NewsMedizinEMA rät vom Abstillmittel Bromocriptin ab
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

EMA rät vom Abstillmittel Bromocriptin ab

Montag, 25. August 2014

London – Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) will die Anwendung des Dopamin-Agonisten Bromocriptin, der in der Hypophyse die Freisetzung von Prolactin hemmt, als Abstillmittel deutlich einschränken. Als Grund wird eine Neubewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses angegeben, die von der französischen Aufsichtsbehörde (ANSM) beantragt worden war.

Die ANSM war bereits im letzten Jahr zu einer negativen Bewertung gelangt. Der dortigen Pharmakovigilanz-Abteilung war aufgefallen, dass es trotz entsprechender Warnhinweise immer wieder zu schweren Zwischenfällen beim Einsatz von Bromocriptin als Abstillmittel kam. Darunter waren Herzinfarkte und Schlaganfälle, Krampfanfälle sowie Halluzina­tionen und mentale Störungen. Die ANSM hat deshalb das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) der EMA um eine Bewertung gebeten.

Dieses hält einen kausalen Zusammenhang nicht für ausgeschlossen. Auch wenn die Zwischenfälle offenbar sehr selten sind – die Inzidenzrate liegt zwischen 0,005 Prozent und 0,04 Prozent – hält es das PRAC doch für angemessen, den Einsatz von Bromocriptin stärker zu reglementieren.

Anzeige

Das PRAC rät, das Abstillmittel nur bei einer klaren medizinischen Indikation einzusetzen. Diese sieht es aber nur selten als gegeben. Als Beispiel wird der Verlust des Kindes unter der Geburt oder in der Neonatalphase genannt oder eine HIV-Infektion der Mutter. Hier soll eine Übertragung des HI-Virus über die Muttermilch verhindert werden. In diesen Fällen sollte Bromocriptin jedoch nur in der niedrigen Dosis von 2,5 mg eingesetzt werden. Für die höheren Dosisstärken von 5 mg oder 10 mg sieht der PRAC keine sinnvolle Verwendung.

Zur Behandlung einer schmerzhaften Milchstauung nach der Geburt sollte Bromocriptin nur noch ausnahmsweise eingesetzt werden, wenn andere Mittel wie Eisbeutel oder Schmerzmittel keine Linderung verschaffen.

Kontraindiziert ist Bromocriptin nach Auffassung des PRAC bei allen Patientinnen mit unkontrollierter Hypertonie, bei Hochdruckerkrankungen in der Schwangerschaft, in der Postpartalphase oder im Wochenbett, bei Frauen mit koronarer Herzkrankheit oder anderen schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie bei schweren psychiatrischen Erkrankungen. Diese Kontraindikationen werden allerdings bereits in den aktuellen Fachinformationen erwähnt.

Das PRAC rät zu Blutdruckmessungen zu Beginn der Therapie und zum Absetzen des Medikaments im Fall eines Blutdruckanstiegs oder dem Auftreten von kardiovaskulären, neurologischen oder psychiatrischen Symptomen.

© rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

12. Oktober 2018
Bonn – Der PDE-5-Hemmer Sildenafil darf nicht zur Behandlung von intrauterinen Wachstumsstörungen eingesetzt werden. Dies geht aus einem Rote-Hand-Brief hervor, den die Hersteller auf Anweisung des
Sildenafil: Kontraindikation für Schwangere nach Todesfällen in klinischer Studie
11. Oktober 2018
Potsdam – Im Arzneimittelskandal um das Unternehmen Lunapharm gibt es neue Vorwürfe gegen die Brandenburger Behörden und den Pharma-Großhändler. Wie das ARD-Politmagazin „Kontraste“ und der Sender RBB
Neue Vorwürfe in Pharmaskandal
10. Oktober 2018
Berlin/Saarbrücken – Im Jahr 2008 wurde der erste von mittlerweile vier Aktionsplänen Arznei­mittel­therapie­sicherheit (AMTS) auf den Weg gebracht. In den Aktionsplänen werden zahlreiche Ziele
„Verbesserte Prozesse in der Arzneimitteltherapie sind noch die Ausnahme“
9. Oktober 2018
Toronto und Boston – Die Sorge medizinischer Fachverbände, dass der Einsatz von nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) bei Menschen mit Nierenfunktionsstörungen zu schweren Komplikationen führt oder
Studien: Sind NSAID und Allopurinol weniger gefährlich als angenommen?
8. Oktober 2018
London – Fluorchinolone sollen künftig nicht mehr zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Infektionen eingesetzt werden, für die andere Antibiotika zur Verfügung stehen. Die Vorbeugung von
Antibiotika: EMA will die Indikationen von Fluorchinolonen deutlich einschränken
5. Oktober 2018
Bottrop – Der Skandal um zu gering dosierte Krebsmedikamente aus einer Apotheke in Bottrop soll Thema im Bundestag werden. Der Paritätische Wohlfahrtsverband und Selbsthilfegruppen aus Bottrop haben
Bundestagspetition zu Bottroper Apothekerskandal gestartet
5. Oktober 2018
Waldshut-Tiengen – Wie gefährlich ist die Anti-Baby-Pille „Yasminelle“? Nach fast drei Jahren Pause wird der Prozess um eine mögliche Gesundheitsgefahr des Mittels am 18. Oktober fortgesetzt, wie das
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Anzeige

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER