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Deutsche Medizin­studierende bauen Ebola-Isolations­station in Sierra Leone

Freitag, 22. August 2014

Nicolas Aschoff, Simon Scheiblhuber und Till Eckert (v.l.) mit drei Krankenschwestern im Sicherheitsanzug Uni-WH

Witten/Herdecke – Einen unerwarteten Verlauf hat der Aufenthalt dreier Medizinstu­dierender der Universität Witten/Herdecke in Sierra Leone genommen. Geplant hatten sie die Afrikareise lange im Voraus als Fortbildung in Sachen Tropenmedizin. Als sie schließlich aufbrachen, stand das Ebola-Virus noch vor den Grenzen Sierra Leones. Dass es in den vier Wochen ihrer Aufenthalts bis zu ihrem Krankenhaus nach Makeni vordringen würde, hatten sie nicht für möglich gehalten. „Das Virus kam aber immer näher. Wir haben das in den ersten drei Wochen in den Dienstbesprechungen mitbekommen“, erläutert einer der Studierenden, Till Eckert.

Die drei hatten die Wahl: „Wir hätten abreisen oder in einem anderen Teil des Landes einfach Urlaub machen können. Wir haben uns dafür entschieden, zu bleiben und zu helfen“, so Eckert. Dazu entwickelten sie ein Konzept für eine Isolationsstation und setzten es anschließend selbst um. „Da es Probleme mit der Finanzierung gab, haben wir die ersten Materialien als Anschubfinanzierung von unserem eigenen Geld gekauft“, so Eckert.

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So konnten sie schnell mit dem Bau beginnen. Das war auch nötig: „Wir hatten gehofft, vor der Inbetriebnahme noch ein paar Tage Zeit für die Schulung der Ärzte, Kranken­schwestern, Reinigungskräfte und der anderen am Prozess Beteiligten zu haben“, so der Wittener Medizinstudent. Doch daraus wurde nichts: Am Morgen nach der Fertigstellung der Station hatten sie die ersten Fälle im Krankenhaus. Glücklicherweise funktionierte das von ihnen konzipierte Neun-Schritte-System zum sicheren Entkleiden auf Anhieb hervorragend.

Nicolas Aschoff schult die Krankenschwestern und Ärzte

Die Station verfügt über einen reinen Eingang und einen Ausgang. Betreten werden darf sie nur im vollen Schutzanzug, die Desinfektion erfolgt hauptsächlich mit Chlor. Bei der Reinigung stehen die Ärzte und Pflegenden mit den Füßen in Eimern, selbst die bis zu drei Paar Handschuhe müssen aufwändig nacheinander desinfiziert und entsorgt werden. Da nicht genügend Materialien vorhanden waren, um regelmäßige Ganzkörper-Spritzdesinfektionen durchzuführen, mussten die Studierenden improvisieren. „Das hat sehr gut geklappt. Am Ende wurden im ganzen Land Stationen nach unserem Vorbild eingerichtet“, freut sich Eckert.

Ein besonderes Problem bei der Bekämpfung der Epidemie ist in Sierra Leone nach den Erfahrungen der drei Studierenden die oft ungenügende Aufklärung der Bevölkerung. „Viele Menschen glauben nicht, dass das Virus überhaupt existiert, weil sie es nicht sehen können“, so Eckert. Dadurch wurden zum Teil die Leichen von verstorbenen Angehörigen zur Totenwaschung aus den Krankenhäusern entwendet, was zu weiteren Infektionen geführt habe. © hil/aerzteblatt.de

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