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Medizin

Jeder Vierte akut aufgenommene Patient ohne Diagnose entlassen

Donnerstag, 28. August 2014

Aarhus – Jeder vierte Patient, den Ärzte wegen akuten Symptomen ernsthafter Erkrankungen im Krankenhaus aufgenommen haben, wird anschließend ohne eine Diagnose entlassen – zumindest in Dänemark. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Christian Christiansen vom Department of Clinical Medicine und Department of Clinical Epidemiology der Universitätsklinik Aarhus aus ihrer aktuellen Studie im European Journal of Internal Medicine (doi: 10.1016/j.ejim.2014.06.017).

„Natürlich muss keine Diagnose gestellt werden, wenn die Untersuchungen ergeben, dass keine ernsthafte Erkrankung vorliegt. Also werden einige Patienten immer ohne Diagnose entlassen werden“, kommentiert Christiansen dieses Ergebnis, „aber wir sind überrascht, dass so viele, nämlich jeder vierte Patient, keine spezifische Diagnose erhalten.“

Die Wissenschaftler erfassten in einer bevölkerungsbasierten Beobachtungsstudie anhand des Danish National Registry of Patients alle akuten Patienten, die 2010 in ein dänisches Krankenhaus aufgenommen wurden. Die Gründe für die Aufnahme wurden anhand der Erstdiagnose entsprechend ICD-10 eingeschätzt. Außerdem haben die Wissenschaftler den sogenannten Charlsson Comorbidity Index Score (CCI) sowie Alter und Geschlecht erhoben. Der CCI berechnet die Zehn-Jahres-Sterbewahrscheinlichkeit für Patienten, die an einer oder mehreren Begleiterkrankungen leiden.

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Zwei Drittel der 264.265 erfassten Patienten hatten einen der folgenden vier Aufnahme­gründe: kardiovaskuläre Erkrankungen (19,3 Prozent), unspezifische Z-Diagnosen (16,9 Prozent), Infektionserkrankungen (15,5 Prozent) oder unspezifische R-Diagnosen (11,8 Prozent). Das Alter der Patienten lag im Median bei 64 Jahren und reichte von 46 Jahren (Median) bei Verletzungen und Vergiftungen bis 74 Jahren (Median) bei hämatologischen Erkrankungen. Es gab deutliche Geschlechtsunterschiede in den Diagnosegruppen, beispielweise wurden mehr Männer mit psychischen Erkrankungen aufgenommen und mehr Frauen mit muskuloskelettalen Erkrankungen.

Die Ursachen für die Entlassungen ohne Diagnose haben die Wissenschaftler nicht analysiert, weil das eigentliche Ziel der Studie war, bevölkerungsbasierte Daten über die Gründe akuter Krankenhausaufnahmen zu gewinnen. Christiansen mutmaßt: „Wir sollten uns fragen, ob diese Patienten während des Kranken­haus­auf­enthaltes adäquat unter­sucht wurden. Wenn dies nicht der Fall ist, kann das Risiko von Verschlechterung und Rehospitalisierung bestehen.“

Diejenigen Patienten, die ohne Diagnose entlassen wurden, blieben im Durchschnitt nur für einen Tag in der Klinik. Ein weiteres Ergebnis: 45 Prozent der aufgenommenen Patienten litten an chronischen Erkrankungen (CCI-Score von eins oder mehr). Chronische Erkrankungen der Patienten und Aufnahmegrund überschnitten sich in beträchtlichem Ausmaß.

Christiansen mahnt im Hinblick auf zukünftige Planungen im Gesundheits-Sektor einschließlich der Notaufnahmen: „Es ist auf jeden Fall extrem wichtig für den Patienten und das Gesundheitssystem als Ganzes, dass Patienten mit ernsthaften und kritischen Erkrankungen so gut wie möglich diagnostiziert werden, wenn sie das erste Mal aufgenommen werden.“

© hil/aerzteblatt.de

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