdisziplinär und multi­professionell abgestimmte, sektorenübergreifende Strukturierung der Behandlung. Die vier nun ausgewählten Krankheiten erfüllen die gesetzlich geforderten Kriterien zur Entwicklung strukturierter Behandlungsprogramme in besonderem Maße“, betonte Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied im G-BA und Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses.

Leitlinienrecherche führt das IQWiG durch
Klakow-Franck verwies darauf, dass die Aufnahme der Beratungen zu einer Krankheit nicht zwangsläufig die Entwicklung eines strukturierten Behandlungsprogramms zur Folge habe. Diese werde von der Leitlinienrecherche und anschließenden Beratungen abhängen. Mit der Leitlinienrecherche für alle vier Erkrankungen hat der G-BA das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beauftragt.

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Aus der Auswahl lässt sich nicht schließen, dass weitere Vorschläge für DMP nicht geprüft werden. Man werde weiterberaten, welche Vorschläge für ein strukturiertes Behandlungsprogramm angenommen werden sollten, betonte Klakow-Franck. Franziska Diel, Leiterin des Dezernats Sektorenübergreifende Qualitätsförderung und –darstellung bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, verwies in diesem Zusammenhang auf die gesetzlichen Vorgaben für die Auswahl von strukturierten Behandlungsprogrammen.

Sie sehen unter anderem vor, chronische Krankheiten auszuwählen, für deren Therapie ein hoher finanzieller Aufwand entsteht und für die bereits evidenzbasierte Leitlinien verfügbar sind. Daran habe man sich orientiert, betonte Diel. Man müsse schließlich bedenken, welchen Aufwand ein neues DMP in der Umsetzung und später in der Aktualisierung bedeute.

Kein DMP für Depressionen
Dass Depressionen nicht in die Auswahl möglicher neuer DMP-fähiger Erkrankungen aufgenommen wurden, begründete Klakow-Franck damit, dass der G-BA gerade die Psychotherapie-Richtlinie überarbeite. Das Ergebnis solle man besser abwarten. Doris Pfeiffer, Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, verwies auf einen weiteren Aspekt: Das Gesetz sehe vor, dass im Fall von DMP der Krankheitsverlauf durch Eigeninitiative der Versicherten beeinflussbar sei.

Beim Vorschlag Depressionen hätten aber selbst die Initiatoren eingeräumt, dass es keine evidenzbasierten Schulungsprogramme gebe. Auch dies sei ein Grund gewesen, warum man sich gegen einen DMP-Beratungsauftrag entschieden habe. „Damit ist aber mitnichten gemeint, dass es keine Versorgungsprobleme gibt“, stellte Pfeiffer klar. Für deren Lösung sei aber wohl kein DMP geeignet.

Patientenorganisationen begrüßen die Beschlüsse
Patientenorganisationen lobten die Beschlüsse zu vier Erkrankungen. „Neben der Aufnahme der Beratungen über chronische Herzinsuffizienz und Osteoporose begrüßen wir insbesondere, dass nun eine spürbare Verbesserung der Versorgung bei Rheuma und Rückenschmerz in greifbare Nähe rückt“, sagte der Sprecher der Patienten­vertretung im zuständigen G-BA-Unterausschuss, Fabian Székely.

Beim chronischen Rückenschmerz gehe es darum, dass leitliniengerecht nicht allein Medikamente, sondern auch weitere Behandlungsformen und Maßnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung stärkere Beachtung fänden. Bei der rheumatoiden Arthritis solle man im Rahmen eines zukünftigen DMP durch eine effiziente Aufgaben­verteilung zwischen Haus- und Fachärzten Diagnosen beschleunigen, unnötige Wartezeiten vermeiden und eine fachgerechte Behandlung ermöglichen, ergänzte die Patientenvertreterin Helga Germakowski. © Rie/aerzteblatt.de

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