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Medizin

Favipiravir: Grippe-Mittel könnte gegen Ebola wirken

Dienstag, 26. August 2014

dpa

Tokio/Hamburg – Der japanische Hersteller Toyama Chemical, eine Tochter des Fuji-Konzerns, hat laut Presseberichten signalisiert, das Virostatikum Favipiravir für die Behandlung von Ebola-Patienten zur Verfügung zu stellen. Das Mittel hat die klinische Entwicklung zur Behandlung der Influenza bereits durchlaufen und steht in den USA vor einer möglichen Zulassung. Zur Wirksamkeit bei Ebola haben Forscher des Bernhard-Nocht-Instituts kürzlich in Antiviral Research (2014: 105: 17-21) eine tierexperimentelle Studie veröffentlicht.

Favipiravir (T-705) hemmt in den Zellen das Enzym RNA-Polymerase. Viele Viren, darunter das Ebola-Virus, benötigen das Enzym, um ihre Gene in eine Boten-RNA umzuschreiben, die von den Ribosomen, den Proteinfabriken der Zellen, akzeptiert wird. Favipiravir verhindert dies und unterbricht damit die Virusreplikation. Das Molekül wurde 2002 von Toyama Chemical in Tokio als Wirkstoff zur Behandlung der Influenza ent­wickelt. In Japan hat der Wirkstoff die klinische Entwicklung bereits durchlaufen. In den USA bemüht sich die Firma MediVector aus Boston um eine Zulassung unter dem Produktnamen Avigan.

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Aufgrund seines Wirkungsmechanismus könnte Favipiravir gegen eine Vielzahl von RNA-Viren aktiv sein. Darunter sind Flaviviren (Gelbfieber, West-Nil-Fieber), Enteroviren (Polio- und Rhinoviren) das Respiratorische-Synzytial-Virus und Noroviren, um nur einige zu nennen. Auch eines der sieben Gene des Ebola-Virus enthält die Information für eine RNA-Polymerase. Dies veranlasste das Team um Privatdozent Stephan Günther vom Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg vor einiger Zeit, die Wirkung bei einem Ebola-Stamm zu untersuchen.

Nachdem Favipiravir die Virusreplikation in Zellkulturen zuverlässig stoppte, wurden in einem Hochsicherheitslabor gentechnische Mäuse behandelt. Sie waren für eine Ebola-Infektion empfänglich, weil ihnen die Gene für eine Interferon-Abwehr fehlten. Alle zehn unbehandelten Tier verendeten innerhalb weniger Tage. Alle fünf Tiere, die in den Tagen 6 bis 13 nach einer intranasalen Inokulation mit Favipiravir behandelt wurden, überlebten dagegen.

Kurzes therapeutisches Fenster
Die Tiere waren zu Beginn der Behandlung bereits virämisch und ein Gewichtsverlust zeigte eine beginnende Erkrankung an. Das therapeutische Fenster für die Therapie war jedoch kurz. Alle fünf Tiere, die in einer zweiten Gruppe ab dem Tag 8 der Erkrankung behandelt wurden, überlebten die Ebola-Infektion nicht.

Ob die Therapie besser wirken würde als ZMapp, bliebe abzuwarten. Das Präparat, das mit drei gentechnischen Antikörpern das Immunsystem der Patienten unterstützen soll, bis sie eigene Abwehrstoffe gegen die Viren bilden, wurde bisher nur bei zwei US-Patienten erfolgreich eingesetzt. Ein spanischer Priester starb vor wenigen Tagen, nachdem er die erste Dosis erhalten hatte. Der Patient war jedoch bereits 75 Jahre alt und sein Immunsystem wahrscheinlich nicht mehr in der Lage, eigene Antikörper in ausreichender Menge zu bilden.

Auch ein Arzt aus Liberia ist laut Presseberichten trotz einer Behandlung mit ZMapp gestorben. An einer Klinik in London wird derzeit eine 29-jährige Krankenschwester behandelt, die sich in Sierra Leone infiziert hat. Ob sie ZMapp erhält, ist nicht bekannt. © rme/aerzteblatt.de

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