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Medizin

Frühgeburt: EPO bessert Kernspin-Befund in Studie

Donnerstag, 28. August 2014

dpa

Genf – Kann eine hochdosierte Therapie mit Erythropoetin Hirnschäden nach einer extremen Frühgeburt verhindern? Die Zwischenergebnisse einer randomisierten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; 312: 817-824) zeigen günstige Verän­derungen in der Kernspintomographie zum errechneten Geburtstermins. Harte Daten zur neuropsychologischen Entwicklung der Kinder liegen allerdings noch nicht vor.

Das blutbildende Hormon Erythropoetin (EPO) wird seit längerem zur Behandlung der Frühgeborenenanämie eingesetzt. Neonatologen gewinnen dabei häufig den Eindruck, dass die Therapie nicht nur die Blutarmut beseitigt, sondern die neuropsychologische Entwicklung der Säuglinge fördert. Vor vier Jahren berichteten Pädiater vom Kinder­kranken­haus Auf der Bult in Hannover, dass eine Gruppe von anämischen Frühge­borenen, die zwischen 1993 und 1998 mit EPO behandelt worden waren, sich im Alter von zehn Jahren häufiger normal entwickelt hatten als andere nicht mit EPO behandelte anämische Frühgeborene.

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Laut der in den Annals of Neurology (2010; 67: 657-666) publizierten Studie war der IQ der mit EPO behandelten Kinder mit 90,8 versus 81,3 Punkten signifikant höher. Dies hat zu der Idee geführt, nicht nur anämische Frühgeborene mit EPO zu behandeln, sondern die Therapie auf alle Kinder auszudehnen, die vor der 32. Woche geboren wurden.

Diese Hypothese wird derzeit in der Schweiz an fünf Kliniken (Unikliniken Basel, Genf und Zürich sowie Kantonskliniken Aarau und Chur) in einer randomisierten Studie an 495 extremen Frühgeborenen (Geburt zwischen 26. bis 32. Woche) untersucht. Die ab­schließenden Ergebnisse zum primären Endpunkt, der mentalen Entwicklung im Alter von 24 Monaten, liegen noch nicht vor.

Das Team um Petra Susan Hüppi von der Universität Genf kann jetzt jedoch erste Ergeb­nisse zu einem Surrogat-Parameter vorstellen: In einer nicht-randomisierten Gruppe von 165 Kindern war zum Zeitpunkt der errechneten Geburt eine Kernspintomographie des Schädels angefertigt worden. Dort zeigen die Säuglinge, die hoch-dosiert mit EPO behandelt wurden, vorteilhafte Entwicklungen, berichtet Hüppi.

Der Anteil der Säuglinge mit Schädigungen der weißen Hirnsubstanz war mit 22 gegenüber 36 Prozent niedriger als in der Kontrollgruppe. Eine abnorme Signalintensität der weißen Hirnsubstanz zeigten 3 gegenüber 11 Prozent der Säuglinge, ein periventrikulärer Verlust der weißen Hirnsubstanz war bei 18 gegenüber 33 Prozent erkennbar, und eine Schädigung der grauen Hirnsubstanz diagnostizierten die Radiologen bei 7 gegenüber 19 Prozent der Säuglinge.

Inwiefern diese günstigen Veränderungen die weitere neuropsychologische Entwicklung der Säuglinge beeinflusst, ist nicht klar. Ein Einfluss auf die Überlebenschancen der extremen Frühgeburten war nicht erkennbar. Von den 236 Kindern im EPO-Arm starben bisher 12 (5,1 Prozent). Genauso vieleTodesfälle, nämlich 225 (5,3 Prozent) gab es im Placebo-Arm. © rme/aerzteblatt.de

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