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Ausland

Beispiellose Infektionsrate unter Ebola-Helfern

Dienstag, 26. August 2014

Aufbau eines Hilfszentrums des Roten Kreuzes in Sierra Leone /dpa

Genf/Paris/Freetown – Bei der Ebola-Epidemie in Westafrika haben sich medizinische Helfer in bisher beispiellosem Ausmaß mit dem Virus infiziert. Bislang hätten sich mehr als 240 Ärzte, Pfleger und andere Helfer angesteckt, von denen über 120 gestorben seien, teilte die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) am Dienstag in Genf mit. Der renommierte Experte und Ebola-Mitentdecker Peter Piot warf der Organisation vor, viel zu spät auf die Epidemie reagiert zu haben.

Mangelhafte Ausstattung
Für die hohe Infektionsrate unter den Helfern nannte die WHO etliche Gründe: Oft sei die Ausstattung mit Schutzausrüstung wie Spezialkleidung, Mundschutz oder Hand­schuhen unzureichend. Zudem seien viele Helfer mit der chaotischen Situation vor Ort völlig überfordert, was das Infektionsrisiko erhöhe. „Überlastetes Personal ist anfälliger für Fehler“, erklärte die WHO.

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Der Kampf gegen die Epidemie wird nach Angaben der Vereinten Nationen durch die Reduzierung der internationalen Flüge nach Westafrika stark behindert. Dadurch werde es sehr schwer, Helfer und Hilfsgüter in die betroffenen Länder zu bringen, sagte der UN-Koordinator für Hilfsoperationen in Sierra Leone, David McLachlan-Karr, bei einer Pressekonferenz in Freetown. Die UN seien bereit, Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie erheblich auszuweiten. „Aber dies ist nur möglich, wenn die Flüge wieder aufgenommen werden.“

Unterdessen weitet sich der Virus-Ausbruch nach den Worten des UN-Sonderbeauftragten für die Bekämpfung von Ebola, David Nabarro, immer noch aus. Für die Bekämpfung der Seuche sei eine „globale Partnerschaft“ nötig, an der sich alle Staaten beteiligen, betonten die UN in einer Mitteilung.

WHO hat zu spät reagiert
Piot, der verschiedene UN-Programme leitete, warf der WHO vor, zu langsam auf den Ausbruch in Westafrika reagiert zu haben. Bereits im März sei gewarnt worden, dass sich seit Dezember 2013 eine Ebola-Epidemie entwickele, sagte der belgische Forscher der Pariser Zeitung Libération vom Dienstag.

„Ungeachtet von Anforderungen durch MSF (Ärzte ohne Grenzen) ist die WHO nicht vor Juli aufgewacht“, kritisierte der Mikrobiologe, der das Ebola-Virus 1976 im damaligen Zaire mitentdeckte. „Inzwischen hat sie die Führung übernommen, aber das kam spät.“ Der 65-Jährige warnte, dass die Ebola-Epidemie noch weit schlimmere Folgen haben könne als bisher. Für westliche Länder sieht er keine ernste Gefahr. Es sei möglich, dass einzelne Fälle von Ebola auftreten. Moderne Gesundheitssysteme könnten damit aber fertig werden. Ebola-Viren würden sich keineswegs so leicht verbreiten wie etwa Grippe-Erreger.

Ärzte ohne Grenzen sendet Personal in die Demokratische Republik Kongo
Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) kündigte am Dienstag an, weitere Ärzte in das Gebiet des Ebola-Ausbruchs im Norden der Demokratischen Republik Kongo zu schicken. Bislang sei in der dortigen Provinz Equateur durch Blutuntersuchungen bei vier Patienten Ebola bestätigt worden, teilte der MSF-Koordinator im Kongo, Jeroen Beijnberger, am Dienstag mit.

Die Organisation entsende Ärzte, Krankenschwestern, Logistik- und Hygieneexperten in die Gegend des Ebola-Ausbruchs. Wo genau die erste Infektion erfolgte, solle so schnell wie möglich geklärt werden. «Wir wollen die Patienten rasch isolieren und zugleich mit der Fahndung nach Personen beginnen, mit denen sie in Kontakt waren», erklärte Beijnberger.

In Zusammenarbeit mit dem Ge­sund­heits­mi­nis­terium des Landes errichte MSF ein Zentrum zur Ebola-Bekämpfung in der Ortschaft Lokolia in der Region Boende. Die Ebola-Fälle im Kongo stehen laut MSF nach allen bisherigen Erkenntnissen in keinem Zusammenhang mit der sich immer stärker ausweitenden Epidemie in den westafrikanischen Ländern Liberia, Sierra Leone und Guinea.

Infizierter Brite wird in London mit ZMapp behandelt
Der mit Ebola infizierte britische Krankenpfleger hat das experimentelle Medikament ZMapp bekommen. Das bestätigten am Dienstag Mitarbeiter des Krankenhauses in London, in dem der 29-Jährige behandelt wird. „Es ist experimentelle Medizin, das haben wir in unseren Gesprächen mit ihm absolut klar gemacht”, sagte Michael Jacobs von der Abteilung für Infektionsmedizin. Am Montag habe der Patient die erste Dosis erhalten.

Wegen Ebola-Gefahr warnte das Auswärtige Amt in Berlin vor Reisen in die nordöst­lichen Landesteile des Kongo. In der Provinz Equateur waren zwei Ebola-Fälle bestätigt worden. Das Amt weist jedoch darauf hin, dass das zentralafrikanische Land über Erfahrung im Umgang mit Ebola-Epidemien verfügt. Anfang August hatte das Auswärtige Amt auch von Reisen nach Sierra Leone, Liberia und Guinea abgeraten. Bei dem Erreger im Kongo soll es sich um einen anderen Ebola-Stamm handeln als jenen, der derzeit in Westafrika kursiert. © dpa/aerzteblatt.de

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