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Ärzteschaft

Gassen kritisiert Forderungen nach befristeter Zulassung für Ärzte

Freitag, 22. August 2014

Berlin – Als niederlassungsfeindlich hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, Forderungen des GKV-Spitzenverbandes bezeichnet, Zulassungen langfristig nur noch auf Zeit zu erteilen. Wenn Zulassungen nur noch befristet vergeben würden, könne niemand erwarten, dass sich irgendwo über­haupt noch ein Arzt niederlasse, sagte Gassen in einem Video-Interview der KBV.

Gassen wies auf das große finanzielle Risiko hin, dass Ärzte mit dem Aufbau einer Praxis eingehen. Den Ärzten dann nach drei, fünf oder auch sieben Jahren sagen zu wollen, jetzt könnten sie wieder gehen, sei eine Zumutung, kritisierte er. Hinzu komme, dass sich die hohen Investitionskosten in einem so kurzen Zeitraum nicht amortisieren könnten.

Der GKV-Spitzenverband hatte bereits Ende 2013 in einem Positionspapier zu Reformen bei Sicherstellung und Vergütung auch für befristete Zulassungen plädiert. In dem Reformpapier heißt es, es müsse „möglich sein, die Zulassung mit konkreten Versorgungsaufträgen zu verbinden und damit eine qualitative Ausrichtung des Versorgungsangebotes vorzugeben. Daneben müssen Versorgungsaufträge nach Beendigung einer Zulassung inhaltlich angepasst werden können, wenn dies für die Versorgung der Patienten erforderlich ist.“

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Zeitliche Befristungen von Zulassungen spielen auch eine Rolle in einem neuen Konzept der Arztsitzvergabe, das der Vorstandsvorsitzende der KV Brandenburg, Hans-Joachim Helming, Anfang der Woche vorgestellt hat. In seinem Modell einer sogenannten versorgungs­auftragsbasierten Arztsitzvergabe würde der Versorgungsbedarf der Bevölkerung im auszuschreibenden Gebiet so realistisch wie möglich inhaltlich beschrieben, und zwar auch im Hinblick auf die Anforderungen der folgenden zehn bis zwanzig Jahre.

Möglicherweise, so Helmings Erwartung, würden sich bei einem solchen Ansatz der Bedarfsplanung junge Ärztinnen und Ärzte auch eher als heute dafür entscheiden, die ambulante Versorgung in dünn besiedelten Regionen mit alter Bevölkerung in einer eigenen Praxis zu übernehmen.

Grundsätzlich sind bei dieser Form der Ausschreibung auch zeitliche Befristungen denkbar. Sie sollten nach Auffassung des Brandenburger KV-Vorstands allerdings dazu dienen, Ärzte überhaupt für eine Niederlassung in solchen Gegenden zu motivieren, nicht aber dazu, eine formal festgestellte Überversorgung  an anderer Stelle abzubauen. Aus den Vorschlägen Helmings lässt sich zudem ableiten, dass die Krankenkassen eine solche befristete Versorgung entsprechend besser honorieren müssten. © Rie/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 24. August 2014, 11:06

Befristete Zulassungen ist Realsatire

Die Vorsitzende des Spitzenverbandes Bund (SpiBu) der Krankenkassen in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV), Frau Dr. Doris Pfeiffer, hatte sich in der Neuen Osnabrücker Zeitung dafür ausgesprochen, Zulassungen für eine vertragsärztliche Niederlassung "langfristig nur noch auf Zeit" zu erteilen. Das ist auch unter Beachtung differenzialdiagnostischer Erwägungen zweifellos Realsatire.

In der aufgeheizten Debatte um "Arztlohn", Praxisumsatz, Niederlassungs- und Versorgungssicherheit, Nachwuchssorgen, Versorgungslücken oder Überversorgung, Honorar-Ungerechtigkeit und Konvergenz nimmt diese Attacke der SpiBu-Vorsitzenden groteske Züge an. Die sogenannte vertragsärztliche "Zulassung auf Zeit", mit der den Kolleginnen und Kollegen jegliche Lebens-Planungs-Möglichkeiten genommen werden sollen, setzt dem immerwährenden SpiBu-Vertragsärzte-"Bashing" die Krone auf.

2012 wedelte Freiherr Johann-Magnus von Stackelberg als stellvertretender SpiBu-Vorstand mit einem untauglichen PROGNOS-Gutachten, um K ü r z u n g e n des bundesweiten Orientierung-Punktwertes um M i n u s 7 Prozent bei allen Vertragsärzten und -Psychotherapeuten durchzusetzen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung KBV setzte dagegen eine Forderung von Plus 11 Prozent. http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51267

Frau Dr. Pfeiffer kann sich doch nicht in der Neuen Osnabrücker Zeitung darüber aufregen: "Denn sonst lassen sich Ärzte nach wie vor in überversorgten und vermeintlich attraktiveren Regionen nieder und nicht in Gegenden, wo sie gebraucht werden": Aber zugleich dies mit seit Jahren konzertierten SpiBu-Aktionen konterkarieren, die eigentlich nur Eines zum Ziel haben: Die vertragsärztliche Versorgung und den Berufseinstieg für niederlassungswillige Kolleginnen und Kollegen so unattraktiv wie nur irgend möglich zu machen. Das ist Realsatire in Reinkultur.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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