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Medizin

Antibio­tika-Resistenzen: MRSA-Vorläufer stammt aus Afrika

Dienstag, 26. August 2014

Kopenhagen – Der häufigste Erregerstamm der Community-Acquired MRSA, also der multiresistenten Staphylokokken, die außerhalb des Krankenhauses vorkommen und an denen gesunde Menschen erkranken können, hat seinen Ursprung in Afrika. Dies zeigt eine internationalen Studie, die in mbio (2014; doi:10.1128/mBio.01044-14) veröffentlicht wurde.

Wenn Menschen ihren Lebensraum verändern, nehmen sie auch die Bakterien mit, die ihren Körper besiedeln. In ihrer neuen Heimat können die Bakterien dann andere Personen infizieren. Durch die Sequenzierung von Bakteriengenomen können Mikrobiologen diese Migrationsbewegungen der Bakterien nachvollziehen.

Ein internationales Team um Marc Stegger vom Statens Serum Institut in Kopenhagen ist jetzt dem Ursprung eines Stammes von Staphylococcus aureus nachgegangen, der erstmals 1993 in Europa nachgewiesen wurde. Heute bildet dieser Clonal Complex 80 (CC80) das Grundgerüst der Community-Acquired MRSA, die für eine steigende Zahl von Haut- und Weichteilinfektionen verantwortlich sind.

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Stegger hat zusammen mit Forschern aus 19 anderen Instituten das Genom von 97 CC80-Isolaten aus 22 Ländern Europas, Nordafrikas, dem Nahen Osten und Asiens sequenziert. Von den 97 Proben waren 23 noch empfindlich auf Methicillin, die anderen 74 zählten zu den MRSA, die nicht nur gegen Beta-Laktam-Antibiotika, sondern meist auch gegen Kanamycin/Amikacin, Tetrazykline und Fusidinsäure resistent sind.

Der Vergleich der Gensequenzen ermöglichte eine Stammbaum-Analyse, deren Ursprung nach Afrika weist. Die Länder südlich der Sahara waren die Heimat des Stammes, der damals schon das Toxin Panton-Valentine Leukocidin besaß, das Poren in Zielzellen „bohrt“ und für nekrotisierende Hautinfektionen verantwortlich ist.

In Afrika südlich der Sahara sind die CC80-Stämme weit verbreitet. Sie waren dort noch empfindlich gegenüber den meisten Antibiotika. Dies änderte sich, als die CC80-Stämme nach Europa gelangten, wobei die Forscher nicht wissen, ob sie von Touristen einge­schleppt wurden oder mit Migranten nach Europa kamen. In Europa werden nekroti­sierende Hautinfektionen mit Antibiotika behandelt.

Unter dem dadurch ausgelösten Selektionsdruck müssen einzelne CC80-Stämme dann ihre heutigen Resistenzeigenschaften erworben haben. Sie sind zum einen auf dem sogenannten SCCmec-Element lokalisiert, das die Resistenzgene für Methicillin enthält. Das zweite Element ist ein Plasmid, das eine Resistenz gegen Fusidinsäure vermittelt. Stegger vermutet, dass die beiden „Resistenz-Pakete“ gleichzeitig auf die Staphylo­kokken übergingen, in denen sich gewissermaßen die aus Afrika stammende Virulenz mit der in Europa, dem Nahen Osten und Asien erworbenen Resistenz paart. © rme/aerzteblatt.de

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