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Ärzteschaft

Normung medizinischer Leistungen: „Eine der größten Bedrohungen des Kammersystems“

Freitag, 22. August 2014

Frank Ulrich Montgomery

Rankfurt/M. – Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer hat die laufenden Vorstöße zur Normung medizinischer Dienstleistungen auf europäischer Ebene als „eine der größten Bedrohungen des Kammersystems seit langem“ kritisiert. Über einen Umweg versuche die EU-Kommission Einfluss auf die Berufsausübung der Ärzte und langfristig auf die aller Freien Berufe in Europa zu nehmen, sagte Frank Ulrich Montgomery am 20. August bei einem Vortrag in der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen in Frankfurt am Main.

Eigentlich gebe der Lissaboner Vertrag den Mitgliedstaaten das Recht, das Gesund­heits­­wesen und die medizinische Versorgung der Bevölkerung eigenverantwortlich zu gestalten: „Dieses Recht wird durch die Hintertür ausgehebelt.“

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Die Bundes­ärzte­kammer werde alles daran setzen, „dass wir zumindest in Deutschland weiter in unseren beruflichen Zusammenschlüssen – Kammern und Kassenärztlichen Vereinigungen –die Definitionshoheit über die ärztliche Berufsausübung behalten“, beton­te Montgomery. Sowohl das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium als auch die Gesund­heits­­ministerkonferenz der Länder habe man bereits für das Problem sensibilisieren und vom ärztlichen Standpunkt überzeugen können. Beim Bundeswirtschaftsministerium sei dies allerdings ungleich schwerer.

Ihm werde „Angst und Bange“, wenn er höre, dass sich die Ingenieure des Europäischen Komitees für Normung (CEN) mit Verhaltensmaßregeln und ethischen Rahmen­­bedingungen im Gesundheitswesen beschäftigten, unterstrich Montgomery.

Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer rief die anwesenden Ärztinnen und Ärzte auf, sich vehement bei ihren Ministerien und den für Normung zuständigen Institutionen dafür einzusetzen, Normierungen ihrer Tätigkeiten zu verhindern. Juristisch gegen die Normung von Gesundheitsdienstleistungen vorgehen könne man wohl erst, wenn ein Gesetz vorliege, das explizit gegen den Vertrag von Lissabon aus dem Jahr 2009 verstoße.

Seit Ende 2010 arbeitet das CEN gemeinsam mit 33 nationalen Instituten – in Deutsch­land ist es das Deutsche Institut für Normung (DIN) – an einem Standard für ästhetische Chirurgie. Bisher haben sich CEN und DIN vorwiegend damit beschäftigt, technische Standards zu setzen, etwa für USB-Sticks oder Handystecker. Jetzt soll erstmals eine Norm geschaffen werden, die sich auf die Ausübung der Medizin bezieht, indem sie Qualifikations- und Qualitätsstandards für ästhetisch-chirurgische Eingriffe vorgibt. Neben der für ästhetische Chirurgie werden zurzeit auch Normen für Homöopathie, Osteopathie und zur Behandlung der Kiefer-Gaumenspalte erarbeitet.

Normung medizinischer Dienstleistungen: Kammer kritisiert Übergriffe Europas

Das Europäische Komitee für Normung will im Juni einen Standard für die ästhetische Chirurgie beschließen. Die Bundes­ärzte­kammer lehnt das ab. Befugnisse der Ärzteschaft im Berufs- und Weiterbildungsrecht würden damit beschnitten. Wieder einmal sorgt die Schönheitschirurgie für Diskussionen.

Solche Normen würden in „erhebliche rechtliche Konkurrenz“ zu Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer und den Berufsordnungen der Ärztekammern treten, betonte Montgomery. Schließlich seien in Deutschland die Ärztekammern für die Definition fachärztlicher Standards in den Weiter­bildungs­ordnungen zuständig. In den medizinischen Fachgesellschaften würden zudem qualitativ hochwertige  medizinische Leitlinien entwickelt.

„Natürlich haben unsere Richtlinien und Leitlinien einen höheren Stellenwert als eine DIN-Norm, zumal die Teilhabe an der Norm freiwillig ist, dennoch würde ich Ärzten empfehlen, sich entsprechend zertifizieren zu lassen“, betonte Montgomery. Denn es bestehe die Gefahr, dass sich Gerichte in Haftungsprozessen auf die Anwendung solcher Normen beziehen könnten: „Das ist dann die normative Kraft des Faktischen“. © JF/aerzteblatt.de

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Avatar #612077
EEBO
am Samstag, 23. August 2014, 12:52

Dem geschätzten Vorkommentator muß ich leider widersprechen!

Denn NATÜRLICH ist es von enorm wichtigen Interesse, Homöopathie und Osteopathie zu normen (NB: Wenn ich meine nicht vorhandenen Altgriechischkenntnisse zusammenkratze, dann komme ich auf Übersetzungen dieser Begriffe, wie: Leiden am Gleichen und: Knochenleiden, vgl. Chondropathie.): Es geht hier um so relevante Dinge, wie die Frage, ob der Potenzierungsvorgang durch Schütteln oder Rütteln erfolgen sollte, ob Hand- oder Motorkraft oder eine von ein paar europäischen Eseln getriebene Tretmühle eingesetzt werden dürfen, ob es ethisch zulässig ist, Hoch- oder Niedrigpotenzen zu rezeptieren, ob die Fallhöhe des Therapeuten bei osteopathischen Kniffen und Tricks geistig und körperlich eingehalten wird etc. pp.

Nein, es ist nicht zu viel verlangt, den fleißigen Heinzelmännchen von CEN und DIN dies abzuverlangen, würden sie doch sonst ziemlich rasch arbeitslos, ihre Kinder würden vor Hunger Klimmzüge am Küchentisch machen, bevor sie entkräftet zusammenbrächen, TRAGISCH!!

Nicht zuletzt: Wenn es gelingt, USB-Sticks, Steckdosen, Papier- und Briefumschlagformate zu normen, dann sehe ich hier eine große Zukunft: Denn noch ist der Mensch nicht genormt, so daß die Normung ästhetisch-chirurgischer Eingriffe schon schwierig ist - daher: Lasset uns einen genormten Menschen schaffen nach unserem Bilde! - doch wir verirren uns...
Avatar #555822
j.g.
am Freitag, 22. August 2014, 22:27

CEN-Normierung

Durch Normierungsversuche von Osteopathie und Homöopathie hat sich die CEN selbst disqualifiziert, vorab möge sie doch - zum Üben - Praktiken der Metaphysik in eine Norm gießen.
Nachsatz: 'Osteopathie' ist noch weniger als Gesundbeten.
LNS

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