NewsAuslandWHO empfiehlt Verbot des Verkaufs von E-Zigaretten an Minderjährige
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

WHO empfiehlt Verbot des Verkaufs von E-Zigaretten an Minderjährige

Dienstag, 26. August 2014

dpa

Genf – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat sich für ein Verbot des Verkaufs von E-Zigaretten an Minderjährige ausgesprochen und den Herstellern irreführende Werbe­praktiken vorgeworfen. Der Konsum der elektronischen Zigaretten, bei denen anstelle von Tabak aromatisierter und meist mit Nikotin angereicherter Dampf inhaliert wird, stelle für Föten und Heranwachsende eine „ernsthafte Gefahr” dar und könne langfristig zu Hirnschäden führen, erklärte die WHO am Dienstag.

Gleichzeitig sprach die Welt­gesund­heits­organi­sation sich für ein Verbot von E-Zigaretten in geschlossenen öffentlichen Räumen aus, bis eine Ungefährlichkeit für Dritte nach­gewiesen sei. Verkaufsautomaten sollten nach Empfehlung der WHO möglichst überall abgeschafft werden, um niederschwellige Konsumanreize zu vermeiden. Gleiches gelte für lockende Geschmacksstoffe wie Frucht- und Alkoholaromen oder Süßstoffe, von denen sich mutmaßlich vor allem Kinder und Jugendliche verführen ließen.

Anzeige

Die UN-Organisation räumte zwar ein, dass die E-Zigaretten "wahrscheinlich weniger schädlich" seien als herkömmliche Zigaretten. Allerdings gebe es auch genügend Beweise, dass sie nicht einfach nur aus „Wasserdampf” bestünden, wie die Produzenten häufig behaupteten.

Zudem lägen noch keine wissenschaftlichen Studien zu den Herstellerbehauptungen vor, wonach Rauchern mit E-Zigaretten der Ausstieg aus dem Tabakkonsum erleichtert werde. Deshalb sollten „Kinder, Jugendliche, Schwangere sowie Frauen im gebärfähigen Alter” auf die langfristigen Konsequenzen hingewiesen werden, die der Konsum von E-Zigaretten auf die Entwicklung des Gehirns haben könne.

"Renormalisierungseffekt" befürchtet
Die WHO fürchtet darüber hinaus, dass die zunehmende Popularität und der „Renor­malisierungseffekt” von E-Zigaretten auch das herkömmliche Rauchen wieder salonfähiger macht. Als „Tor zur Nikotinsucht" könnten sie somit letztlich auch den Tabakkonsum junger Leute steigern. Tatsächlich hat sich der einstige Nischenmarkt zu einem globalen Milliardengeschäft entwickelt. Seit der Einführung der E-Zigarette im Jahr 2005 durch einen einzelnen chinesischen Hersteller sind nach WHO-Angaben mehr als 460 Marken in über 60 Ländern in die Produktion gegangen. Angeboten würden inzwischen fast 8.000 Geschmackssorten, der weltweite Umsatz betrage schätzungsweise drei Milliarden Dollar (2,27 Milliarden Euro).

Vermarktungsschwerpunkt sind bislang die USA
Der Vermarktungsschwerpunkt der E-Zigaretten liegt bislang in den USA. Dort haben nach eigenen Angaben fast die Hälfte aller Raucher und ehemaligen Raucher innerhalb eines Jahres zumindest ein Mal zu E-Zigaretten gegriffen. In der Europäischen Union ist es nach WHO-Angaben nur einer von hundert Einwohnern.

Die Empfehlungen der Genfer Organisation richten sich an die Unterzeichner der Rahmen­konvention zur Tabak-Kontrolle, die sich im Oktober in Moskau treffen und neue Richtlinien festlegen sollen. In dem internationalen Abkommen verpflichten sich die Länder, Vorkehrungen zu treffen, um die Raucherquoten drastisch zu senken. Bei dem Moskauer Treffen soll es auch um die Frage gehen, ob E-Zigaretten in die Konvention aufgenommen werden sollen.

© afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. Juli 2019
Bern – In der Schweiz wächst der Druck auf die Regierung, eine Sponsoringvereinbarung mit dem Tabakkonzern Philip Morris International (PMI) rückgängig zu machen. Das Unternehmen ist nach bisherigen
Schweizer Regierung wegen Tabaksponsoring unter Druck
3. Juli 2019
Berlin – Deutschland ist das letzte Land in der Eurpäischen Union, das Plakatwerbung für Zigaretten noch nicht verboten hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) möchte das jetzt ändern. Ein erster
Instagram-Werbung für E-Zigaretten richtet sich oft an Jugendliche
26. Juni 2019
Los Angeles – Als erste US-Großstadt verbietet San Francisco faktisch den Verkauf und die Herstellung von E-Zigaretten. Der Stadtrat der kalifornischen Metropole beschloss gestern einstimmig einen
San Francisco verbietet Verkauf von E-Zigaretten
20. Juni 2019
Salt Lake City – Aus nicht völlig geklärten Gründen können E-Zigaretten in Brand geraten oder sogar explodieren. Bei einem 17-jährigen Schüler kam es laut einem Fallbericht im New England Journal of
E-Zigarette explodierte im Mund
11. Juni 2019
Miami – Das im Dampf enthaltene Nikotin, der eigentliche Grund für die Benutzung von E-Zigaretten, hemmt offenbar den mukoziliären Transport, der ein wichtiger Selbstreinigungsmechanismus der
E-Zigaretten: Nikotin stört mukoziliäre Clearance
31. Mai 2019
Berlin/Düsseldorf/Bad Segeberg – E-Zigaretten und Tabakerhitzer erfreuen sich auch hierzulande zunehmender Beliebtheit. Wie sich das sogenannte „Dampfen“ auf die Gesundheit auswirkt, ist aufgrund
Verbände und Regierung nehmen Tabakkonsum ins Visier
28. Mai 2019
Stanford – Aromaliquids für E-Zigaretten können das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Stanford University School of Medicine in einer Studie mit
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER