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Politik

Manipulations­verdacht bei Organvergabe: Ethikrat-Mitglied fordert differenzierte Sichtweise

Montag, 25. August 2014

Essen/Berlin – Im Fall der Ermittlungen gegen das Deutsche Herzzentrum hat Trans­plantations­mediziner und Ethikratmitglied Eckhard Nagel zu einer differenzierten Sichtweise aufgerufen. „So sehr ich schockiert bin über die Meldung, so sehr gehe ich davon aus, dass dies heute nicht mehr möglich wäre“, sagte der ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Essen.

Nagel sagte, man müsse differenzieren zwischen dem, was in Berlin zwischen 2010 und 2012 passiert sein solle und der aktuellen Situation: Es habe sich viel getan im Bereich der Transplantationszentren. Es seien Transplantationskonferenzen eingeführt worden sowie das Sechs-Augen-Prinzip zur Prüfung aller Daten bei der Anmeldung auf die Warteliste. „Ich bin davon überzeugt, dass das heute gar nicht mehr möglich wäre, bei den Veränderungen und Kontrollen, die stattgefunden haben“, sagte der Mediziner mit Blick auf den Berliner Fall.

Zugleich betonte er, in diesem Jahr müssten in Deutschland wieder mehr Patienten auf der Warteliste sterben als im vergangenen Jahr: „Das ist ein unhaltbarer Zustand“, sagte der Mediziner. „In Deutschland sterben Menschen, die in Nachbarländern überleben würden.“ Das sei mehr als bedrückend und besorgniserregend.

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Der Berliner Ärztekammerpräsident Günther Jonitz, der auch Vorsitzender der Quali­tätssicherungsgremien der Bundesärztekammer ist, forderte im Focus neue Regelungen: „Derzeit erhalten vor allem jene Patienten ein neues Organ, die besonders krank sind. In Zukunft sollte die voraussichtliche Lebenserwartung eine größere Rolle spielen.“

Entsetzt über den Manipulationsverdacht in Berlin zeigte sich Jan Gummert, Direktor am Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen. „Das ist ein absolutes Desaster. Das reicht, um das mühsam wiederhergestellte Vertrauen in die Organspende erneut zu zerstören“, sagte er der Neuen Westfälischen. Gummert fürchtet, dass der Skandal sich stark auf die Spendenbereitschaft auswirkt. Auch in Bad Oeynhausen werde die Warteliste mit Patienten, die auf ein Spenderherz warteten, ständig länger.

Der Medizinische Stiftungsvorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Axel Rahmel, hält dagegen. „Dieser Fall ist doch gerade ein Beleg dafür, dass die Kontrollen funktionieren. Dazu muss man wissen: Diese aktuell an die Staatsanwaltschaft gemeldeten Fälle liegen in der Vergangenheit. Sie wurden jetzt nur aufgrund der neu eingeführten Kontrollen aufgedeckt. Wenn man in diesem Drama irgendetwas Positives sehen will, dann, dass die neu eingeführten Kontrollmechanismen offensichtlich wirken.“

In Berlin ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Totschlags gegen das Deutsche Herzzentrum. Es bestehe der Verdacht, dass Wartelisten für Herztrans­plantationen manipuliert worden seien. © dpa/kna/aerzteblatt.de

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